Page 42 - Ausgabe 112 / Dezember 2021
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schenhaltung in der Fleischindustrie? Über die mal farbblinde, mal farballergische Poli- zei – je nachdem ob es sich um die Gesin- nung oder den Hautton handelt? Und wann bauen die Briten die Mauer im Ärmelkanal? Und: Wie karikiert man etwas, das sich in einer Petrischale versteckt?“
3. Oktober 2021: das Reichstagsgebäude am Abend des Nationalfeiertags
In zahlreichen Museen werden Aspekte der Berliner und deutschen Geschichte präsen- tiert. Ein besonderer Höhepunkt war 2021 – wie in den vergangenen Jahren – die all- abendliche Großbildprojektion vom 20. Juni bis 3. Oktober 2021 unter dem Titel „Dem deutschen Volke. Eine parlamentarische Spu- rensuche. Vom Reichstag zum Bundestag.“
Das brennende Reichstagsgebäude im Februar 1933 als Modell in der Touristenattraktion „Little BIG City Berlin“
Mit stimmungsvollen Film-, Klang- und Lichtinstallationen wurde hinter dem Reichs- tagsgebäude über die Spree hinweg das weitläufige Marie-Elisabeth-Lüders-Haus zur Projektionsfläche einer atemberaubenden historischen Dokumentation. Sie stellte an historischer Stätte, im Zentrum der Demo-
Großbildprojektion unter dem Titel „Dem deutschen Volke. Eine parlamentari- sche Spurensuche. Vom Reichstag zum Bundestag.“ vor dem Marie-Elisabeth-Lüders- Haus gegenüber dem Reichstagsgebäude
kratie, die enge Verknüpfung des Reichstags- gebäudes mit der wechselvollen deutschen Parlamentsgeschichte vom Kaiserreich bis zur Gegenwart vor. Ein Gänsehauterlebnis für alle Zuschauer(innen) auf den Freitreppen
des Friedrich-Ebert-Platzes am Spree-Ufer, die unmittelbar vor vielen Kreuzen zu Ehren von Maueropfern saßen!
Das älteste Restaurant Berlins: „Zur letzten Instanz“
Wer an historischer Stätte seinen Durst oder Hunger stillen möchte, ist im ältesten Berli- ner Restaurant „Zur letzten Instanz“ in der Waisenstraße 14-16 (Berlin-Mitte) gut auf- gehoben. Es existiert seit 1621, also 400 Jah- re. Die Gegend rund um das Gebäude nann- te man einst „Bullenwinkel“, weil die Flei-
In der Gaststätte „Zur letzten Instanz“: Eberhard Jung, der Autor dieses Beitrages, vor dem historischen Kachelofen
aus Majolika-Kacheln, an dem sich schon Napoleon gewärmt haben soll
scher dort nachts bis ins 19. Jahrhundert die Tiere zur Schlachtung zusamentrieben. Be- reits 1561, also vor 460 Jahren, wurde das Gebäude erstmals urkundlich erwähnt. Den Häuserrücken bildet die alte Stadtmauer, die um 1250 errichtet und im 14. Jahrhundert erweitert wurde. Sie umgab die beiden alten Stadtteile Berlin und Cölln. In der Chronik des Gasthauses ist vermerkt: „Häuser, die unter Verwendung vorhandener Mauern ge- baut werden, heißen Wiekhäuser. Das Res- taurant Zur letzten Instanz ist das letzte
Wiekhaus, das heute noch im Berliner Alt- stadtbild erhalten ist. Die Stadtmauer ist das zweifelsfrei älteste Bauwerk Berlins. Und wäre die Mauer nicht gleichzeitig Häuser- rückwand gewesen (...), wäre auch dieses verbliebene historische Kleinod vermutlich Neubauten zum Opfer gefallen.“ Für das Jahr 1621 notiert die Chronik: „ Das Haus wird zum ersten Mal als Trinkstube genutzt. Den Grundstein legt ein ausgedienter, in Eh- ren entlassener Reitknecht des Kurfürsten: Er eröffnet im Erdgeschoss eine Branntweinstu- be.“ Man habe dort „gefressen, gesoffen, ge- spielet, spatziret, banquetieret“. Im Jahr 1924 erhielt die Gaststätte ihren heutigen Namen. De Chronik berichtet: „Der damalige Besit- zer G. Hoffmann nennt seine Schankstube Zur letzten Instanz, da in der nahe gelegenen Littenstraße ein Gerichtsgebäude entsteht. Zwei Bauern sollen nach einem langwieri- gen und erfolglosen Rechtsstreit letztendlich bei einem Glas Bier – sozusagen ‚in letzter Instanz‘ – Frieden geschlossen haben. Fried- liche Einigung wird auch einem scheidungs- willigen Ehepaar nachgesagt, welches vor dem Verhandlungstermin die gemütliche Kneipe besuchte und dann zusammenblieb. Zu DDR-Zeiten befand sich in der Litten- straße das Oberste Gericht der DDR – tat- sächlich die letzte Instanz.“ Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer be- schädigt und in der Nachkriegszeit original- getreu restauriert. Man wird in der Gaststätte freundlich begrüßt mit: „Juten Tach, herein- spaziert!“ Viel Prominenz kehrte im Laufe der Zeit dort ein: Napoleon Bonaparte, der französische Staatspräsident Jacques Chirac zusammen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, Jack Nicholson u.v.a.
Berlin hat für jeden reichlich zu bieten und ist immer eine Reise wert. Die Sehnsucht nach der deutschen Weltmetropole besang schon der Berliner Welt- und Hollywoodstar Marlene Dietrich (1901-1992): „Ich hab noch einen Koffer in Berlin. / Deswegen muss ich nächstens wieder hin.“
Fortsetzung folgt Eberhard Jung
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