Page 14 - Stadtmagazin "es Heftche"® | Ausgabe 125, Januar 2023
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Machtkampf im Mittelalter
Gedanken zum 900. Jahrestag des Wormser Konkordates (1122)
Mit zunehmendem Reformeifer und Selbst- bewusstsein der Kirche wuchs der Anspruch, kirchliche Fragen selbst zu entscheiden, ins- besondere die Wahl der obersten kirchlichen Würdenträger – auf Kosten der königlichen bzw. kaiserlichen Macht. Während der kir- chentreue Salierkaiser Heinrich III. (König ab 1039, Kaiser 1046–1056) diese Reform-
Statue des salischen Kaisers Heinrich IV. („Canossa-Heinrich“) in der Vorhalle des Kaiserdoms zu Speyer
bestrebungen noch akzeptierte, riskierte sein Sohn Heinrich IV. (König ab 1056, Kaiser 1084–1106) den Bruch mit dem Papst. Der junge König entschied eigenmächtig über die Ernennung von ihm treu ergebenen Bi- schöfen und verkündete 1076 in Worms so- gar die Absetzung des Papstes Gregor VII. (1073-1085). Dieser wich der Konfrontation nicht aus, setzte im Gegenzug den Kaiser ab und verhängte den Kirchenbann über ihn und seine Anhänger. Sie wurden exkommu- niziert, d.h. aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen, waren damit der Reichsacht verfallen, rechtlos, wirtschaftlich und poli- tisch ruiniert. Die Höchststrafe! Gregor VII. gilt wegen seines absoluten Machtanspruchs als einer der bedeutendsten, aber auch um-
Die rheinhessische Domstadt Worms ist neben Trier und Augsburg eine der ältesten deutschen Städte und kann auf eine aufsehenerregende Geschich- te zurückblicken.
Als verkehrsgünstig am Rheinufer gelegene römische Gründung Borbetomagus, als Sitz des Burgundenreiches im frühen Mittelalter, besungen im Nibelungenlied, als ehemalige Bischofsstadt, Schauplatz des Wormser Kon- kordates, Veranstaltungsort von Reichstagen und Synoden, Heimat einer großen jüdi- schen Gemeinde, mit dem ältesten noch er-
Das Wahrzeichen der Stadt Worms: der Dom St. Peter, der kleinste der drei rheinischen Kaiserdome
haltenen jüdischen Friedhof Europas (doku- mentiert durch Grabsteine seit dem 11. Jahr- hundert) usw. Der Wormser Dom ist neben dem Mainzer und dem Speyerer Dom einer der drei romanischen Kaiserdome des Mit- telalters. Die drei Orte am Rhein gelten seit 2021 als SchUM-Städte mit jüdischem Welt- erbe. Mit der hebräischen Abkürzung SchUM wird der mittelalterliche Verbund der drei jüdischen Gemeinden von Speyer, Worms und Mainz bezeichnet. In Domnähe verweigerte 1521 Martin Luther den Wider- ruf seiner Lehre auf dem Wormser Reichstag. Vor dem jungen Kaiser Karl V. soll er seinen spektakulären Auftritt mit den legendären Worten beendet haben: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Amen.“ Das Ereignis wur- de im Jahr 2021 anlässlich des 500. Jahres- tages mit zahlreichen Veranstaltungen (Aus- stellungen, Vorträge, Theateraufführungen,
Filme u.a.) gewürdigt. Im Folgejahr 2022 stand der 900. Jahrestag des Wormser Kon- kordates (1122) im Zentrum des Interesses. Höhepunkt war die Sonderausstellung „Spiel um die Macht. Von Canossa nach Worms“, die vom 24. September bis 30. Dezember 2022 im Museum der Stadt Worms im An-
Teil der Geschichtsfenster von 1992 im Wormser Kaiserdom, die u.a. an die Papstwahl von Leo IX. 1048 in diesem Gebäude und an das Konkordat von 1122 erinnern
dreasstift gezeigt wurde. Der Begriff „Spiel“ verharmlost jedoch diesen langwierigen, er- bitterten und zum Teil kriegerischen Macht- kampf um die Vorrangstellung zwischen Kai- sertum und Papsttum im 11./12. Jahrhundert, den man als Investiturstreit bezeichnet. Es war eine Auseinandersetzung zwischen den beiden Universalgewalten der Christenheit: der weltlichen Macht (regnum bzw. imperi- um) und der geistlichen (sacerdotium). Das Konkordat (d.h. Vertrag zwischen einem Staat und der römisch-katholischen Kirche) beendete diesen Konflikt vorläufig. Unter dem Hauptstreitpunkt, der Investitur, versteht man die feierliche und symbolträchtige Ein- setzung eines (hohen) Geistlichen in sein Amt, ursprünglich ein Königsprivileg – ganz im Sinne des frühmittelalterlichen Lehnswe- sens, bei dem die Treue bzw. Loyalität mit einem Amt oder Grundbesitz belohnt wurde.
A. Arend
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