Page 12 - Ausgabe 109 / September 2021
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 Gedichte über „Heimatverlust und Exil“
Erneut Wortsegel-Erfolge des Saarpfalz-Gymnasiums
Den meisten Schüler(inne)n des Saarpfalz- Gymnasiums sind diese Themen sehr ver- traut. Seit Jahrzehnten wirkt ihre „Schule oh- ne Rassismus – Schule mit Courage“ bei der Gedenkveranstaltung zur Reichspogrom-
2011: Alexander Jung aus der AG Geschichte auf den Spuren von Alex Deutsch
im Vernichtungslager Auschwitz (Polen)
nacht in Homburg mit. Die Jugendlichen set- zen sich in Schulprojekten, Ausstellungen, Zeitzeugengesprächen und Exkursionen mit jüdischem Leben, Antisemitismus, Judenver- folgung und der NS-Diktatur auseinander. Viele haben in den zurückliegenden Jahren den Auschwitz-Überlebenden Alex Deutsch und Anne Franks Cousin Buddy Elias kennen
  „Seit 16 Jahren gibt der Wortsegel- Schreibwettbewerb der Gemeinde Tholey Schülerinnen und Schülern Im- pulse und Möglichkeiten für eigenes kreatives Schaffen und lässt sie eintau- chen in die Sprachenwelt der Dichter.“
Mit diesen Worten eröffnet Hermann Josef Schmidt, Bürgermeister der Schaumberg-Ge- meinde, sein Grußwort in der 58-seitigen Broschüre mit den besten Gedichten zum diesjährigen Thema „Heimatverlust und Exil“. Den Anstoß dazu bildete das Gedenk- jahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Jurysprecher Armin Schmitt lobte in seiner Laudatio bei der Preisverlei- hung die Originalität, Ernsthaftigkeit und Em- pathie der jungen Autor(inn)en und schreibt im Vorwort der Publikation: „In das weite thematische Feld wurden mit einigen aus- gewählten poetischen Zitaten Spuren gelegt.
Der jüdische Bäcker Alex Deutsch wartet 1936 am Hamburger Hafen auf sein Schiff nach Brasilien, ohne zu ahnen, dass sein Fluchtver- such aus Nazi-Deutschland in Südamerika scheitern wird. Bild von Alina Keßler (AG Ge) aus dem Buch „Alex Deutsch. Erinnerungen und Gedichte zum 100. Geburtstag“ (2013)
Die Schülerinnen und Schüler hatten die Möglichkeit, sich völlig frei an das Thema zu wagen oder sich von den Textzitaten zu eigenen Gedichten anregen bzw. sich auch von den Biografien der Dichterinnen inspi- rieren zu lassen“, die leidvolle Erfahrungen mit Verfolgung, Flucht und Heimatlosigkeit während der Zeit des Dritten Reiches (1933- 1945) gemacht hatten: die Jüdinnen Rose
Ausländer (1901-1988), Else Lasker-Schüler (1869-1945) und Nelly Sachs (1891-1970), die 1966 als erste deutsche Frau mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Die Ministerin für Bildung und Kultur des Saarlandes, Christine Streichert-Clivot, die als Schirmherrin bei der Wortsegel-Preisver- leihung im „Himmelszelt“ auf dem Schaum- bergplateau fungierte, hob in ihrem Gruß- wort die Wichtigkeit hervor, „sich mit der jüdischen Kultur in Deutschland vertraut zu machen und den großen Anteil, den jüdi- schen Künstlerinnen und Künstler am Kul- turleben in unserem Land hatten und haben, zu würdigen.“ Dabei verwies sie auf die „jüngsten antisemitischen Ausschreitungen“ im Rahmen einer jahrhundertealten antijü- dischen Hetze mit Verschwörungstheorien, Diskriminierungen, Verfolgungen bis hin zum Massenmord an jüdischen Mitbürger(inne)n.
  Ein Blick zurück: Preisträgerfoto des Wortsegel-Wettbewerbs 2010 mit (v.l.) Eberhard Jung (Be- treuungslehrer des Saarpfalz-Gymnasiums), Karl Rauber (Schirmherr, Chef der Staatskanzlei), Alina Keßler, Alex Deutsch als Ehrengast und Alexander Jung, der mit seiner Hommage „Mein Vorbild“ den Holocaust-Überlebenden würdigte
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