Display Image

Königsbruch bewegt

Großes Interesse an Zukunft des Moores

Wie viel Interesse ein mögliches Moor wecken kann, zeigte sich am Freitag, 2. Oktober, im Königsbruch bei Homburg-Bruchhof: Rund 70 Menschen folgten der Einladung der Moorschutz-Gemeinschaft zu einer gemeinsamen Begehung und einem anschließenden Gesprächsabend. Ausschlaggebend war der erneute Besuch der EU-Parlamentarierin Jutta Paulus im Königsbruch.

Besonders erfreulich war für die Veranstalter:innen die Vielfalt der Gäste. Familien, Vertreter:innen von NABU, BUND, sowie der Gesellschaft für Fleischfressende Pflanzen kamen ebenso wie Vertreter:innen der Grünen und weitere interessierte Bürger:innen. Auch Grundstückseigentümer:innen aus dem Königsbruch waren durch die Ankündigung in den Medien aufmerksam geworden und wollten erfahren, was in dem Gebiet vor sich geht, welche Perspektiven es gibt und wie sie sich selbst einbringen können.
„Moore stehen selten im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Umso mehr hat mich gefreut, wie viele unterschiedliche Menschen gekommen sind, um sich mit dem Königsbruch und seiner Zukunft zu beschäftigen“, sagt Andreas Filler, Sprecher der Moorschutz-Gemeinschaft. „Die vielen positiven Rückmeldungen zeigen uns, dass es sich lohnt, die Zusammenhänge vor Ort verständlich zu machen und miteinander ins Gespräch zu kommen.“
Bei der Begehung und den anschließenden Beiträgen ging es um die Situation des Königsbruchs, die angestrebte Wiedervernässung und die Verbindung von Moorschutz, Wasserhaushalt, Klimaschutz und Gesundheit. Lisa Becker begrüßte die Gäste und brachte die landespolitische Perspektive ein. Jutta Paulus ergänzte den Blick aus der europäischen Politik, in welcher die Potentiale der Wiedervernässung von Mooren bereits berücksichtigt, ist: Die EU-Renaturierungsverordnung setzt einen verbindlichen Rahmen für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme. Dazu gehört auch die Wiedervernässung entwässerter Moorböden.
Dr. Andrea Oest machte deutlich, dass die Folgen der Klimakrise längst auch eine Frage der Gesundheit sind. Sie verwies auf die hohe Zahl hitzebedingter Todesfälle in Deutschland. Das Robert Koch-Institut schätzte diese für 2026 bis Anfang September auf rund 16.000, deutlich mehr als in den einzelnen Vorjahren seit 2016. Paulus griff die Dringlichkeit auf und kritisierte, dass die politische Reaktion dem Ausmaß der Folgen nicht gerecht werde.
Viel Anerkennung erhielt das Engagement der Moorschutz-Gemeinschaft von Rednerinnen und Gästen. Jutta Paulus hob hervor, wie wichtig Menschen sind, die vor Ort Verantwortung übernehmen, beharrlich nachfragen und sich für den Erhalt ihrer natürlichen Lebensgrundlagen einsetzen. Dieser Einsatz und die damit verbundene Zivilcourage seien entscheidend, um Veränderungen anzustoßen und voranzubringen.
Kritisch zur Sprache kam zugleich die ausstehende Auskunft der Stadt Homburg zum Bearbeitungsstand des hydrogeologischen Gutachtens. Nach Angaben der Moorschutz-Gemeinschaft lag dazu trotz Nachfrage bis zum Veranstaltungstag keine Rückmeldung vor. Angesichts des großen öffentlichen Interesses stieß dies auf Unverständnis. Die Gemeinschaft erwartet eine transparente Information zum aktuellen Stand und zu den nächsten Schritten.
Für die Moorschutz-Gemeinschaft ist der Abend vor allem Ermutigung, ihre Arbeit fortzusetzen und weitere Menschen einzubeziehen. Unter herbstlichen Abendbedingungen gab es viel Interesse und zahlreiche positive Rückmeldungen zu den als anschaulich und informativ empfundenen Beiträgen. „Das Königsbruch geht uns gemeinsam an. Wir möchten diesen Rückenwind nutzen, um den Austausch fortzuführen und bei der Wiedervernässung konkrete Schritte voranzukommen“, so Filler. „Wasser halten. Zukunft sichern. Dafür setzen wir uns ein.“

Weitere Informationen zur Moorschutz-Gemeinschaft: www.königsbruch.info © Andreas Filler

Schenk, Silvia
05. Nov 2026