Die Blies, einst unser schwarzes Flüsschen
Teil 9 von Jürgen Cornely
Die DERA – Städtehygiene- und Wasserbaugesellschaft – begleitete das Projekt durch ein „Gutachten über die Verbesserung des Blieslaufs auf Gemarkung Neunkirchen und Wiebelskirchen“.
Die Vorschläge zur Umsetzung waren aus wasserbautechnischer Sicht sinnvoll, wurden jedoch allesamt nicht verwirklicht. Ob finanzielle Gründe oder die Prioritäten des heraufziehenden Krieges die Ursache waren, konnte ich nicht herausfinden. Trotzdem seien sie hier genannt. Zunächst sollte die Sohle des Bliesbettes auf dem bereits korrigierten Abschnitt um 1 m tiefer gelegt werden, um – und das war ja von Anfang an die Zielsetzung – bei Hochwasser eine größere Fließgeschwindigkeit und Schleppkraft zu erreichen. „Die Bliesbrücke an der Bahnhofstr. muss unter allen Umständen abgebrochen und neu gebaut werden.“ Hintergrund war, das enge Blies-Knie zu entschärfen, das wegen der unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten an den beiden Ufern immer wieder zu Anlandungen – im Volksmund sprach man von der Insel unterhalb der damaligen „Herberge zur Heimat“ – führte. Eine mögliche Streckenführung sollte näher am Hotel Halberg (heute Corona-Hochhaus) vorbeiführen, wozu der auf Stützen ruhende Anbau hätte entfernt werden müssen. Die Alternative sah vor, das Bliesbett südlich um das Hotel Halberg, also in Richtung Stummdenkmal, herumzuführen. Dazu hätten das Eiscafé Bertram und die danebenliegende Tankstelle sowie das Laborgebäude des NE abgerissen werden müssen. Bei beiden Lösungen sollte das Haus Eisenbeis, die „Herberge zur Heimat“, fallen. Das Gutachten enthielt noch eine Alternative, bei der man sich kaum vorstellen kann, dass sie weiterverfolgt wurde: Die Verlegung der Blies in einen Stollen zwischen dem Eintritt der Blies ins Eisenwerksgelände unterhalb des Kuchenbergs und einem Austritt unterhalb der Mozartbrücke. Nach dem Krieg wusste man nicht, wo man anfangen sollte. Zunächst mussten die Kriegsschäden behoben werden, die insbesondere am 15. März 1945 durch die Bombardierung der Stadt entstanden waren. Das betraf natürlich zuallererst Straßen und Gebäude, aber auch die Blies. Schon im Jahr zuvor war das immanente Problem mit der Verunreinigung der Blies wieder zu Tage getreten, wie man einem Schreiben der Verwaltung des Eisenwerks an den Bürgermeister entnehmen kann. Im Herbst 1946 wurde das Werk unter Sequester gestellt und die Wiederinbetriebnahme hatte Vorrang. Die Stadtverwaltung jedoch ließ das Thema nicht ruhen. Das Wasser der Blies und der einschlägigen Zuflüsse im Stadtgebiet wurde im Winter 1946/47 vom Institut für Hygiene und Infektionskrankheiten im Auftrag des Wasserwirtschaftsamtes untersucht. Ergebnis: „Die Aufnahme von Abwässern verschiedenster Art wirkt sich deutlich auf die chemische Zusammensetzung des Blieswassers aus. Es besitzt schwach alkalische Reaktion, ist nur wenig durchsichtig und enthält absetzbare Schwebestoffe, darunter auch Kohleteilchen, wenn auch nur in geringen Mengen. Die Menge der gelösten und der organischen Stoffe hat auf dem Wege von der unteren Brücke in Wiebelskirchen bis zur Brücke Mozartstraße in Neunkirchen erheblich zugenommen.“ Insbesondere die Belastung des Sinnerbaches über den Klinkenbach durch die Kokerei Reden und die des Heinitzbaches durch das Bergwerk Heinitz/Dechen waren auffällig.29 Zu einer Sitzung des Stadtrates am 8. September 1947 waren daher Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes eingeladen. „Nachdem das Eisenwerk stillliege, habe sich eindeutig ergeben, dass die Gruben als Hauptverunreiniger der Blies über den Heinitzbach und den Sinnerbach in Frage kommen. Bei dem jetzigen außerordentlich niedrigen Wasserstand der Blies sei die beste Gelegenheit geboten, die Reinigung des Bliesbettes … bis zur Mozartbrücke durchzuführen.“ So wird der zuständige Oberbaurat Noll im Protokoll der Sitzung zitiert. Die Versammlung fasste einstimmig einen entsprechenden Beschluss. Die Stadt wollte eine Kolonne von 10 Mann zur Verfügung stellen und die Grubenverwaltung eine von etwa 30 Mann und sie so entlohnen, als ob sie im Grubeneinsatz ständen. Damit muss wohl auch begonnen worden sein, aber nach wenigen Tagen tat sich nichts mehr. Es fehlte wohl an dem nötigen Nachdruck. „Der Wiederaufbau der Stadt ist ohne Zweifel in mancher Hinsicht mit dem Wiederaufbau ihrer Großindustrie verbunden.“ So steht es in der Festschrift „25 Jahre Stadt Neunkirchen/Saar“.30
In den 50er Jahren nach dem Krieg wurde die Blies dann ein letztes Mal begradigt, und zwar zwischen der Bahnhofstraße und der Brückenstraße.
Quellennachweis: 29: Gutachten Wasserwirtschaftsamt 1947, Stadtarchiv NK.,
30: 25 Jahre Stadt Neunkirchen, S.40..
Im September Vortrag des HVS erzählt uns unser langjähriges Vereinsmitglied, Herr Markus Walther, aus der Lebensgeschichte der ersten Ärzte in Neunkirchen im 19. Jh (Dr. Riedel, Dr. Füller u. Dr. Pochhammer), Mittwoch, den 2. September 2026. Beginn 19 Uhr VHS-Gebäude, Marienstr. 2., Neunkirchen, Raum 15. Nichtmitglieder zahlen 3€, Gäste sind willkommen.

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