Wenn das Leben eine neue Richtung nimmt
Zum bundesweiten Gedenktag für Menschen mit Amputation
Am 21. April richtet sich der Blick in ganz Deutschland auf Menschen, die mit einer Amputation leben. Der Tag wird vom Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation hervorgehoben – mit dem Ziel, Aufmerksamkeit zu schaffen, Verständnis zu fördern und Betroffene miteinander zu vernetzen.
Es ist ein Tag, der zeigt: Hinter jeder Prothese steckt eine Geschichte. Eine Geschichte von Verlust, aber auch von Mut, Anpassung und einem neuen Blick aufs Leben.
Eine dieser Geschichten beginnt im September 2018. Damals ist er 22 Jahre alt, unterwegs auf dem Motorrad, als sich in einer Kurve alles verändert. Ein riskantes Überholmanöver eines unsicher fahrenden Autos endet in einem schweren Unfall. Der Aufprall auf die Leitplanke reißt ihm den Unterschenkel ab, er stürzt einen Abhang hinunter. Rettungskräfte kämpfen sich zu ihm durch, bergen ihn unter schwierigsten Bedingungen.
Was folgt, ist eine Zeit, die viele Betroffene ähnlich beschreiben: ein Nebel aus Schmerz, Medikamenten und Ungewissheit. „Man funktioniert erst einmal nur“, erinnert er sich. Erst langsam wird klar, was passiert ist – und was es bedeutet.
Mit der Klarheit kommen die Fragen. Wie wird das Leben jetzt aussehen? Was wird noch möglich sein? Und manchmal sind es gerade die einfachen, fast alltäglichen Gedanken, die besonders schwer wiegen.
„Meine größte Sorge war tatsächlich, ob ich nochmal tanzen gehen kann – und wie andere Menschen darauf reagieren.“
Es ist diese Mischung aus Angst, Unsicherheit und dem Wunsch nach Normalität, die viele Menschen nach einer Amputation begleitet. Die Sorge, plötzlich „anders“ zu sein. Nicht mehr dazuzugehören.
Und doch zeigt seine Geschichte auch eine andere Seite: den unbedingten Willen, sich das Leben zurückzuholen. Nur wenige Wochen nach dem Unfall steht er – noch mit Schmerzen, aber mit großer Entschlossenheit – wieder in einer Diskothek. Ein erster Schritt zurück ins alte Leben. Oder vielleicht schon der erste Schritt in ein neues.
Unterstützung findet er dabei vor allem in seinem Umfeld. Familie und Freunde stehen hinter ihm, begegnen ihm auf Augenhöhe, ohne Mitleid – dafür mit Humor. „Makabre Witze gehören bei uns dazu“, sagt er und lächelt.
Doch nicht alle bleiben. Eine Beziehung zerbricht an der neuen Situation. Eine Erfahrung, die schmerzt und Spuren hinterlässt. Gerade in jungen Jahren ist das eine zusätzliche Belastung. Und trotzdem zeigt sich mit der Zeit: Die anfänglichen Ängste bewahrheiten sich nicht. Weder im Alltag noch im Umgang mit anderen Menschen.
Ein entscheidender Moment auf seinem Weg ist die Begegnung mit einem anderen Betroffenen – einem jungen Mann, der selbst mit Prothese lebt und ihm im Krankenhaus zeigt, was alles möglich ist. Er läuft den Flur auf und ab, fast spielerisch. Ein Bild, das bleibt. Und Mut macht.
Genau dieser Austausch ist es, den der Gedenktag stärken will. Zu sehen, dass andere ihren Weg gefunden haben. Dass Grenzen verschiebbar sind. Dass ein erfülltes Leben weiterhin möglich ist.
Heute weiß er: Vieles hängt von den richtigen Rahmenbedingungen ab. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Prothesenversorgung.
„Laufen kann man auf vielen Füßen – aber die Lebensqualität entscheidet sich im Detail.“
Vor allem die Passform des Prothesenschafts sei entscheidend. Sie erfordere Geduld, Präzision und ein gutes Zusammenspiel zwischen Patient und Orthopädietechniker. Versorgt wird er dabei heute bei APT Prothesen in Homburg – ein Ort, an dem für ihn nicht wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund stehen, sondern die bestmögliche Versorgung und damit Lebensqualität.
Mit der richtigen Versorgung sind dann auch Dinge möglich, die früher undenkbar schienen: lange Tage auf den Beinen, aktive Freizeit, sogar Festivalwochenenden mit zehntausenden Schritten.
Sein Blick auf das Leben hat sich verändert – vielleicht klarer, vielleicht bewusster. Vor allem aber ist er heute offen im Umgang mit seiner Prothese. Was sich früher wie ein Makel anfühlte, ist heute ein Teil seiner Geschichte.
Sein Rat an andere Betroffene ist deshalb klar:
Nicht zurückziehen. Den Austausch suchen. Sich an dem orientieren, was andere bereits geschafft haben. Und sich selbst die Zeit geben, Schritt für Schritt wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu entwickeln.
Der Gedenktag am 21. April macht genau das sichtbar. Er erinnert daran, dass hinter jeder Amputation ein Mensch steht – mit Herausforderungen, aber auch mit Stärke, Humor und Lebenswillen.
Und er zeigt: Das Leben endet nicht mit einer Amputation. Es verändert sich. Aber es geht weiter. © Kim Cremer

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