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Saarländer dürfen wieder mitzwitschern

Die Wahl zum Vogel des Jahres 2027 startet

Ab sofort starten der NABU und sein bayerischer Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) die öffentliche Wahl zum Vogel des Jahres – alle können mitmachen und entscheiden, wer 2027 die Krone der Vogelwelt tragen soll. Dabei sind Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Wasseramsel. 

„Die Kandidaten zeigen, wie vielfältig die Vogelwelt ist: Trauerschnäpper und Mehlschwalbe ziehen im Winter nach Afrika, der Kranich nur eine kurze Strecke Richtung Süden, Kolkrabe und Wasseramsel leben ganzjährig bei uns“, sagt der saarländische NABU-Ornithologe Christoph Braunberger. „So unterschiedlich sie leben, jeder der Kandidaten bringt ein wichtiges Naturschutzthema mit, das unsere Aufmerksamkeit braucht.“
 
Und wer ist sein Favorit? „Jeder der fünf hat es verdient, gewählt zu werden. Doch die Mehlschwalbe ist mein persönlicher Favorit, da sie am nächsten beim Menschen lebt“, so Braunberger.
 
Die fünf Kandidaten im Porträt mit Saarlandbezug
Der Kolkrabe (Corvus corax) ist aus vielen Märchen und Mythen bekannt und gilt dort als Götterbote, Lichtbringer und Vermittler zwischen den Welten. Da die Paare ein Leben lang zusammenbleiben, wird er auch als Vogel der Treue bewundert.  Der besonders intelligente und soziale Vogel hat daher heutzutage völlig zu Unrecht ein schlechtes Image. Männchen und Weibchen sind kaum zu unterscheiden. Beide haben schwarz glänzendes Gefieder, einen dicken Schnabel und die Körpergröße eines Bussards. Der Kolkrabe ist damit der größte Singvogel der Welt. Seit 1990 ist er nach Wiedereinbürgerung im Saarland Brutvogel, jedes Jahr steigen die Zahlen, momentan wird von 40 bis 60 Brutpaaren ausgegangen. Sein Slogan: „Schwarze Federn, helles Köpfchen!“
 
Mit seinem typischen Trompeten stellt sich der Kranich (Grus grus) zur Wahl. Der Zugvogel ist in vielerlei Hinsicht ein spektakulärer Kandidat. Mit bis zu 116 Zentimetern Körperhöhe ist er größer als ein Weißstorch. Seine eleganten Balztänze im Frühjahr und sein Zug in großen Keilformationen im Herbst sind Naturschauspiele, die jedes Jahr viele Menschen faszinieren. Das Saarland liegt im Herbst im Hauptdurchzugskorridor, dann ziehen von Ende September bis Mitte November mehr als 200.000 Vögel auf ihrem Weg in die Winterquartiere durch. In vielen Ländern gilt er als Symbol für Glück, Liebe und Frieden. Weil er Feuchtgebiete zur Rast und Brut braucht, lautet sein Slogan: „Allzeit nasse Füße!“
 
Die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) hat als Insektenfresser und Gebäudebrüter gleich zwei Probleme, die ihren Bestand gefährden: Durch den Insektenschwund hat sie weniger Nahrung zur Verfügung. Zudem werden ihre Nistplätze, Halbkugeln aus Lehm, die sie an die Außerseite von Häusern baut, oft entfernt, etwa bei Gebäudesanierungen. „Die Klimakrise macht ihr zusätzlich zu schaffen: Zuletzt überhitzten die Nester durch die extremen Temperaturen und zwangen vielerorts Jungvögel, ihre Nester zu früh zu verlassen“, berichtet Braunberger. Die Mehlschwalbe ist laut Roter Liste gefährdet und hat im Saarland zwischen 6.000 und 8.000 Brutpaare – mit stark abnehmender Tendenz. Das NABU-Projekt „Schwalben willkommen“ hält dagegen und berät Bürger und Bürgerinnen und verteilt auf Anfrage kostenlos Nisthilfen. Ihr Wahlkampfslogan lautet: „Auf gute Nachbarschaft!“
 
Anders als sein Name vermuten lässt, ist der Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca) ein munterer Luftakrobat. Er fängt sein Futter oft im Flug von einer Sitzwarte aus. Doch Insekten gibt es immer weniger. Außerdem hat er ein Zeitproblem: Weil der Frühling durch die Klimakrise immer früher beginnt, geht der Trauerschnäpper oft leer aus bei der Suche nach geeigneten Bruthöhlen und Nahrung für seinen Nachwuchs. Wenn er aus seinem Winterquartier südlich der Sahara zurück ist, sind viele Baumhöhlen und Nistkästen schon besetzt und die Insektenentwicklung zum Teil weit vorangeschritten. Daher sind die Bestände im Saarland zurückgehend und er ist gefährdet. Noch sind Trauerschnäpper im Warndt und Saarkohlenwald zu finden. Es gibt circa 250 bis 300 Brutpaare. Sein Slogan: „Mach Tempo fürs Klima!"
 
Die Wasseramsel (Cinclus cinclus) ist der einzige einheimische Singvogel, der tauchen, schwimmen und sogar unter Wasser laufen kann. Ihr überwiegend braunes Gefieder ist sehr dicht und somit perfekt an die aquatische Lebensweise angepasst. Sie brütet vor allem in Mittel- bis Süddeutschland in der Nähe von geröllreichen, schnell fließenden Bächen und Flüssen im Wald- und Bergland. Ihr Nest baut sie in der Uferböschung oder in Mauerlöchern. Sie ist das ganze Jahr über zu beobachten, leidet aber durch den Klimawandel unter der Austrocknung der Bachoberläufe. Der Bestand ist ebenfalls zurückgehend: Geschätzt gibt es weniger als 50 Brutpaare im Saarland. Ihr Slogan: „Klarer Bach, klarer Fall!“

Seit 8. September ist das virtuelle Wahllokal unter www.vogeldesjahres.de freigeschaltet. Bis zum 15. Oktober, 11 Uhr, kann abgestimmt werden. Noch am selben Tag wird der Sieger bekanntgegeben. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Seit 2021 wird er durch eine öffentliche Wahl bestimmt. Der aktuelle Vogel des Jahres ist das Rebhuhn. Mehr Infos und Stimmabgabe: www.vogeldesjahres.de © NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Saarland e. V.

Schenk, Silvia
11. Sep 2026