Mehr als nur ein Schüleraustausch
Internationale Begegnung führt „WissenSchaffer“ des Mannlich-Gymnasiums in die USA
In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und globaler Debatten wird es immer wichtiger, sich ein eigenes, differenziertes Bild von politischen Entwicklungen zu machen. Das gelingt nicht allein durch Nachrichten oder soziale Medien, sondern vor allem durch Begegnungen mit Menschen und Perspektiven vor Ort.
Wie wertvoll ein solcher unmittelbarer Austausch sein kann, erlebten 16 Schülerinnen und Schüler der Begabungsförderung „WissenSchaffer“ am Christian-von-Mannlich-Gymnasium mit ihren Lehrkräften Ulrike Bossung, Johannes Schmitt und Jan Weißler Anfang Juni bei einer außergewöhnlichen internationalen Begegnung in den Vereinigten Staaten.
Die Begegnung knüpfte an die 2024 begründete Partnerschaft mit der Theodore-Roosevelt-High-School in Washington D.C. an, die in einer Phase der aktiven Suche nach neuen transatlantischen Verbindungen entstand. Der lange bestehende Austausch zwischen der Godwin-High-School (Richmond, Virginia) im Rahmen der Verbindung des Saarpfalz-Kreises mit Henrico County war zu dieser Zeit für einige Jahre ausgesetzt. Zwar konnte diese Verbindung inzwischen wieder aufgenommen werden, zugleich hat sich in Washington aber ein außergewöhnliches neues Netzwerk aus Schule, Politik, Diplomatie und Medien entwickelt, das den Schülerinnen und Schülern besondere Lern- und Begegnungsmöglichkeiten eröffnet.
Insgesamt 15 Tage verbrachten die Homburger dieses Mal in den USA, nahmen am Unterricht teil, erlebten den Alltag ihrer Gastfamilien und absolvierten ein umfangreiches Bildungsprogramm. Bereits die ersten Tage an der Theodore-Roosevelt-High-School gaben die Gelegenheit, mit amerikanischen Schülerinnen und Schülern aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen zu diskutieren und Perspektiven zu Themen auszutauschen, die junge Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks beschäftigen. Dieser Austausch wurde schließlich konkret genutzt, indem Schülerinnen und Schülern des Programms „Global Service & Diplomacy“ der Roosevelt-High-School unter der Leitung von CTE-Direktor Julian Hipkins III und Fachlehrerin Stephanie Beer gemeinsam mit ihren Austausch-Partnerinnen und -Partnern an einer diplomatischen Simulation im US State Department teilnahmen. Statt Politik lediglich zu analysieren, schlüpften die Teilnehmenden selbst in die Rolle internationaler Entscheidungsträger, vertraten unterschiedliche Interessen und entwickelten gemeinsam Lösungsansätze für globale Konflikte.
In der Deutschen Botschaft diskutierten die Schülerinnen und Schüler über die deutsch-amerikanischen Beziehungen und die Rolle Deutschlands in einer zunehmend komplexen Welt. Einige Schülerinnen und Schüler besuchten mit ihren Gastfamilien eine Buchvorstellung der ehemaligen First Lady Dr. Jill Biden. Im ZDF-Studio Washington sprach die Gruppe mit USA-Korrespondent Elmar Theveßen über aktuelle politische Entwicklungen und die Herausforderungen internationaler Berichterstattung. Erfreulicherweise konnte in diesem Rahmen auch eine Einladung zur HOMbuch im nächsten Jahr überbracht werden, für die der bekannte Autor und Korrespondent spontan zusagte. Auch die Geschichte und gesellschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten wurden auf vielfältige Weise erfahrbar. Bei Besuchen der National Mall mit ihren Monumenten und Gedenkstätten oder des Smithsonian Museum of African American History and Culture setzten sich die Jugendlichen in Referaten mit Fragen von Demokratie, Bürgerrechten, Erinnerungskultur und gesellschaftlichem Wandel auseinander. Im Kongress der Vereinigten Staaten konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einem Abstimmungsmarathon im Senat beiwohnen. Beim Internationalen Währungsfonds diskutierte die Gruppe mit dem Mannlich-Absolventen Dr. Martin Schindler, Deputy Division Chief and Mission Chief in the African Department, globale wirtschaftliche Herausforderungen und die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit in einer vernetzten Welt. Ein Programmpunkt war auch eine Exkursion nach Richmond, der Hauptstadt des Bundesstaates Virginia. Die Reise knüpfte zugleich an die langjährige Partnerschaft zwischen dem Saarpfalz-Kreis und Henrico County an. In der historischen Governors Mansion empfing Candi King, Secretary of the Commonwealth of Virginia, die Gruppe – zusammen mit anderen hochrangigen Vertreterinnen der Regierung Virginias. Im Rahmen eines offiziellen Termins überreichten die Schülerinnen und Schüler zudem Gastgeschenke des Saarpfalz-Kreises an die ehemalige County-Managerin Angela Harper und unterstrichen damit die Bedeutung persönlicher Beziehungen für internationale Partnerschaften.
Neben den offiziellen Programmpunkten waren es vor allem die vielen persönlichen Begegnungen, die die Reise prägten. In Gastfamilien konnten die Schülerinnen und Schüler authentische Einblicke in das amerikanische Alltagsleben gewinnen: Gemeinsame Ausflüge, Gespräche, Familienfeiern, Sportveranstaltungen und spontane Unternehmungen ließen Freundschaften entstehen, die weit über die Dauer des Austauschs hinausreichen werden.
Nach elf Tagen in Washington führte die Exkursion weiter nach New York City. Die Weltmetropole bot einen weiteren Perspektivwechsel und eröffnete neue Zugänge zu den interdisziplinären Themen der Reise. Im Hauptquartier der Vereinten Nationen nahm die Gruppe im Büro der Präsidentin der UN-Generalversammlung an einem Workshop zur internationalen Sicherheitspolitik teil und gestaltete mit dem Team der Öffentlichkeitsarbeit Videos mit Fragen an die neue Präsidentschaft, die im kommenden Herbst in den Dienst tritt. Auch kulturell und künstlerisch bot New York zahlreiche Höhepunkte: Eine Bootsfahrt rund um Manhattan, um die Stadt aus geographischer Perspektive einzuordnen, ein Broadway-Musical, Museumsbesuche im Museum of Modern Art und im American Museum of Natural History, ein Gospel-Gottesdienst in Harlem sowie ein Fotoworkshop in Brooklyn mit dem aus dem Saarland stammenden Fotografen Dirk Anschütz – die Zeit wurde intensiv für das Lernen an neuen Erfahrungen genutzt.
Am Ende der zwei Wochen hatten die Schülerinnen und Schüler weit mehr als einen Austausch erlebt, Sie hatten ganz im Sinne des Auftrags des Mannlich-Gymnasiums als UNESCO-Projektschule politische Institutionen aus nächster Nähe erlebt, mit Diplomaten, Journalisten und politischen Entscheidungsträgern gesprochen, internationale Organisationen kennengelernt und zugleich erfahren, wie viel Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander verbindet. Wer globale Verantwortung übernehmen möchte, muss bereit sein, andere Perspektiven kennenzulernen. Genau diese Erfahrungen konnten die „WissenSchaffer“ in den USA sammeln – und damit eine deutsch-amerikanische Freundschaft mit Leben füllen, die gerade in einer Zeit weltweiter Krisen und gesellschaftlicher Polarisierung wichtiger erscheint denn je. Diese positive Erfahrung erschien umso wichtiger, zumal im vergangenen Jahr der geplante erste Gegenbesuch der Amerikaner in Homburg aufgrund kurzfristig veränderter Rahmenbedingungen verschoben werden musste. Gastfamilien waren gefunden, Termine gesetzt und Flüge herausgesucht. Doch zum Jahresbeginn 2025 gab es im Schulbezirk des District of Columbia neue Regeln für internationale Begegnungen. Seither ist eine externe Agentur zwischengeschaltet, die an Organisation und Buchung mitwirkt, wodurch die Kosten kurzfristig deutlich stiegen. Dies war im vergangenen Jahr binnen weniger Wochen bis zum gesetzten Termin nicht mehr zu realisieren bzw. vor allem zu finanzieren. Umso hoffnungsvoller blicken die Organisatoren auf einen neuen Anlauf für den Gegenbesuch im März 2027, auch wenn nach wie vor besondere Bedingungen für den Austausch mit dem Distrikt gelten.
Der besondere Dank des Teams der Begabungsförderung gilt dem Ministerium für Bildung und Kultur, das die Internationale Begegnung auch in diesem Jahr mit einer hohen Summe finanziell unterstützt hat. © Jan Weißler

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