Page 17 - Stadtmagazin "es Heftche"® | Ausgabe 123, November 2022
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  setzung des letzten Kaisers Romulus Augus- tus, der spöttisch „Augustulus“ („Kaiserlein“) genannt wurde, durch den germanischen Heerführer Odoaker. Das Oströmische Reich ging erst 1453 mit der Eroberung Konstanti- nopels durch Sultan Mehmed II. unter. Was lernen wir daraus?
Ist es nicht so, dass nahezu jedes soziale Gebilde zwangsläufig einem natürlichen Ent- stehungs-, Wandlungs- und Verfallsprozess unterliegt, dass nach einer Blütezeit die De- generation folgt? Nur mit Weitsicht, beherz- ten Reformen, persönlichem Engagement, innerer und äußerer Stärke (Wehrhaftigkeit), Opferbereitschaft, Gemeinsinn und sozialer Verantwortung kann man eventuell Abhilfe schaffen. Über die Möglichkeiten zur Ab- wendung des Niedergangs eines etablierten Staates lässt sich gewiss ähnlich kontrovers diskutieren wie über mehrere hundert Grün- de für den Untergang des Römischen Rei- ches.
Das bischöfliche „Museum am Dom“ spe- zialisiert sich im Kontext des Zerfalls unter dem Motto „Im Zeichen des Kreuzes – Eine Welt ordnet sich neu“ auf die Anfänge des Christentums. Als in der Spätantike die kai- serliche Macht erschüttert wurde, übernahm das Christentum, das seit Kaiser Konstantin staatlich gefördert wurde, eine wesentliche Funktion als Integrations- und Stabilisie- rungsfaktor. Die christliche Kirche etablierte sich im Machtvakuum als führungsstarke Au- torität, übernahm römische Traditionen und gab neue Orientierung.
Das „Stadtmuseum Simeonstift“ widmet sich hauptsächlich dem Erbe und Nachwirken Roms in der Kunst, Kultur und Politik des Mittelalters und der Neuzeit. Je nach politi- schem Standort wurde der Untergang des Römischen Reiches einerseits als Katastro- phe, andererseits als glänzender Triumph der Freiheit interpretiert.
Die Schatzkammer der Wissenschaftlichen
Bibliothek Trier präsentiert die Ausstellung „Das Fortwirken Roms in der Bildungsge- schichte des Mittelalters“. Herzerfrischend kreativ setzt sich der Kunst-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 11 des Angela-Merici-Gym- nasiums Trier in einer eigenen Wanderaus- stellung mit der Thematik „Frauen – zentrale Nebenfiguren in Zeiten des Untergangs“ aus- einander. In der römischen Religion gab es zwar Powerfrauen als Göttinnen, z.B. Mi- nerva, Juno oder Venus, aber in der gesell- schaftlichen Hierarchie waren die Frauen Marionetten in der Verfügungsgewalt eines Hausherrn („pater familias“). Was passierte mit ihnen in Krisenzeiten? Die Kursleiterin Dr. Katrin Menke erläuterte mir die Hinter-
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figuren oder waren sie zentrale Figuren? Was hat sich geändert nach dem Untergang? Sind bestimmte Sichtweisen und Rollenvorschlä- ge auch heute noch virulent? Wie berührt vor allem Jugendliche heute der Untergang des Römischen Reiches? Diesen Fragen gin- gen die Schüler(innen) nach. Sie erforschten die Lebensbedingungen von frei geborenen und nicht frei geborenen Römerinnen, um dann die Veränderungen, die der Untergang mit sich brachte, herauszuarbeiten. Bezüge zu aktuellen Untergängen, sprich dem Krieg in der Ukraine, wurden dabei sofort augen- fällig. Auch hier sind es in der Regel Frauen (und deren Kinder), die vor dem Scherben- haufen ihres Lebens flüchten und nach Hilfe suchen. Die aktuelle Parallele zur Instrumen- talisierung von Frauen und deren Pflicht zur Fortpflanzung im Römischen Reich war den Ausstellenden besonders wichtig. Denn Kai- ser Augustus hatte im Römischen Reich ver- fügt, dass eine Frau drei Kinder geboren ha- ben musste, um freie Römerin zu werden. Bezüge zu den Mütterorden der National- sozialisten, den Frauen ab der fünften Geburt eines Kindes erhielten, sind offensichtlich. Die Schüler(innen) stellten großformatige Ar- beiten auf Leinwand in Mischtechnik her. In jeder Arbeit wird auf einen Teilbereich Bezug genommen und dessen Relevanz für die heutige Zeit ausgelotet. Dabei wird deutlich, dass sich die Rolle von Frauen in Zeiten des Untergangs seit den Römern nur selten zum Positiven gewandelt hat. Die aktuelle Un- terjochung von Frauen in Ländern wie Af- ghanistan, das Leid der geflüchteten Ukrai- nerinnen, die politische Unterdrückung der von Swetlana Tichanowskaja angeführten Opposition in Weißrussland sind traurige ak- tuelle Beispiele für die Konstante der Degra- dierung von Frauen zu Nebenfiguren. Aus- nahmen gab und gibt es – zum Beispiel weibliche Gladiatorinnen, relative Freiheiten von freien Römerinnen, Kämpferinnen wie Malala. Auch diese wurden ins Bild gesetzt.“
Eberhard Jung
 „Relative Freiheiten“ der reichen römischen Frau, dargestellt mit Symbolen des Luxus (Ge- mälde der Schülerin Mirjam Cepuran vom An- gela-Merici-Gymnasium)
gründe des gewählten Themas folgenderma- ßen: „Das Römische Reich ist als Männer- gesellschaft in die Geschichte eingegangen, auch wenn – rein statistisch gesehen – die Hälfte der Bevölkerung aus Frauen bestand. Wie veränderte sich ihre Rolle in Zeiten des Umbruchs? Waren Frauen zentrale Randfi- guren des Untergangs? Waren sie nur Rand-
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