Page 34 - Ausgabe 114 / Februar 2022
P. 34
Anzeige
Innovative Nahwärmeversorgung in Breitfurt
Stadt Blieskastel und Kirchengemeinde gehen neue Wege
die Protestantische Kindertagesstätte und das Martin-Bucer-Gemeindehaus, über eine Wärmeleitung zusammengeschlossen und damit auf den Wärmeverbund mit der Grundschule vorbereitet. Die Kirchenge- meinde folgte damit der Initiative der Evan- gelischen Kirche der Pfalz „Minus 40% CO2. Wir machen mit!“ Auch Bürgermeister Bernd Hertzler, der schon bald nach seinem Amtsantritt gemeinsam mit der neuen Rats- mehrheit für die Bereitstellung der entspre- chenden Mittel im städtischen Haushalt ge- sorgt hatte, zeigte sich bei der Begutachtung vor Ort sichtlich beeindruckt: „Eine echte
Diesen Artikel und weitere Berichte finden Sie auch auf unserer tagesaktuellen Onlineversion unter es-heftche.de.
win-win-Situation für alle Beteiligten“, so sein Kommentar. Mit der nun fertig gestellten Heizungserneuerung setzt die Stadt Blies- kastel erstmalig eine Heizungsanlage mit re- generativen Energieträgern um. Statt ur- sprünglich etwa 280 Kilowatt Leistung mit drei Einzelanlagen kommt die neue Anlage mit nur 130 Kilowatt aus, somit ein deutli- cher Effizienzgewinn. Mit der zusätzlichen Umstellung von Heizöl auf Pellets als Ener- gieträger ergibt sich für den gesamten Ge- bäudekomplex eine CO2-Einsparung von rd. 50 Tonnen pro Jahr bzw. 90 Prozent. Zu den Gesamtkosten von rd. 260.000 € inklusive Planungskosten steuern das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) knapp 100.000 € und das saarländische Wirtschaftsministerium aus dem Programm „ZEP kommunal“ nochmals etwas mehr als 60.000 € bei. Neben dem letztlich niedrigen Eigenanteil wird sich in den kommenden Jahren auch positiv bemerkbar machen, dass im Gegensatz zu Gas- und Ölheizungen kei- ne CO2-Steuer auf den Brennstoff anfallen wird. Trotz steigendem Baukostenindex blie- ben auch die tatsächlichen Kosten ziemlich genau im Bereich der Plankosten – in Zeiten von Baustoffknappheit fast schon eine kleine Sensation. „Sowohl energie- und klima- schutzpolitisch als betriebswirtschaftlich ein Modellprojekt, das Maßstäbe setzen wird für unsere zukünftigen Bauvorhaben“, verkün- dete der städtische Beigeordnete - nicht ohne Stolz abschließend. Die dauerhafte Koope- ration erfolgt auf der Grundlage eines Wär- meliefervertrages, der die Bedingungen fest- legt, zu denen die Kirchengemeinde nun ih- re Nahwärme aus der städtischen Heizanla- ge bezieht, und damit auch zur Refinanzie- rung der städtischen Investition beiträgt. Der Stadtrat hat diesem Wärmeliefervertrag in der letzten Sitzung des Jahres 2021 ein- stimmig zugestimmt. fbg
Besondere Umstände erfordern manch- mal eben besondere Maßnahmen. Die Stadt Blieskastel und die Kirchenge- meinde gehen nun in Breitfurt gemein- sam neue Wege in Sachen innovative Nahwärmeversorgung.
Aus der Not eine Tugend gemacht
Nach fast 40 Jahren war im September Schluss mit der alten Ölheizung in der Grundschule im Blieskastler Stadtteil Breit- furt. „Zunehmende Reparaturen und die Ge- fahr, im kommenden Winter ohne funktio- nierende Heizung dazustehen, gaben den Ausschlag, sich über eine neue Heizanlage Gedanken zu machen“, so der für die Grundschulen zuständige Beigeordnete Gui- do Freidinger, der auch für Breitfurt im Stadt- rat ist. „Es war von Anfang an unser Ziel, eine was den Klimaschutz angeht, innovative und bezüglich der Kosten eine langfristig wirtschaftliche Lösung zu finden“, so der Beigeordnete weiter. Dabei konnten wir auf die Vorplanungen eines Nahwärmeverbund- projektes für den gesamten Stadtteil zurück- greifen, das eine Initiative Breitfurter Bürger mit dem gesetzten Ziel, ein klimaneutrales Dorf zu werden, in den Jahren zuvor gestar- tet hatte. Das Vorhaben war aber am damals wegen des vorübergehend sinkenden Öl- preises ausgeblieben Zuspruch privater Be- teiligung gescheitert. Diese Projektidee wur- de fachlich maßgeblich von dem Energie-
beauftragten der Kirchengemeinde Breitfurt, Dr. Ing. Klaus Reifarth unterstützt.
Kein leichter Start
Der Vorschlag, für Schule und Kirchenge- meinde, deren Heizanlagen für Kindergärten und Gemeindehaus ebenfalls erneuerungs- bedürftig waren, eine gemeinsame Lösung zu suchen, fand zunächst bei der damaligen Bürgermeisterin leider keine Unterstützung. Erst Ende 2019 gelang es dann – ersatzweise mit der Unterstützung der Stadtwerke Bliestal – in die Projektplanung einzusteigen. Vor- bereitet wurde das Projekt über eine Mach- barkeitsstudie, die der Biosphärenzweckver- band Bliesgau beim Ingenieurbüro Ulrich Schäfer (ibs) aus Stromberg im Hunsrück be- auftragt hatte.
Die Mittel hierzu stammten aus dem LIFE- IP-Projekt ZENAPA, das der Klimaschutz- Manager der Biosphäre, Dr. Hans-Henning Krämer, vermittelt hatte. Mit diesem Pro- gramm will die EU ein besseres Verständnis zum gemeinsamen Vorgehen von Klima- schutz- und Naturschutzmaßnahmen we- cken und dabei u.a. auch investive Maßnah- men in den Bereichen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz auf den Weg bringen. Als besonderes Schmankerl wurden jetzt gleich vier Gebäude, Grundschule, Mehr- zweckhalle, Kita und Martin-Bucer-Haus, über einen gemeinsamen Holzpellet-Heiz- kessel versorgt. Im Sommer 2019 hatte die Protestantische Kirchengemeinde Breitfurt schon ihre beiden benachbarten Gebäude,
Beim Ortstermin zur Begutachtung der neuen Heizungsanlage (von links): Guido Freidinger, Martin Moschel, Dr. Hans-Henning Krämer, Stefan Niederländer, Dr. Klaus Reifarth, Bildungsmi- nisterin Christine Streichert-Clivot, Bürgermeister Bernd Hertzler, Eric Lonsdorf und Tobias Kohl Foto: Uwe Brengel
Ausgabe 114 / Februar 2022
34