Page 13 - Stadtmagazin "es Heftche"® Homburg | Ausgabe 151, März 2025
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den kyrillische Zeichen zu erkennen. Das Klinikgelände blieb wie ein Wunder von jeglichem Bombardement verschont. Wer hätte mit einem solch schweren An- griff auf Homburg gerechnet? Ahnte man oder wusste man doch schon, dass die Alliierten auf dem Vormarsch waren und immer näher rückten? Kanonendonner war in unmittelbarer Nähe zu vernehmen. Der Schrecken der Geschehnisse wurde erst durchbrochen, als amerikanische
Bilder nach den Luftangriffen © Hans-Joseph Britz
Soldaten ganze vier Tage später, am 18. März, in Homburg einzogen. Einige we- nige Fotografien erinnern an deren Ein- marsch durch die stark zerstörte Kreisstadt. Interessant die Tatsache, dass zwei Führer der Hitlerjugend vom Gefechtsstand im ehemaligen Gasthaus auf dem Schlossberg aus mit einem Maschinengewehr amerika- nische Panzer in der Zweibrücker Straße beschossen. Quasi das letzte Aufbäumen eines fanatischen Widerstands. Die beiden hatten zuvor das NS- Jugendheim, das an- stelle des noch aus der Herzogszeit stam- menden ehemaligen jüdischen Anwesens Hirsch errichtet wurde, in die Luft ge- sprengt. Fazit des Grauens Bei 37 Flieger- angriffen kamen in Homburg über 430 Menschen ums Leben, darunter 136 Frauen und 50 Kinder. Vierzig ausländische Opfer sind eingerechnet. 27 Personen konnten nicht mehr identifiziert werden, 21 wur- den vermisst. Verwundet wurden über 350 Menschen. Viele Homburger lernten beten in dieser Zeit oder sie verlernten es. Ihr Herz blutete und manche von ihnen konnten danach kaum mehr weinen. Der „totale Krieg“, von vielen bewusst in Kauf genommen, hatte nun auch in Homburg seinen schrecklichen Tribut gefordert. Zu- gegeben, ein zu großes Opfer für Hom- burg. Die Vergangenheit zu verdrängen und die Opfer der Bombenangriffe mit den jüdischen Opfern aufzurechnen oder das eine mit dem anderen vergleichen zu wol- len, ist nicht Aufarbeitung der Vergangen- heit. Mit der Hoffnung leben, dass so etwas nicht wieder geschieht, bedeutet, die Wirk-
lichkeit – die vergangene wie die gegen- wärtige – zu sehen wie sie war und wie sie ist und daraus die richtigen Lehren zu ziehen. Zehn Jahre nationalsozialistischer Herrschaft an der Saar zwischen dem 1. März 1935 und dem Einmarsch der Ame- rikaner am 18. März 1945 waren bei den Homburger Bürgerinnen und Bürgern nicht spurlos vorüber gegangen. Nach zehn Jah-
Bilder nach den Luftangriffen © Hans-Joseph Britz
ren wollte sich keiner von ihnen mehr an jenen „Befreiungstag“ erinnern, dessen Höhepunkt die Durchfahrt Hitlers zur Mit- tagsstunde war. Man gedachte in Homburg der über 200 Opfer, die erst vier Tage zuvor durch vom Himmel fallende Bomben, durch Häusereinstürze und Feuerbrunst ihr Leben verloren hatten. Wie konnte es soweit kommen? Keiner der Tausende, die damals dem Führer huldigten, als er Hom- burg durchfuhr ahnte, was dann kam: die Juden wurden vertrieben, gedemütigt und in Gaskammern abscheulich ermordet; Gegner des Regimes verloren Beruf und Arbeit, kamen oft in Konzentrations- und
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Arbeitslager; im Landeskrankenhaus wur- den zwangsweise Menschen sterilisiert; an gleicher Stelle fanden über 300 ukraini- sche und russische Kriegsgefangene bzw. Zwangsarbeiter den Tod. Sie wurden im Wald verscharrt. Opfer der Euthanasie, für die Nationalsozialisten „Lebensunwertes Leben“, von denen für Homburg bisher über 40 zu beklagen sind, wurden von Homburg aus in die berüchtigten Tötungs- lager überwiesen. Ihrer aller und der un- zähligen Opfer an Soldaten, die in gutem Glauben für die Freiheit Deutschlands und ihre Familien kämpften und dafür ihr Leben verloren, muss immer wieder gedacht wer- den, damit sich Solches nicht wiederholt.
So erreichte in diesen Tagen den Homburger Oberbürgermeister Forster ein Schreiben mit der Bitte, einen Gedenkort für die zahlreichen Opfer der Bombenangriffe zu schaf- fen und gleichzeitig an die Opfer der Euthanasie im Stadtbereich zu er- innern. So existiert eine große freie Fläche auf dem Städtischen Friedhof dort, wo damals die Bombenopfer Sarg an Sarg aufgereiht bestattet wurden. Doch es erinnert so gut wie nichts mehr an dieses schreckliche Geschehen. Gegenüber des Weges finden sich noch einige Granitkreuze russischer Opfer, doch auch dort wird vergeblich ein näherer Hinweis auf das Geschehen gesucht. © Hans- Joseph Britz
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