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Pfarrer mitten im Leben

Rudolf Renner geht in Ruhestand

Schule, Polizei, Notfallseelsorge, ökumenische Begegnungen: Pfarrer Rudolf Renner hat im Laufe seines Berufslebens viele Aufgaben übernommen. Dahinter stand immer wieder die Frage: Wie kann Kirche nah bei den Menschen sein? Nun tritt er nach Ende des Schuljahres am 1. August in den Ruhestand. Zuletzt wirkte er als evangelischer Schulpfarrer am Saarbrücker Willi-Graf-Gymnasium.

Aufgewachsen als Sohn eines Pfarrers und späteren Superintendenten in der lutherischen Landeskirche Hannovers im Süden von Niedersachsen, erlebte er von klein auf die ganze Bandbreite an kirchlichen Angeboten. Schon in der 10. Klasse auf dem Gymnasium wusste er, dass er wie sein Vater Pfarrer werden wollte. Trotzdem ging es für ihn nach dem Abitur nicht direkt zum Studium. „Ich wollte offiziell als Kriegsdienstverweigerer registriert werden“, erklärt Renner, warum er erst seinen Zivildienst absolvierte. Denn in jener Zeit wurden angehende Pfarrer in der Regel vom Wehrdienst freigestellt. Sein Studium absolvierte er dann in Bethel, Tübingen und Hamburg, wo er auch sein erstes Examen ablegte. In Erinnerung sind ihm vor allem die Wochenseminare, die er am Ökumenischen Institut in Bossey in der Nähe von Genf besuchen durfte. „Ich war total beeindruckt von dem Austausch mit aller Welt“, schwärmt er noch heute. Ende der 1980er-Jahre, in Zeiten der sogenannten „Pfarrerschwemme“ mit einem deutlichen Überangebot an Pfarrpersonen, war es für junge Absolventen nicht einfach. Renner hatte Glück: Freunde seiner Eltern aus Dresden vermittelten ihm nach dem ersten Staatsexamen einen Job an der Evangelischen Akademie in Meißen. So wurde er in diesen neun Monaten im Jahr 1990 überraschend zum Zeitzeugen der Wende. „Das erste Gehalt habe ich noch in DDR-Mark bekommen“, erzählt er. Es war auch für Renner persönlich eine prägende Zeit. Die Evangelische Kirche mit ihrer wichtigen Rolle in den Demokratisierungsprozessen der DDR war in jener Zeit in Aufbruchstimmung. Das imponierte Renner. 1991 wechselte er offiziell von der hannoverschen in die sächsische Landeskirche, absolvierte dort seine praktische Pfarramtsausbildung und wurde sesshaft. Nach seiner Heirat und der Geburt der beiden Söhne übernahm er 1999 gemeinsam mit seiner damaligen Frau eine Pfarrstelle in Dresden. Nur ein Jahr später kam es zu einer Katastrophe, die sein weiteres Berufsleben prägen sollte. Während der Jahrhundertflut in Dresden und Umgebung fing er mit der Notfallseelsorge an, knüpfte enge Kontakte zu den Einsatzkräften, insbesondere zur Polizei. Die Arbeit wurde über die Jahre zu seinem Steckenpferd. Als seine Ehe 2010 in die Brüche ging, wusste Renner, dass es an der Zeit war für einen beruflichen Wechsel. Es sollte aber noch ein paar Jahre dauern, bis er zufällig die Ausschreibung der Stelle als Landespolizeiseelsorger im Saarland sah. „Ich war noch nie im Saarland gewesen, aber ich wusste: Das ist genau das, was ich machen will“, blickt er zurück. So wurde er 2015 in Saarbrücken mit je einer halben Stelle Polizeiseelsorger und Schulpfarrer an der Marienschule – und fühlte sich von Beginn an am richtigen Ort. Denn im Saarland konnte er dort wirken, wo er eigentlich schon lange hingewollt hatte: „im echten Leben“, außerhalb der kirchlichen Binnenstrukturen. Vieles lernte er in diesen Arbeitsfeldern schätzen: die Offenheit und Einsatzbereitschaft des Polizeipersonals, das gute ökumenische Miteinander mit katholischen Kollegen in Polizei und Schule und insbesondere der gleichermaßen herausfordernde wie erfüllende Religionsunterricht. „Da kommt Seelsorge als mittelfristiger Beziehungsarbeit eine besondere Bedeutung zu“, sagt er. Gerade auch jüngere Menschen ohne kirchliche Bindung benötigten manchmal Zuspruch. Wichtig war ihm dabei auch, den Bezug seiner Arbeit zur Kirche wachzuhalten. Eines seiner Highlights war daher auch die „Blaulichtkirche“, die im Rahmen der Nacht der Kirchen Saar 2016 im Verbund verschiedener Einsatzkräfte gemeinsam ausgerichtet wurde. 

 

Nun wurde Rudolf Renner im Rahmen eines Schulgottesdienstes der Willi-Graf-Schulen entpflichtet und verabschiedet.

Für den Ruhestand hat er bereits einige Pläne. Neben seinem Dienst entdeckte er in der Partnerschaftsarbeit des damaligen Kirchenkreises Saar-West mit Goma im Kongo sein Interesse für ökumenische Beziehungen noch einmal neu. Im Saarland möchte er wohnen bleiben, aber er könnte sich vorstellen, im Rahmen eines „Senior Expert“-Programms der Vereinten Evangelischen Mission für einige Monate die Kirchen in einem afrikanischen Land zu unterstützten. „Am liebsten in einem Land mit Bezügen zur deutschen Geschichte“, sagt er, denn das Thema Kolonialismus und dessen Folgen hat ihn stets interessiert und begleitet. Daneben möchte er gern im Bereich der Notfallseelsorge aktiv bleiben. © Ev. Kirchenkreis An der Saar

Schenk, Silvia
20. Jul 2026