Die Blies, einst unser schwarzes Flüsschen
Teil 3 von Jürgen Cornely
Wer jedoch dachte, das könne nur das Eisenwerk sein, das die Blies so ruinierte, machte es sich zu einfach. Da waren ja noch die Gruben. Bis in die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts spielte Wasser in der Steinkohleförderung nur eine untergeordnete Rolle.
Dann aber setzte der Schachtbau ein. Nun wurde Kohle in solchen Mengen abgebaut, dass man ein Verfahren entwickeln musste, das in vertretbarer Zeit die Kohle von dem tauben Gestein trennen konnte. Das war die Kohlenwäsche. Diese so genannte nasse Aufbereitung hatte den Nebeneffekt, dass sie das abfließende Wasser so sehr mit einem schwarzen Schlamm belastete, dass man Schlammweiher anlegen musste, um den Abfluss der so genannten Vorflut zu gewährleisten, die zusätzlich vor allem mit aus dem Gestein ausgewaschenen Sulfaten belastet war. Gleichzeitig wurden zur Wasserhaltung und zum Antrieb der Maschinen auch hier zunehmend Dampfmaschinen eingesetzt, für deren Betrieb Wasserreservoire vorgehalten werden mussten. Ein heute noch gut sichtbares Relikt ist der Itzenplitzer Weiher mit seinem Pumpenhäuschen. Die Grube Heinitz im Wassereinzugsbereich der Blies wurde innerhalb kürzester Zeit zur größten Grube im so genannten Saarrevier. Als es dann gelungen war, Koks zur Eisenerzeugung einzusetzen und überall Kokereien entstanden – nicht nur bei den Gruben, sondern auch im Neunkircher Eisenwerk – nahm die Belastung der Umwelt weiter zu. Dann war da noch die Eisenbahn. 1852 erreichten die ersten Dampflokomotiven Neunkirchen und in wenigen Jahren waren die Gruben, der Großraum Saarbrücken und der Rhein-Nahe-Raum per Zug erreichbar. Dampflokomotiven benötigen Wasser und stoßen nicht nur Wasserdampf aus. Ruß, Grus, Schmieröle belasten die Umwelt. Währenddessen gab es immer mehr Neunkircherinnen und Neunkircher. Von 1855 – etwa der Zeit, aus der die Illustration von Achille Schüler stammt – bis 1900 stieg die Bevölkerungszahl von etwa 4000 auf etwa 30000. Zum einen war es erstrebenswert nahe bei der Arbeitsstelle zu wohnen, zum anderen mussten die neuen Ansiedlungen mit dem täglichen Bedarf versorgt werden. Und – last but not least – der Bau der Eisenbahn und damit auch des Neunkircher Bahnhofs machte es zunehmend erstrebenswert, in der heutigen Unterstadt zu wohnen.
Reaktionen, Beschwerden, Lösungsversuche
Heinz Gillenberg hat herausgefunden, dass es „entgegen der heute üblichen Annahme“ bereits im 18. Jahrhundert, als vor der Übernahme des Eisenwerks durch die Gebrüder Stumm, Beschwerden über die Verschmutzung der Blies gab. Vor der Brücke bis hinunter zu den Wiesen bei Limbach lagerten sich insbesondere bei hohem Wasserstand Schlacken ab. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die nämlich einfach dadurch entsorgt, dass man sie in die Blies einschwemmte.9 Davon wurde die Blies indessen nicht schwarz. Im Lauf der Jahre wurden etliche Untersuchungen angestellt und Gutachten in Auftrag gegeben. Eine grundlegende Verbesserung der Gewässergüte stellte sich jedoch erst mit dem Ende der Montanindustrie, zunächst der Schließung der Gruben in den 60er Jahren und dem Niedergang des Eisenwerks in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ein. Während sich auswärtige Gäste am Zustand der Blies und der Neunkircher Luft störten, nahmen die meisten Einheimischen die Situation in Kauf; sie wurde als Preis für den Wohlstand der Stadt hingenommen. Insbesondere in trockenen Sommermonaten breitete sich aus der Blies ein Gestank vorwiegend nach Phenolen aus. Diese Situation wurde noch dadurch verstärkt, dass gerade zu diesen Zeiten das Eisenwerk mehr Blieswasser über den oberen Graben in den Hammerweiher abzweigte. Bei höherem Wasserstand war zwar die Geruchsbelästigung geringer, jedoch blieben dann an den Ufern des gewundenen Flüsschens feste Überreste der Eisenerzeugung wie Schlacken und Sinter, vermischt mit feinen Kohleteilchen aus den Gruben, hängen. Nach Hochwasser hatten sich an den Prallhängen regelmäßig so genannte Auskolkungen gebildet, die diese Anhaftungen verstärkten und dann aufwändig von der Gemeinde beseitigt werden mussten.
Quellennachweis: Heinz Gillenberg, Die Blies bei Neunkirchen – Wasserkraft und Entsorgungskanal, Historischer Verein Stadt Neunkirchen e. V. Heft 10/2002
Im Kasten: Der Titel des Februar Vortrages des HVSN lautet „Juden in der Herrschaft Ottweiler im 18. Jahrhundert“. Referent ist Christian Reuther, Leiter des Stadtarchives Neunkirchen.“. Mittwoch, den 4. Februar 2026. Beginn 19 Uhr VHS-Gebäude, Marienstr. 2., Neunkirchen. Nichtmitglieder zahlen 3€, Gäste sind willkommen.

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