Die Blies, einst unser schwarzes Flüsschen
Teil 8 von Jürgen Cornely
1935 war es dann so weit. Am 11. Juli 1935 begann „das größte Projekt in der Arbeitsbeschaffung des Saarlandes“.
Die Saar- und Blieszeitung berichtete in der für die Propaganda der Nationalsozialisten typischen Sprache: „Alle, die an heißen Sommertagen einmal kurz vor Wellesweiler, nach dem Ziehwald zu, an der Blies wandelten, werden verstehen, wenn sich die Wellesweiler mit größtem Eifer dafür einsetzten, dieses ,Stinkloch´, das durchaus nicht zur Verschönerung des Stadtbildes und zur Fremdenwerbung beitrug, zu beseitigen. 30 Jahre lang sind sie vergebens Sturm gelaufen, haben vergebens Eingabe um Eingabe im Parlament verfasst, dass endlich einmal die Blies von der Grube an durch den ganzen Ortsteil reguliert wird, um ein für alle Mal das Ansammeln von stinkigem Wasser zu vermeiden. Nicht nur aus hygienischen Gründen wurde die Bliesbegradigung verlangt, sondern auch, um den Stadtteil Wellesweiler vor Schaden zu bewahren. Noch jedes Jahr vernichteten große Überschwemmungen wertvolles Volksgut, so dass man in der Stadt für die Eingaben der Wellesweiler wohl Verständnis hatte, … aber die Mittel fehlten.“26 Die Bliesregulierung hatte da bereits an der Stelle der heutigen Theodor-Heuss-Brücke begonnen und erstreckte sich bis zur Haseler Mühle. 610 Arbeitslose wurden in verschiedenen Arbeitsabschnitten gleichzeitig eingesetzt. „Die Arbeiten sind teilweise recht schwierig. Es müssen z. T. Ableitungsgräben für die Blies gezogen werden, Holzbrücken geschlagen werden. Die Arbeiter stehen manchmal mit hohen Wasserstiefeln tief im Wasser. Vom Mühlberg in Wellesweiler aus schaut man auf ein Betätigungsfeld, wo Menschen emsig und fleißig wie Bienen arbeiten. Man empfängt einen anschaulichen Unterricht über das Wollen und Können des neuen Deutschlands.“ 27
Parallel zur begradigten Blies wurde die heutige Untere Bliesstraße angelegt und der Weg nach Wellesweiler dadurch 1 km kürzer als über die alte Wellesweilerstraße. Bis dahin hatte die Straße an der Bliesmühle geendet, wo die ehemals gestaute Blies in einem Bogen zum Mühlrad geführt wurde. Der ehemalige Standort ist heute noch bliesabwärts nach den Wohnhäusern der Unteren Bliesstraße am tiefer liegenden Gelände zu erkennen. Die neue Straße wurde nach den neuesten Erkenntnissen recht breit und bereits in Teerbeton gebaut. Im Geist der damaligen Regierung hieß sie Josef-Bürckel-Straße. Für die Regulierung der 3,4 km langen Strecke waren drei Jahre eingeplant. Auf der Höhe des Schlachthofes begannen die Arbeiten unter Leitung der Firma DERA Wiesbaden. Die ersten 125 m waren nach gut fünf Wochen zurückgelegt und die Blies konnte in das neue Bett umgeleitet werden. Die Arbeiten an der Blies wurden mit einer Kanalbaumaßnahme verbunden. Über die Norduferstraße hinaus verlängerte man den bestehenden Abwasserkanal, der irgendwann einmal in eine Kläranlage vor der Haseler Mühle münden sollte. Es dauerte dann aber noch bis Oktober 1962, bis alle Abwässer der Stadt in die Zentralkläranlage am Ochsenwald geführt waren. Schon im Sommer 1908 hatte beispielsweise der Präsident der preußischen Bezirksregierung in Trier Dr. Baltz bei einem Besuch in Wellesweiler die hochgradig verunreinigte Blies in Augenschein genommen und für den Bau einer Kläranlage plädiert. 28 Aber 1 Million Mark, das war für eine Landgemeinde ohne Beteiligung der Industrie nicht finanzierbar. Überhaupt überließ man auch sonst wo die Reinigung der Abwässer der Natur…
Zurück zu den 1930er Jahren: Im Rahmen der Kanalisierung konnte nun auch der Hammergrabenkanal, der auf der Höhe der heutigen Brückenstraße in die Blies mündete, zwischen der Millerstraße und der Lindenallee verrohrt werden, was eigentlich schon im Zuge der Notstandsarbeiten 1920 hätte passieren sollen. Durch einen Düker wurde er unter der Blies durchgeführt und an die Kanalisation angeschlossen. Mit der fortschreitenden Kanalisation im Stadtgebiet und diesen Maßnahmen am Hammergraben waren erste Schritte unternommen die Verunreinigung der Blies zu reduzieren.
Quellennachweis: 26: Saar- u. Blieszeitung Nr. 173 v. 30.7.1935, 27: Saar- u. Blieszeitung Nr. 202 v. 2.9.1935, 28: Hans Klein, Das Bliesrevier unter dem Preußenadler, S.58f.
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