Palliativmedizin neu aufgestellt
Neue Sektionsleiterin im Diakonie Klinikum Neunkirchen
Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung brauchen mehr als eine gute medizinische Behandlung. Es geht auch darum, Ängste und Sorgen aufzufangen, Angehörige einzubeziehen und gemeinsam mit den Betroffenen herauszufinden, was ihnen in dieser herausfordernden Lebensphase guttut. Diesem ganzheitlichen Ansatz will das Diakonie Klinikum Neunkirchen künftig noch mehr Raum geben. Zum 1. Oktober übernimmt Dr. Frauke Backes die neu geschaffene Position als Sektionsleiterin in der Palliativmedizin. Damit setzt das Klinikum einen deutlichen Schwerpunkt auf die Weiterentwicklung und Vertiefung der palliativmedizinischen Versorgung.
Dr. Frauke Backes ist Fachärztin für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Onkologie und Hämatologie sowie der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin. Sie stammt aus Braunschweig und lebt seit 1991 im Saarland. Seit 1993 war sie am Caritas Klinikum Saarbrücken tätig, zunächst in der Inneren Medizin, später in der Onkologie. Ab 2004 arbeitete sie schwerpunktmäßig in der Palliativmedizin. Dass die Medizinerin nach so langer Zeit die Einrichtung wechselt, hängt mit der neu geschaffenen Sektion im Diakonie Klinikum Neunkirchen zusammen: „Mich reizt an der neuen Aufgabe besonders die Möglichkeit, die Palliativmedizin neu aufzubauen und gemeinsam mit dem Team weiterzuentwickeln“, sagt Dr. Frauke Backes. „Es geht darum, schwerstkranke Menschen bestmöglich zu begleiten und zu behandeln. Palliativmedizin bedeutet dabei nicht, dass jemand unmittelbar im Sterben liegt. Sie richtet sich an Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung und kann in ganz unterschiedlichen Phasen einer Erkrankung unterstützen.“ Im Mittelpunkt der Palliativmedizin steht dabei immer der Mensch in seiner gesamten Lebenssituation: „Wir dürfen einen Menschen nicht auf seine Krankheit reduzieren“, betont die Ärztin. Auch das soziale Umfeld, die persönliche Biografie und die Frage, was einen Menschen gerade belastet, gehören für sie zur Behandlung. Gemeinsam mit den Betroffenen gelte es herauszufinden, wo sich etwas verändern oder lindern lässt und ebenso, wo es darum geht, eine schwierige Situation gemeinsam auszuhalten. Dabei reicht Palliativmedizin weit über medikamentöse Behandlung hinaus. Schmerztherapie und Symptomkontrolle sind wichtige Bausteine. Ebenso entscheidend können aber die vielen kleinen Dinge sein, die das Wohlbefinden verbessern: Ruhe und Zeit für Gespräche, eine wohltuende Massage oder die Möglichkeit ohne weitere Konsequenzen gut gemeinte Angebote ablehnen zu dürfen. „Medikamentöse Therapie ist eine Sache. Ein ganz großer Teil dessen, was wir in der Palliativmedizin tun, lässt sich aber nicht mit Medikamenten behandeln“, sagt Dr. Backes. „Manchmal bedeutet gute Medizin auch, sich bei der Visite einfach mal hinzusetzen, zuzuhören und da zu sein.“ Eine solche intensive Begleitung gelingt nur im Team. Deshalb sieht die neue Sektionsleiterin die interprofessionelle Zusammenarbeit als zentralen Bestandteil der Palliativmedizin. Ärztlicher Dienst und Pflege arbeiten ebenso eng zusammen wie weitere Berufsgruppen, die dazu beitragen können, körperliche, psychische, soziale und auch existenzielle Belastungen zu lindern. Auch die Angehörigen spielten dabei eine wichtige Rolle. Sie seien häufig selbst erheblich belastet und müssten in die Begleitung einbezogen werden. Gerade vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft und der steigenden Zahl von Menschen, die mit schweren und chronischen Erkrankungen leben, gewinnt eine gute palliative Versorgung zunehmend an Bedeutung. Für Andrea Massone, Regionalgeschäftsführerin des Diakonie Klinikums, ist die Verstärkung in der Palliativmedizin im voranschreitenden Modernisierungsprozess der Klinik deshalb ein wichtiger Schritt: „Mit der neu geschaffenen Sektionsleitung setzen wir bewusst einen Schwerpunkt auf die Palliativmedizin. Unser Klinikum verfügt über eine besondere Expertise in der Behandlung von Krebserkrankungen und Tumoren. Gleichzeitig gehören zwei stationäre Hospize in Neunkirchen und Saarbrücken zu unserem Träger. Diese Strukturen wollen wir noch stärker miteinander verknüpfen und die Übergänge in der Versorgung weiterentwickeln.“
ereits zu ihrem Dienstantritt erlebt Dr. Frauke Backes im Klinikum eine deutliche Aufbruchsstimmung: „Ich spüre viel Neugier und den Wunsch, etwas zu bewegen“, sagt sie. Dabei komme es auch darauf an, die Grenzen zwischen den medizinischen Fachdisziplinen zunehmend durchlässiger zu gestalten: „Die Übergänge werden immer fließender. Das gibt uns die Möglichkeit, flexibler zu agieren und gemeinsam die Versorgung für unsere Patientinnen und Patienten weiterzuentwickeln.“ Das Ziel der neuen Sektion ist damit klar: Palliativmedizin soll noch stärker als integraler Bestandteil der Versorgung verstanden werden. Nicht erst am Lebensende, sondern immer dann, wenn Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung zusätzliche Unterstützung benötigen. © Stiftung kreuznacher diakonie | Petra Jost


