Danyeel Khudeeda
Topschwimmer und Traumhelfer
Der 17-Jährige Neckarsulmer holt Gold bei den Special Olympics Nationalen Spielen und geht seinen Weg im Sport und im Leben.
Die Freude war riesig. Bei Danyeel Khudeeda und dem gesamten Team der Bunten Sportgemeinschaft (BSG) Neckarsulm. Gleich bei seinem ersten Start bei den Special Olympics Nationalen Spielen über 50 Meter Rücken im „Piscine Olympique“ in Forbach, gewann der 17 Jahre alte Schwimmer am Donnerstag die Goldmedaille. Es hatte sich schon angedeutet, dass er als erster anschlagen wird, denn beim Klassifizierungswettbewerb am Tag zuvor hatte er die beste Zeit aller Teilnehmenden über diese Strecke erreicht und dabei auch seine Anmeldezeit für diese Spiele übertroffen. Nicht nur BSG-Trainerin Angela Pim ist begeistert von dem jungen Mann, der 2016 im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie aus dem Irak nach Deutschland kam. Heike Acker, die Vorsitzende der BSG, hat schon vor den Spielen voller Überzeugung gesagt: „Was für ein Weg, den dieser Junge gemacht hat, seit er aus dem Irak hier angekommen ist!“ Und die dritte im Bunde aus der BSG, Jenny Sakautzky, nennt ihn ihren „Traumhelfer“. Danyeel Khudeda trainiert nicht nur selbst hart und konsequent, er arbeitet in seinem Verein auch als Trainingshelfer bei den Anfängergruppen von Sakautzky mit. Die ist voll des Lobes: „Immer motiviert, immer zuverlässig, immer pünktlich. Und er hat immer eigene Ideen, was die Kinder beim Schwimmenlernen unterstützen könnte.“ Angela Pim hat die gleiche Erfahrung mit ihm gemacht. „Er ist so gut im Training. Er versucht, alles zu verstehen. Er fragt nach und will immer genau wissen, warum er was machen soll. Wenn er es verstanden und akzeptiert hat, setzt er es hervorragend um.“ Aber Danyeel Khudeeda erinnert sich auch noch daran, dass die erste Zeit in Deutschland alles andere als leicht war, zum Beispiel in der Grundschule: „Das Schreiben war neu, die Sprache war neu, und dann habe ich auch nicht gut gehört.“ Er hat eine Hörschädigung, genauso wie seine ältere Schwester Rozaliya, die bei den Nationalen Spielen ebenfalls als Schwimmerin am Start ist. Erst nachdem die beiden ein Hörgerät bekommen hatten, ging es aufwärts. Schulisch bei Danyeel Khudeeda so weit, dass er jetzt vor dem Hauptschulabschluss steht. Am Dienstag nach diesen Spielen steht noch die Deutschprüfung an, danach hat er sein erstes großes Lebensziel erreicht. Es war allerdings ein steiniger Weg. Dass er nun so erfolgreich enden kann, hat sehr viel zu tun mit dem Sport und Heike Acker. Der kleine Danyeel legte damals, bald nach dem Umzug nach Deutschland, das Seepferdchen ab, die allererste Schwimmprüfung für Kinder, und ging darüber hinaus bei Heike Acker ins Fußballtraining. Acker hat schnell sein Talent fürs Schwimmen erkannt, und so begann der sportliche Aufstieg. Und nicht nur der. Vor allem aufgrund der Hörschädigung wurde Danyeel Khudeeda in eine Schule für geistige Entwicklung gesteckt, in der er schnell klar unterfordert war. „Da hat er einfach nicht hingehört“, sagt Heike Acker, die viel von ihren Kämpfen an entscheidenden Stellen, gemeinsam mit der Familie Khudeeda, erzählen kann. Schließlich führte der hohe Einsatz zum Erfolg: Danyeel Khudeeda konnte an eine Förderschule wechseln. Und die beendet er nun in Kürze mit dem Hauptschulabschluss. „Heike hat mir so viel geholfen“, sagte der junge Schwimmer am Tag vor seinem ersten Finale in Forbach, „ich bin so froh, dass ich nicht alles allein machen musste. Sie hat mit mir gelernt, sie hat mich so unterstützt.“ Dem stimmt sofort auch Trainerin Pim zu: „Heike ist immer für alle da. Sie macht das mit so viel Herzblut, sie kümmert sich um alles, ob es um die Schule geht oder ob einer zum Arzt muss. Sie ist immer da.“ Auch beim nächsten Schritt, den Danyeel Khudeeda demnächst machen möchte. Denn neben dem Training und der Schule hat er vor kurzem auch noch den Rettungsschwimmer bei der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) abgelegt. „Dass er das geschafft hat, macht mich unglaublich stolz. Er hat so viel dafür gearbeitet, er hat sich hingesetzt, er hat geübt“, sagte Acker. „Ich bewundere seine Kraft, seine Energie und seinen Willen.“ So wie es aussieht, wird der Aufwand belohnt: Khudeeda hat eine Anstellung bei der Stadt Neckarsulm als Rettungsschwimmer in Aussicht. Wenn es mit dem Hauptschulabschluss klappt, steht noch ein Bewerbungsgespräch an, bei dem ihn – natürlich – Heike Acker begleitet. Er freut sich extrem darauf. „Das wäre super, wenn ich dann mein eigenes Geld verdiene“, sagte er, „dann bin ich nicht mehr abhängig von der Familie.“
Aber zunächst ist Danyeel Khudeeda in dieser Woche bei den Nationalen Spielen beschäftigt, denn es stehen noch zwei weitere Starts in Forbach an, über 50 Meter Freistil am Freitag und in der Freistil-Staffel der BSG am Samstag. © Ulrike Spitz

.webp)
