Kopf-Hals-Tumore
Früherkennung entscheidend / Studie des UKS bei erneut aufgetretenen Tumoren
Vom 21. bis zum 26. September schafft die Make-Sense-Kampagne Bewusstsein für Kopf-Hals-Tumore und ihre Symptome. So sollen diese Krebserkrankungen früher erkannt werden, was die Heilungschancen verbessert. Das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) bietet betroffenen Patientinnen und Patienten über das Kopf-Hals-Tumorzentrum eine interdisziplinäre Behandlung auf höchstem Niveau. Im Rahmen einer von der Deutschen Krebshilfe geförderten Studie zu erneut aufgetretenen Kopf-Hals-Tumoren wird in Homburg ein neuartiges immunologisches Behandlungskonzept angeboten.
Mit etwa 16.000 Neuerkrankungen in Deutschland pro Jahr gehören Kopf-Hals-Tumore zu den zehnthäufigsten Krebserkrankungen des Menschen. Sie können im Mund- und Rachenraum, aber auch im Kehlkopf, in der Nase oder in den Speicheldrüsen auftreten. Fast immer haben sie einen großen Einfluss auf wichtige Körperfunktionen wie Sprechen, Kauen und Schlucken. Zudem beeinflussen sie oft und stark das äußere Erscheinungsbild, worunter Betroffene ebenfalls leiden. Häufig ist eine schmerzlose Schwellung der Lymphknoten am Hals das erste Symptom, was allerdings erst in einem fortgeschrittenen Tumorstadium auftritt. Die Behandlung dieser Tumore erfolgt am Universitätsklinikum des Saarlandes interdisziplinär. So sind die Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, die Klinik für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie sowie die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie zum Kopf-Hals-Tumorzentrum am UKS zusammengeschlossen. Von der Vorsorge über eine passende, individuelle Therapie bis hin zur Nachsorge wird in Homburg die ganze Bandbreite der Versorgung angeboten. Darüber hinaus bestehen Strukturen zur psychoonkologischen oder palliativmedizinischen Betreuung. Das Kopf-Hals-Tumorzentrum ist dabei eines von insgesamt 13 Organkrebszentren am UKS, die wiederum unter dem Dach des Universitätsmedizinischen Zentrums für Tumorerkrankungen (UTS) organisiert sind.
Die internationale Make-Sense-Kampagne vom 21. bis 26. September 2026 macht auch in diesem Jahr wieder auf die Kopf-Hals-Tumore aufmerksam. Sie ist eine Initiative der Europäischen Kopf-Hals-Gesellschaft (engl.: European Head and Neck Society, EHNS), die als multidisziplinäre Organisation Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenbringt, die rund um die Behandlung von Kopf-Hals-Krebs eine Rolle spielen. Ziel der Kampagne ist es, das Bewusstsein für Hals-Kopf-Krebs und dessen Symptome in der Bevölkerung zu erhöhen, um so die Früherkennung zu fördern und Behandlungserfolge zu erhöhen.
Prävention: einfache Faustformel „1 für 3“
Auch das UKS möchte die Bevölkerung für die unterschiedlichen Erkrankungen sensibilisieren, die unter dem Sammelbegriff Kopf-Hals-Tumore zusammengefasst werden. Das sind v.a. Krebserkrankungen im Rachen, im Kehlkopf sowie in Mund- und Nasenhöhle. Je früher diese diagnostiziert werden, desto besser ist die Prognose. Daher sollte auf frühe Symptome geachtet werden. Dabei hilft eine Faustformel, die sogenannte „1 für 3“-Definition“. Dahinter steckt ein simples Schema. Stellt man über einen Zeitraum von drei Wochen durchgehend eines der folgenden Symptome fest, sollte man direkt die Fachärztin oder den Facharzt aufsuchen:
• Wunden der Zunge, nicht heilende Mundgeschwüre und/oder rote oder weiße Flecken im Mund
• Halsschmerzen
• hartnäckige Heiserkeit
• schmerzhaftes oder erschwertes Schlucken
• Fremdkörpergefühl im Rachen oder Hals
• einseitig verstopfte Nase und/oder blutige Absonderungen
Dabei ist die Länge der Symptome zu beachten. Halsschmerzen, Heiserkeit oder offene Stellen im Mund alleine sind noch kein Grund zur Sorge.
Wurde ein Kopf-Hals-Tumor diagnostiziert oder muss ein verdächtiger Befund genauer abgeklärt werden, steht das Kopf-Hals-Tumorzentrum des UKS bereit. Im interdisziplinären Austausch können individuelle Therapie-Strategien erarbeitet werden, die Methoden reichen dabei von Bestrahlung, Chemo- und Immuntherapie bis hin zu operativen Eingriffen. Häufig werden diese Therapieansätze auch kombiniert.
RePaIr-HN-Studie: Neuer Behandlungsansatz bei erneuter Tumorbildung
Trotz einer optimalen Therapie liegt das Risiko für Lokalrezidive, also erneute Tumorbildungen, bei bis zu 20%. Befinden sich diese Rezidive am Hals, können sie oftmals nicht operiert werden und die Überlebenschancen sind schlecht. Hoffnung versprechen neue Immuntherapien. Dabei kommen Medikamente zum Einsatz, die das körpereigene Immunsystem dazu anregen, die Krebszellen zu bekämpfen. Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie spielt bei einem dieser Therapieansätze eine zentrale Rolle. Bei der von der Deutschen Krebshilfe mit 2,7 Mio. Euro geförderten RePaIr-HN-Studie ist die Homburger Klinik federführend. Die Studie ist 2025 gestartet und wird seit Beginn von Homburg aus geleitet und koordiniert. Aktuell sind insgesamt 21 Therapiezentren in Deutschland und der Schweiz an der Studie beteiligt. Das Studienkonzept wurde von der Interdisziplinären Arbeitsgruppe für Kopf-Hals-Tumore der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) mit dem diesjährigen Studienpreis ausgezeichnet.
In diesem internationalen Konsortium wird die Kombination einer erneuten Radiochemotherapie (Re-Radiochemotherapie) gefolgt von einer Immuntherapie mit dem Wirkstoff Pembrolizumab untersucht. Bei diesem Ansatz soll ausgenutzt werden, dass die durch Strahlentherapie abgetöteten Tumorzellen einen positiven Effekt auf das Immunsystem haben. Daten einer vorherigen klinischen Studie haben diesen Mechanismus bei Kopf-Hals-Tumoren nachgewiesen. Gerade bei einer erneuten Strahlentherapie sind eine hohe strahlentherapeutische Expertise und eine gute technische Ausstattung mit modernen Linearbeschleunigern erforderlich. Denn eine zweite Radiotherapie ist deutlich komplexer als eine Erstbestrahlung, da das gesunde Gewebe bereits vorbelastet ist. Die Strahlentherapie des UKS verfügt über die notwendige Technik und hohe Expertise, zudem setzen die Homburger Expertinnen und Experten schon seit mehreren Jahren Immuntherapeutika bei Ersterkrankungen ein.
Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie ist einerseits, dass erneut ein Kopf-Hals-Krebs aufgetreten ist (= Rezidiv eines vorherigen Tumors) oder ein neuer Kopf-Hals-Krebs (Plattenepithelkarzinom) festgestellt wurde. Daneben muss in der Vergangenheit bereits eine Bestrahlung oder eine Radiochemotherapie erfolgt sein. Betroffene Patientinnen und Patienten aber auch Fachärztinnen und Fachärzte, die Betroffene behandeln, können sich für Fragen und eine eventuelle Studienteilnahme direkt beim Homburger Studienzentrum melden. Das Zentrum ist über die E-Mail-Adresse repair.radonk@uks.eu oder telefonisch unter 0 68 41 / 16 – 2 46 88 zu erreichen. © UKS

