Tourismus Zentrale Saarland
Klimafahrplan für den saarländischen Tourismus
Der Sommer wird heißer, Wetterextreme nehmen zu, und mit ihnen verändert sich auch das Reiseverhalten. Was für viele Regionen noch wie eine abstrakte Zukunftsfrage wirkt, wird im Saarland bereits konkret durchgespielt.
Mit dem Klimawandelanpassungs- und Klimaschutzkonzept für den Tourismus, kurz KliKo, legt die Tourismus Zentrale Saarland (TZS) erstmals eine systematische Grundlage vor, um die Branche zugleich klimafreundlicher und widerstandsfähiger zu machen. Entwickelt wurde es von der TZS gemeinsam mit dem Institut für angewandtes Stoffstrommanagement am Umwelt-Campus Birkenfeld (IfaS) auf Basis wissenschaftlicher Daten, begleitet vom Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz (MUKMAV) und dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie (MWIDE). Mit Blick auf die zentralen Einflussfaktoren des Tourismus wurde im KliKo erkannt, was es benötigt, ihn unter veränderten klimatischen Bedingungen zukunftsfähig zu halten.
Was auf den ersten Blick wie eine ökologische Notwendigkeit erscheint, ist vor allem eine ökonomische Frage, denn die im KliKo identifizierten Hebel sind zugleich Kostentreiber und damit Ansatzpunkte für mehr Effizienz und Stabilität. Gerade in einer Branche, die stark von externen Rahmenbedingungen abhängt, und in einer Destination, die sich vor allem über Outdoor-Themen wie Radfahren oder Wandern definiert, wird diese Unabhängigkeit zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Das KliKo ist eng mit der übergeordneten Tourismusstrategie 2035 des Saarlandes verzahnt. Nachhaltigkeit ist dort eines von sechs Leitzielen.
Das KliKo übersetzt den Klimaschutz zur Sicherung der wirtschaftlichen Stabilisierung in unterschiedliche Maßnahmen: Betriebe, aber auch Kommunen und weitere touristische Akteure, die jetzt investieren, sichern sich langfristig niedrigere Betriebskosten, stärken ihre Marktposition und können flexibler auf Veränderungen reagieren. In diesem Sinne ist der Klimafahrplan ein Instrument zur Zukunftssicherung des gesamten saarländischen Tourismus. Auch in der Fläche soll das Konzept ankommen. Gespräche mit Landkreisen und regionalen Organisationen laufen bereits, weitere Formate sind geplant. Ziel ist es, die Transformation nicht punktuell, sondern landesweit wirksam zu machen.
Hintergrund: Daten, Analyse und Entstehung des KliKo
Die Grundlage für diese Maßnahmen bildet eine umfassende Analyse des saarländischen Tourismus. Untersucht wurde, wie der Tourismus im Saarland aktuell organisiert ist, welche Angebote besonders nachgefragt werden und wie Gäste anreisen. Ergänzend wurden Energieverbräuche und Treibhausgasemissionen erfasst, um ein belastbares Gesamtbild zu erhalten. Für das Jahr 2024 wurden so rund 361.700 Tonnen CO₂-Äquivalente berechnet, eine Größe, die verschiedene Treibhausgase vergleichbar macht. Der größte Anteil entfällt auf die Mobilität, die rund ein Drittel der Emissionen ausmacht. Dahinter folgen Freizeitaktivitäten, Unterkünfte und Verpflegung.
Diese Zahlen markieren die Hebel, an denen Veränderung ansetzen kann. Wer die Emissionsquellen kennt, kann gezielt steuern, sei es durch alternative Mobilitätsangebote, energieeffizientere Betriebe oder eine stärkere regionale Wertschöpfung.
Neben der Emissionsbilanz berücksichtigt das Konzept auch, wie sich der Klimawandel selbst auf den Tourismus auswirkt. Schon heute verschieben sich Rahmenbedingungen: Hitzeperioden beeinflussen Veranstaltungsformate, Starkregen kann Infrastruktur und Freizeitangebote beeinträchtigen. Eine eigens erstellte Klimarisikoanalyse identifiziert besonders anfällige Bereiche (wie beispielsweise Rad- und Wanderwege) und zeigt, wo Anpassung notwendig wird. Darauf aufbauend wurden Szenarien bis zum Jahr 2045 entwickelt. Sie machen sichtbar, wie unterschiedlich sich der Tourismus entwickeln könnte.
Das KliKo bündelt diese Analysen und leitet daraus zentrale Handlungsfelder ab. Das Konzept versteht sich als Prozess, offen für Weiterentwicklung, angelegt auf Zusammenarbeit aller Akteure.
Die TZS positioniert sich dabei als zentrale Schnittstelle und will den Transformationsprozess aktiv begleiten. Sie bereitet die Inhalte praxisnah auf, berät Betriebe zu Maßnahmen und Fördermöglichkeiten, vernetzt Akteure und begleitet Projekte bis hin zu Investitionsentscheidungen. Parallel entsteht mit der digitalen Plattform www.kliko.saarland ein zentraler Zugang zu Wissen und konkreten Werkzeugen, gedacht als Arbeitsinstrument für die Branche.
Statement Birgit Grauvogel
„Wir haben mit dem KliKo erstmals eine fundierte Analyse der klimabedingten Herausforderungen im Saarlandtourismus sowie konkrete Maßnahmen für Klimaschutz und Klimaanpassung erarbeitet. Diese bringen wir nun systematisch in die Umsetzung.“
Statement Wirtschafts- und Tourismusminister Jürgen Barke
„Das Konzept verbindet Klimaschutz mit wirtschaftlicher Vernunft: Es zeigt, wie wir Emissionen senken, Kosten reduzieren und Betriebe zukunftsfest aufstellen können. Resilienz ist dabei aktive Standortpolitik – wer heute investiert, sichert morgen Wettbewerbsfähigkeit. Indem wir auf nachhaltiges Wachstum, Qualität und Innovation setzen, wollen wir den Tourismus als zentralen Wirtschaftsfaktor für das Saarland weiter ausbauen und diese Erfolgsgeschichte fortsetzen.“
Weitere Infos erhalten Sie unter https://www.tourismuslotse.saarland/. © Susanne Renk

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