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        Was ist die Schlawerie?
Zur Entstehung des Neunkircher Ortsteils „Schlawerie“ und zur Deutung des Namens – Teil 6 von Walter Petto
wanderte in das Banat aus), und der uns hier vor allem interessierende Christian Lieblang, verheiratet mit Francisca Garé, zog um 1750 auf die „Neue Schmelze“, wo er schon 1759 verstarb. Seine Witwe gehörte 1763 mit 4 Söhnen und 2 Töchtern zu den „freien Leuten“ auf dem Eisenwerk und kam vor 1776 auf die Schlawerie, wo sie 1780 verstarb. Ihre Söhne Ludwig, Jo- hann, Michael und Heinrich und deren Nachkommen waren ebenfalls Tagelöhner (Köhler, Erzgräber) für das Neunkircher Werk. Als Wohnsitz wird teils das neue Werk, teils die Schlawerie angegeben; an- scheinend wechselten von Zeit zu Zeit die Arbeiter zwischen diesen beiden Wohn- stätten. Erwähnenswert ist noch, dass 1797 ein Schuhmacher namens Jean Louis Duf- resne aus Bayeux in der Normandie in die Familie Lieblang einheiratete. Er war wohl mit den Revolutionstruppen ins Saarland gekommen. Seine Witwe heiratete 1818 den Hammerschmied Johann Schille. Eine weitere katholische Familie kam auf die Schlawerie mit dem Tagelöhner Johann Lehberger von der Graulheck bei Schiff- weiler, der 1799 Margarethe Spaniol aus Landsweiler heiratete. Sein Großvater Bla- sius Lehberger stammte aus Reit im Winkl im bayerischen Allgäu und war vor 1716 nach Hangard gekommen, wo er sich mit seiner einheimischen Frau Anna Didier niederließ. Johann Lehbergers Schwester Margarethe wurde 1798 die Frau von Peter
 Die ersten Familien Zu den ersten Siedlern gehörte die Witwe des 1784 verstorbenen Köhlers Christian Bru- nion (Prugnon, Prignon) Margare- the geb. Camy. Da sie kinderlos war, nahm sie anscheinend ihren Neffen Peter Prugnon auf, verheiratet ab 1775 mit Christina Baltes aus Genn- weiler, wo noch das erste Kind zur Welt kam.
1776 wohnte die Familie auf der neuen oder oberen Schmelz, dann 1778 auf der Schlawerie, von wo sie nach 1783 ver- schwindet. Entweder schloss sich Peter Prugnon der damals auf Hochtouren laufenden Auswanderung nach Ungarn (Banat, Batschka) oder nach Galizien in Österreichisch-Polen an oder ist nach St. Ingbert gezogen. Gesichert dort ist aber nur sein Bruder, der Erzgräber und Kohlen- brenner Andreas Prugnon, der dort hei- ratete und bis heute Nachkommen des Namens Brunion hat. Der Großvater der beiden Brüder, Andreas Prugnon, war wohl Wallone – der Familienname Prignon exis- tiert heute noch in Belgien – und erscheint schon 1700 als Köhler in den Wäldern bei Züsch, wo der aus Verviers stammende Hüttenmeister Remacle Joseph Hauzeur einige Jahre zuvor von Neunkirchen aus, dessen Hütte er von 1694 bis 1697 in Pacht hatte, eine Eisenschmelze gegründet hatte. Prugnon ging den umgekehrten Weg und zog südwärts und ließ sich nach Zwischen- etappen in den Wäldern um Illingen und beim Bildstocker Hof auf dem Neunkircher Eisenwerk nieder. Peter Prugnon war also schon in der dritten Generation in unse- rer Gegend zu Hause. Die eigentliche Kernfamilie auf der Schlawerie wurde die
große Sippe Lieblang, von der sich gleich mehrere Vertreter hier ansiedelten. Hier ist zunächst auf die Vorgeschichte einzu- gehen. Martin Liblanc/Lieblang kam 1683 in das noch vom Dreißigjährigen Krieg entvölkerte Bexbach (damals Mittelbex- bach) und erhielt 1685 mit acht weiteren Familienoberhäuptern mit französischen Namen vom Grafen von Nassau-Saar- brücken das Niederlassungsrecht. Die Neusiedler waren gehalten, statt einfacher und leicht versetzbarer Hütten, wie sie Köhler benutzten, solide Häuser aus Stein zu bauen, damit ihr Verbleiben gesichert war (29). Martin war wohl auch Wallone (der Name existiert noch heute in Belgien und könnte eine Variante von Leblanc sein) und erscheint als Martin Lisblanc 1685/86 in Lohnlisten des Neunkircher Werkes als Köhlermeister (maître charbon- nier) (30). Diesem Beruf bleibt die Familie über mehrere Generationen treu. Martins Sohn Jean, verheiratet mit Elisabeth Du- mont, ließ sich in Münchwies nieder. Drei seiner Söhne blieben im Land: Heinrich verblieb in Münchwies, Ludwig ließ sich in Oberbexbach nieder (sein Sohn Mathias
  Ausgabe 329 / September 2025
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