Die Medienkompetenz der Nutzer*innen stärken
Lebenshilfe Neunkirchen und die vevio gGmbH hatten zur Infoveranstaltung „WhatsApp, TikTok & Co. - Teilhabemöglichkeit oder G
„Der Konsum sozialer Medien nimmt ständig zu und fängt Ressourcen ein, wir reden kaum noch miteinander“, erklärte Thomas Latz, der Geschäftsführer der Lebenshilfe Neunkirchen und der vevio gGmbH bei der Eröffnung der Infoveranstaltung „WhatsApp, TikTok & Co. - Teilhabemöglichkeit oder Gefahr?“. Da das Thema derzeit in aller Munde sei, wollten die Lebenshilfe Neunkirchen und die vevio gGmbH mit dem Vortrag von Dr. Nils Seibert, der seine Dissertation zu diesem Thema geschrieben hat, Informationen zum Konsum sozialer Medien bieten. Seit Jahren organisieren die Lebenshilfe Neunkirchen und die vevio gGmbH im Rahmen der Reihe Infoveranstaltungen Teilhabechance Vorträge zu aktuellen Themen, die offen für alle interessierten Besucher*innen sind.
„Social Media ist einfach da und die Institutionen müssen lernen damit umzugehen“, betonte Dr. Nils Seibert, der seit Mai 2025 sein Referendariat an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Offenbach am Main absolviert bei seinem Vortrag in der Eventhalle der vevio Hotel & Events. Was die Nutzung sozialer Medien für Menschen mit Unterstützungsbedarf angehe, gebe es nicht nur Schwarz und Weiß, sondern ganz viele Grautöne. Er halte nichts von einem generellen Verbot sozialer Medien, sondern plädiere dafür, die Medienkompetenz der Nutzer*innen zu stärken und sie so vor Gefahren zu schützen. Man solle auch Menschen mit Lernschwierigkeiten eine selbstbestimmte Verantwortlichkeit zutrauen. Bei Verboten falle die Kommunikation weg. Was die Bedürfnisse bei der Nutzung sozialer Medien angehe, gibt es nach den Ergebnissen seiner Studien keine gravierenden Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf. Soziale Medien gehörten vielfach zur Identität und böten freien Raum zur Entfaltung. Wichtig sei, das Nutzungsverhalten kritisch zu reflektieren und auf Gefahren hinzuweisen. „Handys gehören nicht in den Unterricht oder an den Arbeitsplatz“, so Dr. Seibert weiter. Soziale Medien haben für Menschen mit Unterstützungsbedarf nach Auffassung des Referenten auch positive Aspekte, weil sie ihnen zusätzliche Möglichkeiten der Kommunikation bieten. So sei etwa eine Person, die nicht schreiben könne, durchaus in der Lage, eine Sprachnachricht zu versenden. Auch nutzten verstärkt Inkluencer - eine Wortschöpfung, die sich aus Influencer und Inklusion zusammensetzt – die sozialen Medien, um für Barrierefreiheit und Vielfalt zu werben. Dr. Seibert empfahl Angehörigen und Betreuer*innen, Menschen mit Lernschwierigkeiten darüber zu informieren, welche Apps und Seiten im Internet zu empfehlen und welche gefährlich seien.
Um Menschen mit Unterstützungsbedarf vor Cybermobbing und sexualisierter Gewalt zu schützen, sei es wichtig, offen über diese Themen zu reden und bei Bedarf die Unterstützung einer Beratungsstelle in Anspruch zu nehmen. Am Ende des Vortrags nutzten einige der Gäste die Gelegenheit, mit dem Referenten zu diskutieren und ihre Fragen zu stellen.

.webp)
.jpg)