Mit cleverer Idee zu mehr Nachhaltigkeit
Universitäts-Augenklinik erhält Auszeichnung für optimiertes Operationsbesteck-Sieb
Ein Projektteam der Klinik für Augenheilkunde (Direktor: Prof. Dr. Berthold Seitz) am Universitätsklinikum des Saarlandes UKS in Homburg hat das Sieb mit Operationsbesteck für Eingriffe beim Grauen Star optimiert. Mit dieser Anpassung schafft es die Klinik, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig die Patientensicherheit weiter zu verbessern. Die Idee wurde nun von der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Augenheilkunde DOG ausgezeichnet.
Der Graue Star ist eine Volkskrankheit. Schätzungsweise etwa 10 Millionen, vor allem ältere Menschen in Deutschland sind von der Eintrübung der Augenlinse betroffen, die in der Medizin auch als Katarakt bezeichnet wird. Bei der Erkrankung nimmt die Sehschärfe immer weiter ab. In Extremfällen kann der Graue Star sogar zu Blindheit führen. Die sich eintrübende Linse kann aber sehr gut durch eine Kunstlinse ersetzt werden. Diese etablierte Methode wird auch an der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum des Saarlandes angeboten. „Wir führen jährlich etwa 1.800 Katarakt-Operationen bei uns in Homburg durch, ein Großteil davon sogar ambulant“, erklärt Klinikdirektor Prof. Dr. Berthold Seitz.
Bei den Eingriffen am UKS nutzen die erfahrenen Operateurinnen und Operateure neben modernsten Operationstechniken ein bestimmtes Set an Werkzeugen. Sie benötigen für den Eingriff u.a. Pinzette, Klemme, Schere, Nadelhalter und Lidsperrer. Die medizinischen Instrumente bestehen in der Regel aus Stahl oder Titan und werden für jeden einzelnen Eingriff fachgerecht sterilisiert und in einem Sieb zusammengepackt. Und genau dort setzt die eigentlich simple, aber sehr clevere Idee von Dr. Alina Ritter und Dr. Fabian Fries an. „Wir haben die Zusammenstellung des OP-Werkzeuges hinterfragt: Ist das Set in dieser Form sinnvoll zusammengesetzt oder gibt es Verbesserungsbedarf?“, erklärt Assistenzärztin Dr. Ritter.
Zusammen mit Oberarzt Dr. Fries konnte die Frage schnell beantwortet werden: „Die Kataraktoperation ist ein hoch standardisierter, häufig durchgeführter Eingriff. Unsere vormals eingesetzten OP-Siebe enthielten aber eine Vielzahl an Instrumenten, die im Regelfall gar nicht benötigt wurden.“ Diese Zusammenstellung hatte entscheidenden Nachteile: unnötiger Materialverschleiß, erhöhter Sterilisationsaufwand, ein hoher Ressourcenverbrauch und Engpässe durch Reparaturen und verlängerte Lieferzeiten. Somit lag auf der Hand, dass das Katarakt-Sieb optimiert werden sollte.
Im engen Austausch mit den Operateurinnen und Operateuren, der Leitung des Zentralen Sterilgutmanagements am UKS Eva Lohse und der Sterilgut-Abteilung der Augenklinik wurde das Sieb neu zusammengestellt. „Wir konnten das Sieb letztendlich von zuvor 34 auf nun 18 Instrumente reduzieren, also den Umfang fast halbieren“, erklärt Dr. Alina Ritter. „Und das, ohne Einschränkungen beim operativen Notfallmanagement zu haben. Ganz im Gegenteil verbessert ein klar strukturiertes OP-Besteck sogar die Patientensicherheit, da es übersichtlicher ist und so die Fehleranfälligkeit bei der Instrumentierung weiter senkt“, betont Dr. Fabian Fries.
Mit der neuen Struktur gehen viele positive Effekte einher. So werden durch die Optimierung vor allem Ressourcen geschont. Denn die Instrumente durchlaufen insgesamt weniger Aufbereitungszyklen, verschleißen dadurch weniger. Der Verbrauch von Wasser, Energie, Desinfektionsmittel und Verpackung sinkt. Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass so auch Kosten reduziert werden können – und das ohne Qualitätseinbußen oder andere Nachteile. „Das Projekt ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man einen Prozess nachhaltig optimieren kann“, so Klinikdirektor Prof. Dr. Seitz. „Ich bin sehr stolz auf mein Team und vor allem auf das Engagement von Dr. Ritter und Dr. Fries. In der UKS-Augenklinik möchten wir nicht nur unseren Patientinnen und Patienten eine bestmögliche Versorgung bieten, sondern wir legen ebenso Wert auf Weiterentwicklung und den schonenden Umgang mit wertvollen Ressourcen.“ Das Projekt soll nun fortgeführt werden, bei weiteren Sieb-Konfektionen steht eine Überprüfung und ggf. Optimierung an.
Die Projektidee wurde nun von der medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland, der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), gewürdigt. Am 25. September erhielten Dr. Alina Ritter und Dr. Fabian Fries eine Auszeichnung beim jährlichen Fachkongress. Sie konnten die Fachjury beim diesjährigen DOG pura Award überzeugen und erreichten den mit 1.500 Euro dotierten 2. Platz im bundesweiten Ideenwettbewerb für Nachhaltigkeit in der Augenheilkunde. © UKS

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