Page 15 - Stadtmagazin "es Heftche"® | Ausgabe 125, Januar 2023
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 Eberhard Jung, der Autor dieses Beitrags, auf Spurensuche im Speyerer Kaiserdom
strittensten Päpste. Von Zeitgenossen wurde er als „heiliger Satan“ bezeichnet. 1075 hatte er 27 Leitsätze in seinem „Dictatus Papae“ verkündet. Darin forderte er dogmatisch die Vorrangstellung der geistlichen Gewalt ge- genüber den weltlichen Machthabern.
Der berühmt-berüchtigte Investiturstreit gip- felte in dem sogenannten Gang nach Ca- nossa, dem erniedrigenden Bitt- und Buß- gang des römisch-deutschen Königs Hein- rich IV. im Januar 1077 zu Papst Gregor VII., der sich zu dieser Zeit als Gast der Mark- gräfin Mathilde von Tuszien auf der Burg Ca- nossa in Oberitalien aufhielt. Angeblich soll der salische Regent drei Tage lang bei Eises- kälte im Büßergewand vor der Burg um die Wiederaufnahme in die Kirche gefleht ha- ben. Schließlich gewährte der Papst dem „Sünder“ widerwillig Einlass, erteilte ihm – wie erwartet – die Absolution und genoss seinen Triumph. Mit diesem Autoritätsverlust konnte Heinrich zwar seinen Thron retten, aber eine dauerhafte Versöhnung fand unter seiner Herrschaft nicht statt. Nach seinem Tod flammte der Konflikt erneut heftig auf, setzte die Reichskrise fort und vergeudete wertvolle Ressourcen aller Beteiligten. Sein Sohn Heinrich V. (Mitkönig seines Vaters ab 1098, alleiniger König ab 1106, Kaiser 1111–1125) beugte sich schließlich dem ve- hementen Druck der weltlichen und geistli- chen Fürsten, um weiteren Schaden vom Reich abzuwenden, und stimmte einem Ver- gleich mit dem Papst zu.
Als Wormser Konkordat bezeichnet man die Vereinbarung, die am 23. September 1122 auf der Laubwiese vor der mittelalterlichen Bischofsstadt Worms verkündet und von der Kanzlei Kaiser Heinrichs V. sowie der Ge- sandtschaft des Papstes Calixt II. (1119-1124) unter der Leitung des Kardinalbischofs Lam- bert von Ostia, des späteren Papstes Hono- rius II. (1124-1130), ausgehandelt worden war. Die symbolträchtige Feier mit Friedens- kuss, harmonischer Wiederaufnahme des ex- kommunizierten Kaisers und seiner Anhän- ger in die Kirchengemeinschaft sowie die Vertragsunterzeichnung im Kreise der Mäch- tigen des Reiches wurde deshalb auf eine Wiese nach außen verlegt, damit möglichst
viele Menschen als Zeugen die Versöhnung miterleben konnten. Drei Jahre später starb Heinrich V. Seine Kinderlosigkeit interpre- tierten viele Zeitgenossen als gerechte Strafe für den angeblichen Verrat am Vater. Sein früher Tod bewirkte das Ende der salischen Dynastie (1125). Die Leichname von Vater und Sohn wurden in schmucklosen Sarko- phagen in der Kaisergruft des Speyerer Do- mes beigesetzt.
Das Wormser Konkordat von 1122 war ein epochaler Kompromiss. Das Vertragswerk besteht aus zwei Urkunden, dem „Heinri- cianum“ (das als Original im Vatikanischen Archiv aufbewahrt wird) und dem „Calixti- num“, das nur noch in Abschriften überliefert ist. Mit dem Austausch der beiden Urkunden
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wahl. Papst Calixt II. sicherte dem Kaiser ein Mitspracherecht bei der Bischofswahl zu und gestattete ihm die Verleihung von weltlichen Herrschaftsrechten samt Insignien und Be- sitztümern.
Mit dem Wormser Konkordat wurde der Machtkampf zwischen Kirche und Krone vorerst beigelegt. Das Kaisertum ging daraus geschwächt hervor, Fürsten und Papsttum waren die Gewinner. Die sakrale Aura des Kaisers war ebenso erschüttert wie die zuvor bestehende Einheit von Kaisertum und Papst- tum. Als 30 Jahre später (1152) der macht- hungrige Stauferkönig Friedrich I. („Barba- rossa“) den Thron bestieg, ging die Ausei- nandersetzung zwischen Papst und König weiter und erreichte unter seinem Enkel Friedrich II. (1212-1250) einen erneuten Hö- hepunkt. Das Wormser Konkordat hat die Kirche gestärkt – ganz im Gegensatz zum Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 zwi-
  Im Gewölbekeller der Speyerer Domkrypta. Die Säulen gleichen denen der Mezquita (Moscheekathedrale) in Cordoba
war der Friede zwischen Kaisertum und Papsttum wiederhergestellt worden. Das Er- folgsrezept bestand in der Entflechtung von weltlichen und geistlichen Befugnissen ohne Gesichtsverlust der Repräsentanten des Ver- trags. Heinrich verzichtete auf die Investitur und garantierte der Kirche die freie Bischofs-
In der Kaisergruft des Doms zu Speyer: hinten links der Sarkophag des Kaisers Heinrich IV.
schen Hitlers nationalsozialistischem Un- rechtsstaat und dem Heiligen Stuhl, das die römisch-katholische Kirche (ebenso wie die protestantische) nicht vor einer Gleichschal- tungs- und Vernichtungspolitik schützen konnte. Ein Kompromiss ist oft nur ein vor- läufiger Erfolg. Faule Kompromisse neigen dazu, weiterzufaulen. Aus christlicher Sicht ist es erschreckend, welch jähen Absturz die Institution Kirche seit dem Spätmittelalter bis dato erfährt. Ein heißes Diskussionsthema!
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