Ehrenabend Zivilcourage 2026
Festlicher Abend in der Neunkircher Gebläsehalle
Bei der vierten Auflage des Ehrenabends Zivilcourage ehrte Innenminister Reinhold Jost in der Gebläsehalle in Neunkirchen insgesamt 39 Menschen mit 19 Rettungsmedaillen und 20 Öffentlichen Belobigungen.
„Die Geehrten haben in außergewöhnlichen Situationen Verantwortung übernommen und dort geholfen, wo andere Menschen dringend auf Unterstützung angewiesen waren. Sie haben dabei Mut, Entschlossenheit und große Mitmenschlichkeit gezeigt. Zivilcourage bedeutet, nicht wegzusehen, sondern im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu handeln. Das kann der unmittelbare Einsatz zur Rettung eines Menschen sein, aber auch ein Notruf, das Hinzuziehen weiterer Helferinnen und Helfer oder die Unterstützung der Betroffenen. Dieses Handeln verdient unseren tiefsten Dank, unseren größten Respekt und unsere höchste Anerkennung”, betonte Innenminister Reinhold Jost in seiner Festrede. „Sie sind in den entscheidenden – teilweise sogar lebensentscheidenden – Augenblicken zur Stelle gewesen und eingeschritten bis Rettungsdienste, Polizei, etc. vor Ort waren. Sie haben gezeigt: schon ein einziger Mensch, der sich die Frage stellt ‚Was kann ich tun?‘ und danach handelt, macht einen bedeutenden Unterschied. Dank ihrem Einsatz wussten diejenigen in größter Not: ich bin nicht allein; es gibt jemanden, der mir in dieser Sekunde zur Seite steht und Mitgefühl beweist, obwohl mich diese Person nicht einmal kennt. Diese Einstellung ist unbeschreiblich wertvoll für die Gesellschaft, denn sie erinnert uns alle daran, was sie im innersten Kern zusammenhält!“ Ministerpräsidentin Anke Rehlinger: „Es gibt Momente, in denen es darauf ankommt, nicht wegzusehen, sondern zu handeln. Die Menschen, die wir heute ehren, haben genau das getan. Sie waren da als andere dringend Hilfe brauchten, haben Menschen aus großer Not gerettet und sich dabei zum Teil selbst in Gefahr gebracht. Dieser Mut und diese Entschlossenheit verdienen unseren größten Respekt. Denn eine starke Gesellschaft lebt davon, dass wir aufeinander achten und füreinander einstehen. Ihr Einsatz zeigt, was unser Saarland ausmacht: Zusammenhalt und Menschlichkeit. Dafür gilt ihnen mein herzlicher Dank und meine größte Anerkennung.“
Diese Rettungstaten wurden ausgezeichnet:
Rettung aus brennendem Seniorenheim
Am 10. Mai 2026 kam es im Seniorenheim Katharina von Bora in Neunkirchen zu einem Zimmerbrand. Mehrere Bewohnerinnen und Bewohner, darunter teils bettlägerige und gehbehinderte Menschen mussten aus dem Gebäude gerettet werden. Die beiden Polizeikommissarinnen Ellen Doering aus Völklingen und Laura Walzer aus Bexbach, die Kommissaranwärterin Melina Piper aus Kirkel, die Polizeikommissare Florian Linke aus Ottweiler, Leon Scheller aus St. Wendel und Peter Henning Steil aus Eppelborn sowie der Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr, Patrick Wölm aus Neunkirchen, evakuierten gemeinsam mit den drei Mitarbeitenden Oussama Aissaoui aus Homburg-Kirrberg, Abdulrahmen Mohammad aus Tholey und Nergiz Kilic aus Neunkirchen-Wiebelskirchen die Seniorinnen und Senioren aus dem Gebäude. Dabei nahmen sie erhebliche gesundheitliche Risiken in Kauf. Durch ihr schnelles und entschlossenes Vorgehen konnten alle betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner gerettet werden. Mehrere Helferinnen und Helfer erlitten Rauchgasvergiftungen und mussten medizinisch behandelt werden. Für ihren selbstlosen Einsatz erhalten die zehn Helferinnen und Helfer die Saarländische Rettungsmedaille am Bande.
Rettung bei Vollbrand
Am 27. Mai 2026 gerieten eine Frau und ihre sechsjährige Tochter bei einem Vollbrand ihres Wohnhauses in St. Wendel-Winterbach in akute Lebensgefahr. Sie waren im zweiten Obergeschoss eingeschlossen, da das verrauchte Treppenhaus nicht mehr als Fluchtweg genutzt werden konnte. Noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr errichteten ein Feuerwehrangehöriger in zivil, ein Polizeibeamter sowie mehrere Bürgerinnen und Bürger mit einer privaten Steckleiter einen improvisierten Rettungsweg. Zunächst wurde das Kind, anschließend die Mutter aus dem Gebäude gerettet. Alle Maßnahmen wurden aufgrund der Hitze und des Rauchs unter großer Gefahr durchgeführt. Für diesen Einsatz wurden Valentino Fontanini aus St. Wendel-Winterbach, Polizeikommissar Maurice Hahn aus St. Wendel, der Feuerwehrmann Frank Marx sowie Bernd Rudolf Heinrich, Dennis Heinrich, Erik Petschull und Jens Kleine, alle ebenfalls aus St. Wendel-Winterbach, mit der Saarländischen Rettungsmedaille ausgezeichnet.
Hausbrand in Hinterhof
Die 16-jährige Selina Podevin aus Landsweiler-Reden war im September 2025 gerade frühmorgens auf dem Weg zu ihrer Ausbildungsstätte, als sie einen Hausbrand in einem Hinterhof bemerkte. Sie verständigte die Besitzer und verhinderte durch ihr schnelles Handeln Schlimmeres. Madeleine Hau aus Landsweiler-Reden wurde durch die Sirenen der Feuerwehr auf den Brand aufmerksam, begab sich unmittelbar zum Einsatzort und unterstützte die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner. Selina Podevin und Madeleine Hau erhalten jeweils eine Öffentliche Belobigung.
Wildschweinangriff
Ein Jäger wurde bei der Nachsuche in St. Ingbert-Hassel von einem Wildschwein angegriffen und dabei schwer am Arm verletzt; aufgrund einer offenbar geöffneten Arterie kam es zu erheblichem Blutverlust. Sein Jägerkollege, Erik Huppert aus St. Ingbert, der ihn begleitete, leistete umgehend Erste Hilfe. Dr. Rainer Heinze, ein in der Nähe des Unglücksorts wohnender Arzt und Jäger, wurde alarmiert und übernahm die weitere medizinische Erstversorgung. Durch ihr Eingreifen konnten die massiven Blutungen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes kontrolliert werden und sie retteten ihrem Kollegen das Leben. Erik Huppert und der Unfallchirurg Dr. Rainer Heinze erhalten für ihren engagierten Einsatz Öffentliche Belobigungen.
Hilfe nach Unfall
Auf der A8 in Höhe Merchweiler ereignete sich im Dezember 2025 ein schwerer und tragischer Verkehrsunfall. Ein Vater und seine Tochter starben dabei, der Sohn überlebte verletzt. Christina Malow aus Bochum, Christina Loredana Weiß aus Eppelborn, Katrin Teuchert aus Saarlouis, Björn Labus aus Enkenbach-Alsenborn, Peter Bamberger aus Illingen, Francesco Elano Mettbach aus Eppelborn, Florian Lo Faro aus Lebach und Polizeihauptkommissar Philipp Scherer aus Lebach waren als Ersthelferinnen und Ersthelfer vor Ort. Sie sperrten die Straße ab, befreiten Personen aus dem Fahrzeug, führten Reanimationsmaßnahmen durch und unterstützten bei der medizinischen Versorgung. Polizeihauptkommissar Scherer befand sich zum Zeitpunkt des Geschehens auf dem Nachhauseweg von seinem Dienst. Für ihren vorbildlichen und umsichtigen Einsatz erhalten die acht Helferinnen und Helfer jeweils eine Öffentliche Belobigung.
Rettung aus Auto bei Hitze
Joline Veith aus Ottweiler bemerkte im August 2025 bei sommerlicher Hitze einen regungslos in einem verschlossenen Fahrzeug sitzenden Mann in Neunkirchen. Als sie kurze Zeit später erneut an dem Fahrzeug vorbeikam, zeigte der Fahrzeuginsasse bereits deutliche Anzeichen einer gesundheitlichen Notlage. Frau Veith verständigte die Polizei und blieb gemeinsam mit ihrer Mutter bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte bei dem hilflosen Mann. Polizei und Rettungsdienst konnten das Fahrzeug öffnen und den Betroffenen medizinisch versorgen. Joline Veith erhält für ihr umsichtiges und verantwortungsvolles Handeln eine Öffentliche Belobigung.
Eingriff im Regionalzug
Am 25. März 2026 wurde eine 18-jährige Frau bei einem Messerangriff in einem Regionalzug bei Sulzbach schwer verletzt. Daniel Damrau aus Schiffweiler und Markus Hans Klein aus St. Wendel erkannten die Gefahrensituation sofort und griffen, teilweise unter Gefährdung ihres eigenen Lebens, unmittelbar in das Tatgeschehen ein, indem sie gegen den noch bewaffneten Täter angingen, ihn von der Frau wegzogen und so weitere Attacken verhinderten. Andere Helferinnen und Helfer kümmerten sich sofort um die Schwerverletzte, stillten die starken Blutungen und versorgten ihre Wunden. Durch ihr Handeln retteten sie alle der Geschädigten vermutlich das Leben. Daniel Damrau und Markus Hans Klein erhalten für ihren unmittelbaren Eingriff in das Tatgeschehen jeweils die Saarländische Rettungsmedaille am Bande. Pauline Kremp aus Schiffweiler, Shadi Musa aus Saarbrücken, Stefan Wagner aus Ottweiler und Thorsten Schulze aus Schiffweiler erhalten für ihre Hilfeleistung jeweils eine Öffentliche Belobigung.
Hilfe nach Anschlag
Am 20. Dezember 2024 leistete Pelle Jacob aus Merzig-Bietzen nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt medizinische Hilfe. Er versorgte mehrere Verletzte im Sanitätszelt und begleitete zudem den Transport einer schwer verletzten Patientin bis zu deren Übergabe an den Schockraum des AMEOS Klinikums Halberstadt. Pelle Jacob erhält für seinen freiwilligen und engagierten Einsatz eine Öffentliche Belobigung.
Frau vor Suizid gerettet
Jan Wilhelm Weber aus Marpingen bemerkte auf der B41 zwischen St. Wendel und Hofeld-Mauschbach eine Frau, die auf das Geländer einer Brücke stieg. Herr Weber wendete sein Fahrzeug, setzte einen Notruf ab und griff im entscheidenden Moment ein. Jan Wilhelm Weber erhält für sein beherztes Eingreifen eine Öffentliche Belobigung.
Reanimation nach Herzinfarkt
Während seines Dienstes erlitt ein Postbote im Januar 2026 einen Herzinfarkt. Sarah Renner aus Namborn-Baltersweiler wurde durch ihre Tochter auf die Notlage aufmerksam gemacht, reanimierte den Mann bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und ermöglichte damit die schnelle medizinische Versorgung. Der Betroffene ist heute vollständig genesen. Sarah Renner erhält für ihren lebensrettenden Einsatz eine Öffentliche Belobigung.
Hintergrund
Auszeichnungen
Die Saarländische Rettungsmedaille am Bande ist eine staatliche Anerkennung für Menschen, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens Rettungstaten durchgeführt oder eine erhebliche Gefahr für Leben und Gesundheit abgewehrt haben und dabei besonderen Mut und Opferwilligkeit bewiesen haben. Eine Öffentliche Belobigung wird ausgesprochen, wenn eine Rettungstat unter besonders schwierigen Umständen, jedoch ohne unmittelbare Lebensgefahr für die helfende Person ausgeführt wurde. Sie kann auch dann erfolgen, wenn eine Rettung trotz opferbereiten Einsatzes nicht erfolgreich war. Die Öffentliche Belobigung wird durch die Überreichung einer Urkunde durch den Innenminister im Rahmen einer Festveranstaltung ausgesprochen.
Weitere Informationen gibt es unter https://www.saarland.de/mibs/DE/portale/auszeichnungen_medaillen/saarrettungs- medailleundbelobigung/saarrettungsmedailleundbelobigung_node.html © Ministerium für Inneres, Bauen und Sport


