„Illumina NextSeq 2000“
Saarland erhält erstes hochmodernes Sequenziersystem
Gesundheitsminister Magnus Jung hat dem Universitätsklinikum das erste Next-Generation-Sequenziersystem „Illumina NextSeq 2000“ übergeben. Die Anschaffungs- und Betriebskosten von rund 530.000 Euro werden vollständig vom Ministerium getragen.
Magnus Jung betont: „Die Anschaffung des ersten Next-Generation-Sequenziersystems stellt die Teilhabe aller Saarländerinnen und Saarländern an den Fortschritten der modernen Medizin sicher. Mit dem Gerät wird eine erhebliche Verbesserung der Infektionsdiagnostik und der Ausbruchsaufklärung erreicht. Dies ermöglicht eine deutlich schnellere Identifikation von Erregerstämmen, eine wirksamere Nachverfolgung von Infektionsketten und letztlich einen besseren Schutz der Bevölkerung. Mit diesem Sequenziersystem im Saarland investieren wir heute in die Fähigkeit, morgen schneller zu schützen.“ „Im Fall von Infektionskrankheiten zeigt sich immer wieder, dass diese nicht an Landesgrenzen Halt machen. Mithilfe des neuen Sequenziersystems zur Erregerdiagnostik können wir im Saarland nun einen stärkeren Beitrag zur frühzeitigen Identifikation von Ausbruchsgeschehen leisten und dank der bundesweiten Vernetzung, insbesondere über das Robert-Koch-Institut, dafür sorgen, dass Maßnahmen zur Eindämmung schneller erfolgen und Präventionsstrategien gezielter ansetzen“, erklärt Prof. Dr. Dr. Sören Becker. Unter seiner Leitung ist seit dem 1. Januar 2021 das Landeskompetenzzentrum Infektionsepidemiologie (LKI) am Institut für Medizinische Mikrobiologie & Hygiene des UKS im Einsatz. Damit wurde im Auftrag des MASFG eine zentrale Stabsstelle geschaffen, welche die Arbeit der Gesundheitsämter unterstützt und die Schnittstelle zum RKI bildet. Mit dem Aufbau einer eigenen Sequenzierinfrastruktur (Next Generation Sequencing, kurz NGS) im Saarland wird der Öffentliche Gesundheitsdienst in seiner langfristigen Handlungsfähigkeit gestärkt und kann gezielt in bundesweite Surveillance-Strukturen eingebunden werden (Integrierte Genomische Surveillance; kurz IGS). Die gewonnenen Analysen unterstützen eine zeitnahe Bewertung lokaler, überregionaler und bundesweiter Ausbruchsgeschehen. Zudem ist eine gezielte Analyse der Infektionsausbreitung, die Identifikation von Übertragungsketten, die Erkennung genomischer Veränderungen sowie eine Echtzeit-Überwachung neu auftretender Resistenzgene möglich. Somit kann das Saarland zu einer frühzeitigen Identifikation von Ausbruchsgeschehen durch bundesweite Vernetzung und Vernetzung mit dem Robert Koch-Institut beitragen. Bis zur Anschaffung war das Saarland neben Bremen das einzige Bundesland, das keine eigenen Sequenzierungen durchgeführt hat.2025 wurde durch NGS und IGS beispielsweise ein europaweiter Salmonellenausbruch bei Kleinkindern durch ein Cashew-Mus sehr früh erkannt und rasch aufgedeckt. Auch Kinder aus dem Saarland waren betroffen. Mit der Methodik wurde herausgefunden, dass sich die Kinder an derselben Quelle angesteckt haben. Zukünftig werden die Techniken des NGS auch in der individualmedizinischen Diagnostik einen immer größeren Stellenwert einnehmen. Die NGS-Technik wird in Zukunft durch die schnellere Diagnostik von Krankheitserregern die Möglichkeit bieten, auch Krankheiten besser zu behandeln und Leben zu retten. So könnten zukünftig z.B. Antibiotikaresistenzen schneller erkannt und Infektionen optimal behandelt werden. Die Anschaffung ermöglicht es dem UKS an zukünftigen Entwicklungen in der Erregerdiagnostik teilzunehmen, was dann wiederum Bürgerinnen und Bürgern auch individuell zu Gute kommen könnte.
Weiterführende Begriffserläuterungen
NGS ist eine moderne labortechnische Methode zur schnellen und parallelen Analyse von Erbgut in Krankheitserregern, d. h. um genetische Informationen rasch und effizient in großem Umfang zu entschlüsseln. Die Methode ist deutlich schneller als herkömmliche Keimbestimmungsmethoden mittels Anzucht auf Nährmedien. Zudem können durch Vergleiche des Erbguts Stämme und Zusammenhänge identifiziert werden und damit auch die Aufklärung von Übertragungsereignissen und Ausbrüchen entscheidend verbessert werden.
Als IGS bezeichnet man die systematische Überwachung von Krankheitserregern durch die Kombination von Genomdaten (die man mit NGS entschlüsselt hat) mit klassischen epidemiologischen Informationen wie Person, Ort und Zeit.

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