Demenz – (k)eine Frage des Alters
Informationsveranstaltung zum Welt-Alzheimertag im Diakonie Klinikum
In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten davon werden zu Hause versorgt, zu einem großen Teil von ihren Angehörigen. Damit tragen Familien häufig über Jahre eine große Verantwortung, die körperlich und emotional enorm belastend sein kann. Plötzlich entstehen Fragen, auf die Angehörige oft keine Antworten haben: Wie gehe ich mit Veränderungen im Verhalten um? Welche Unterstützung kann ich beantragen? Was muss ich rechtzeitig regeln? Und wie schaffe ich es, selbst bei Kräften zu bleiben?
Am Montag, den 21. September, dem Welt-Alzheimertag, steht deshalb die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung in der Personalcafeteria des Diakonie Klinikums Neunkirchen. Von 16 bis 19 Uhr können sich Betroffene, Angehörige und Interessierte über Beratungs- und Unterstützungsangebote informieren, mehr über die Erkrankung und den Umgang damit erfahren. Der Nachmittag verbindet fachliche Informationen mit praktischen Angeboten und persönlichem Austausch. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Zum Auftakt der Informationsveranstaltung spricht Dr. medic. Stefan-Christian Gheorghe, Oberarzt der Fachabteilung Neurologie, um 16 Uhr in einem Impulsvortrag über die Erkrankung Demenz. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, mit ihm persönlich ins Gespräch zu kommen und individuelle Fragen zu stellen. Eine besonders eindrucksvolle Möglichkeit, die Erkrankung aus einer anderen Perspektive kennenzulernen, bietet der Demenzparcours. Besucherinnen und Besucher können dabei selbst erfahren, wie sich bestimmte Einschränkungen und alltägliche Herausforderungen für Menschen mit Demenz anfühlen können. „Der Demenzparcours macht etwas greifbar, was man mit Worten nur schwer vermitteln kann“, erklärt Annika Strasser, Klinische Pflegeexpertin. „Wenn man selbst erlebt, wie irritierend oder überfordernd eine eigentlich ganz einfache Alltagssituation sein kann, verändert das den eigenen Blick auf die Dinge. Das kann helfen, Verhalten besser einzuordnen und mit mehr Verständnis zu reagieren oder neue Optionen zu schaffen.“ Bei einem Gedächtnistraining, das von den Demenzbeauftragten vorgestellt wird, können Angehörige lernen, wie man Demenzerkrankte dabei unterstützen kann, sich leichter zu erinnern. Das ist nicht nur für die Pflegenden entlastend, sondern kann auch für die Betroffenen Erfolgserlebnisse schaffen. Ein weiterer Schwerpunkt des Aktionstages liegt auf konkreten Unterstützungsangeboten für Angehörige. Der Sozialdienst informiert unter anderem über die Beantragung eines Pflegegrades, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sowie über Möglichkeiten, pflegende Angehörige im Alltag zu entlasten. Das Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft stellt außerdem das Projekt SEBDem (Sektorenübergreifender Einsatz gewohnter Betreuungskräfte für Demenzkranke) vor. „Viele Angehörige versuchen zunächst, möglichst lange alles alleine zu schaffen. Dabei merken sie oft erst spät, wie viel Kraft die Situation tatsächlich kostet“, fasst Annika Strasser zusammen. „Es kann einen großen Unterschied machen, wenn man weiß, warum sich ein Mensch mit Demenz in bestimmten Situationen so verhält und wie man gut darauf reagieren kann. Wissen nimmt Unsicherheit und kann den gemeinsamen Alltag deutlich entspannter machen.“ Es sei also wichtig, sowohl die Betroffenen als auch die Angehörigen selbst im Blick zu behalten, betont die Pflegeexpertin: „Angehörige sind keine unerschöpfliche Ressource. Sie brauchen genauso Unterstützung, Pausen und jemanden, der ihnen zuhört.“
Unter www.kreuznacherdiakonie.de finden Sie viele interessante Informationen übere die Stiftung kreuznacher diakonie. © Petra Jost

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