Page 36 - Stadtmagazin "es Heftche"® | Ausgabe 307, November 2023
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 Wer war eigentlich St. Martin
schien ihm, laut der Sage, Jesus und sagte Martin, dass er der Bettler gewesen sei und bedankte sich bei ihm. Martin war so ergrif- fen von dieser Begegnung, dass er später so- gar Bischof wurde und einen starken Glau- ben an Gott bekam. Martin hat auch wei- terhin den Armen und Hilfsbedürftigen zur Seite gestanden. Und weil die Menschen es großartig fanden, dass er so ein feiner Kerl war, haben sie ihn sehr verehrt. Darum ha- ben sie beschlossen, immer am 11. Novem- ber an diesen Martin zu denken und zu fei- ern, dass er ganz selbstlos dem Bettler ge- holfen hat. Der 11. November ist nämlich der Tag, an dem Martin von Tours geboren wurde.“ Sophie hatte andächtig der Oma
An St. Martin werden Laternen gebastelt © Marina Lohrbach
gelauscht und sogleich verstanden: „Also ist der Reiter der Martin und man spielt nach, wie er durch die Gegend geritten ist und wie er dem Mann geholfen hat. Aber was ma- chen denn die Kinder da und warum haben die alle ein Licht in der Hand?“ „Die Kinder haben selbstgebastelte Laternen in den Hän- den und sie sind auch ein Teil des Nach- spielens. Du musst wissen, dass man zu der Zeit, als Martin auf der Welt war, die Ver- storbenen mit einer Lichterprozession auf den Friedhof brachte. Die Kinder spielen also beim Martinsumzug die Lichterprozes- sion nach. Früher haben wir die Laternen immer selbst hergestellt und eigentlich soll- ten wir auch eine gemeinsam basteln. Was meinst du Sophie?“ „Auja,“ rief diese, „und morgen nehme ich sie mit in den Kinder- garten und zeige sie all meinen Freunden. Denen erzählte ich dann auch die Geschich- te vom Martin und vielleicht haben sie Lust, dann auch eine Laterne zu basteln und einen Martinsumzug zu veranstalten.“ se
 Vielerorts ist er ein wohlbekannter Mann, der heilige St. Martin. Immer im November feiert man an einem be- stimmten Tag, was dieser Mann getan hat. Viele Menschen kennen die Ge- schichte, die sich um St. Martin rankt, doch die kleine Sophie in unserer Ge- schichte hatte keine Ahnung.
Neulich war die kleine Sophie bei ihrer Großmutter. Sie wusste nichts mit sich an- zufangen und so kramte sie in den Schubla- den. Dort fand sie ein Fotoalbum aus der Kindergartenzeit ihrer Mama. Zusammen mit der Oma schaute sie die Bilder an. Da- runter war auch ein Foto, auf dem die Mama von Sophie zusehen war. Sie muss etwa so alt gewesen sein, wie Sophie es gerade ist und stand zusammen mit vielen anderen Kindern um ein großes Feuer herum. Unter den Menschen auf dem Foto war auch ein Mann auf einem großen Pferd zusehen. Neugierig fragte Sophie: „Oma, was ist das für ein Mann? Der sieht aber nicht aus wie der Opa. Und was machen all die Kinder
da? Haben die keine Angst vor dem Feuer?“ „Ach Sophie,“ antwortete die Großmutter, „das war beim Martinsumzug, der bei uns im Dorf stattfand; den gab es früher jedes Jahr am 11. November. Das war immer sehr schön!“ „Aber Oma,“ sagte Sophie, „der On- kel Martin wohnt doch im Nachbarort, der zieht doch nicht um. Und die Kinder können doch nicht helfen.“ „Ich erzähle dir die Ge- schichte vom St. Martin der vor langer Zeit gelebt hat.“ Und so setzten sich die beiden auf das gemütliche Sofa und die Oma be- gann zu erzählen: „Vor ganz langer Zeit, als es noch gar keine Autos, Fernseher, Internet und Handys gab, nicht mal Wasser aus dem Wasserhahn oder gar Strom, um Licht zu machen oder zu kochen, da lebte in einem fernen Land der Martin von Tours. Der trat ins römische Militär ein und wurde Soldat. Martin war ein guter Kerl und eines Tages, als er unterwegs war, traf er auf einen armen Mann. Es war eisig kalt und der Bettler fror ganz furchtbar. Keiner half ihm, außer Mar- tin. Er nahm seinen eigenen Mantel und teil- te ihn mit seinem Schwert in zwei Hälften. Eine gab er dem Bettler, die andere Hälfte behielt er und ritt weiter. In der Nacht er-
  So reitet vielerorts der Heilige St. Martin am 11. November durch die Orte © se
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