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Pflege zukunftssicher gestalten

Saarland stellt Pflegeinfrastrukturbericht vor

Die Sicherung einer leistungsfähigen, wohnortnahen und bezahlbaren Pflege gehört zu den zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. Mit dem nun vorgestellten Pflegeinfrastrukturbericht legt das Saarland erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme der pflegerischen Versorgungsstrukturen im Land vor und schafft damit eine wichtige Grundlage für zukünftige politische Entscheidungen.

„Die Frage, wie wir Pflege künftig organisieren, finanzieren und für die Menschen verlässlich sichern, betrifft nicht nur die Pflegebedürftigen selbst. Sie betrifft Familien, Angehörige, Kommunen und letztlich unsere gesamte Gesellschaft“, so der saarländische Gesundheitsminister Magnus Jung anlässlich der Vorstellung des ersten saarländischen Pflegeinfrastrukturberichts. 

Nach den Erkenntnissen des Pflegeinfrastrukturberichts wird die Zahl der über 75-Jährigen im Saarland bis zum Jahr 2040 um rund 25 Prozent steigen – von 116.400 Personen im Jahr 2021 auf etwa 159.300 Menschen. Damit wächst auch der Bedarf an pflegerischer Versorgung und unterstützenden Angeboten erheblich. Die Zahl älterer Menschen nimmt also kontinuierlich zu, während gleichzeitig die Gewinnung von Fachkräften eine der größten Herausforderungen für das Gesundheits- und Pflegesystem bleibt.

Gleichzeitig wünschen sich die meisten pflegebedürftigen Menschen, möglichst lange in ihrem vertrauten häuslichen Umfeld versorgt zu werden. Der ambulanten und häuslichen Pflege kommt deshalb eine Schlüsselrolle bei der zukünftigen Versorgung zu.

Parallel zur Entwicklung der Versorgungsstrukturen wird bundesweit intensiv über die Zukunft der Pflegeversicherung diskutiert. Steigende Eigenanteile in der stationären Pflege belasten viele Betroffene und ihre Familien zunehmend. „Aus Sicht des Saarlandes braucht es deshalb weitere Reformschritte auf Bundesebene. Dazu gehört insbesondere eine wirksame Begrenzung der finanziellen Belastungen pflegebedürftiger Menschen. Pflegebedürftigkeit darf nicht zu einem unkalkulierbaren Armutsrisiko werden. Das Saarland setzt sich daher für einen sogenannten Pflegedeckel ein, der die Eigenanteile in der stationären Pflege wirksam begrenzt und mehr Planungssicherheit für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen schafft“, erklärt Jung. 

Der Pflegeinfrastrukturbericht basiert auf einem mehrjährigen Analyse- und Beteiligungsprozess. Grundlage bildet ein Gutachten der DIP GmbH in Zusammenarbeit mit der AGP Sozialforschung, das Ende 2023 im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege Saar vorgestellt wurde. Ergänzt wurden die Erkenntnisse durch Rückmeldungen aus Einrichtungen, Gespräche mit Akteuren des Pflegesektors sowie Erfahrungen aus der Praxis.

Zu den zentralen Ergebnissen zählen:

•      Die häusliche Pflege wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

•      Im ambulanten Bereich besteht grundsätzlich ein flächendeckendes Versorgungsnetz.

•      Die Zahl der Altenpflegekräfte hat sich zwischen 2011 und 2021 zwar verdoppelt, ein struktureller Personalaufbau konnte jedoch bislang nicht erreicht werden.

•      Die Zahl der zu versorgenden Personen pro Pflegedienst steigt kontinuierlich.

•      Besonderer Handlungsbedarf besteht im Bereich der jungen Pflege.

•      Pflegeeinrichtungen gelingt es überwiegend, ihre Auszubildenden langfristig an die jeweiligen Versorgungsbereiche zu binden.

•      Viele Einrichtungen bewerten die Zahl der Ausbildungsplätze als ausreichend, verzeichnen jedoch zu wenige Bewerbungen.

•      Die internationale Fachkräftegewinnung spielt bislang noch nicht in allen Einrichtungen eine zentrale Rolle.

Die Landesregierung hat die Stärkung der Pflege bereits zu Beginn der Legislaturperiode zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht. Zunächst wurde eine eigene Stabsstelle eingerichtet, aus der inzwischen eine Fachabteilung für Pflege im Gesundheitsministerium hervorgegangen ist, die bereits vorhandene Referate zentral bündelt. Mit der Konzertierten Aktion Pflege Saar (KAP Saar) wurde ein landesweites Netzwerk geschaffen, das mittlerweile mehr als 360 Akteurinnen und Akteure aus Pflege, Gesundheitswesen, Wissenschaft, Verbänden und Verwaltung zusammenführt. Ziel ist es, die pflegerische Versorgung nachhaltig zu stärken und bis 2030 insgesamt 4.000 zusätzliche Pflegekräfte für das Saarland zu gewinnen. Bereits heute zeigen zahlreiche Maßnahmen der KAP Wirkung, z.B. bei den Ausbildungszahlen. Bundesweit stieg die Zahl der Auszubildenden in Pflegeberufen im Jahr 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erste Rückmeldungen aus den saarländischen Pflegeschulen deuten auf eine ähnliche Entwicklung im Land hin.

Mit dem Programm „Saar66“ setzt das Saarland daneben auf Gesundheitsförderung, Bewegung, soziale Teilhabe und frühzeitige Unterstützung für Seniorinnen und Senioren. Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, möglichst lange selbstbestimmt in ihrem gewohnten Umfeld leben zu können. „Jeder Monat und jedes Jahr, in dem Menschen länger selbstständig leben können, ist ein Gewinn – für die Betroffenen selbst, für ihre Angehörigen und für unser Gesundheitssystem insgesamt“, betonte der Minister.

Der Pflegeinfrastrukturbericht macht deutlich, dass das Saarland in vielen Bereichen bereits gut aufgestellt ist, zugleich aber vor erheblichen Herausforderungen steht. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern eine wichtige Grundlage, um die pflegerische Versorgung im Land vorausschauend weiterzuentwickeln.

„Gute Pflege braucht eine verlässliche Planung, eine starke Infrastruktur und ausreichend Fachkräfte. Mit dem Pflegeinfrastrukturbericht schaffen wir die notwendige Datengrundlage, um die richtigen Entscheidungen für die Zukunft der Pflege im Saarland zu treffen“, so Jung abschließend. © Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit

Schenk, Silvia
08. Jun 2026