Page 5 - Ausgabe 114 / Februar 2022
P. 5
denheit usw.) und förderten als Mäzene Wis- senschaften und kulturelles Leben. Ihre Macht wird vor allem durch das Berliner Stadtschloss repräsentiert. Es wurde mehr- fach umgebaut und erweitert zu einem der größten Barockschlösser nördlich der Alpen – mit Turnierplätzen, Gerichtsstätten, Folter- kammern, Ballsälen, Amtssitzen der obersten
Umbenennung der Mohrenstraße in Möhren- straße durch einen Witzbold (2021)
Behörden und allerlei luxuriösen Ausstattun- gen (Bernsteinzimmer im 18. Jahrhundert). Bei der Märzrevolution 1848 fanden vor dem Schloss blutige Barrikadenkämpfe statt, am 9. November 1918 rief Karl Liebknecht (USPD) am Berliner Schloss die sozialistische Räterepublik aus. Am Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) war das einst so pracht-
Charité-Haupthaus als Eingang zum weitläufi- gen Charité-Gelände am Charitéplatz
volle Gebäude fast vollständig zerstört. 1950 wurde es auf Befehl des SED-Chefs Walter Ulbricht als Symbol der feudalistischen und imperialistischen Vergangenheit trotz massi- ver Proteste der Bevölkerung gesprengt. Sein Nachfolger Erich Honecker ließ an dieser Stelle in den 70er Jahren den „Palast der Re- publik“ bauen, eine prachtvolle Mehrzweck-
Anzeige
ten als fleißig, zuverlässig und treu. In kost- barem Samt und bunter Seide eingekleidet, in exotisch wirkenden Fantasieuniformen, mit Turban und farbenprächtigen Pluderho- sen wirkten sie wie eine lebendige Dekora- tion in den extravaganten Barockschlössern.
Häuserfassaden vor dem Charité-Bettenhoch- haus in der Luisenstraße
halle und Sitz der Volkskammer. Als Pres- tigebau der DDR wurde er von Spöttern „Erichs Lampenladen“ oder „Palazzo Proz- zo“ tituliert. Nach dem Mauerfall 1989 sollte er als kulturelles Zentrum genutzt werden, doch wegen der hohen Asbestbelastung wur- de er geschlossen und später abgerissen. Seit 2013 wurde das Stadtschloss (mit vielen Ver- änderungen) wieder aufgebaut und 2020/21 als Humboldt-Forum eröffnet. Es beherbergt verschiedene Museen sowie Räume für Wis-
Das Elefantentor als Haupteingang zum Zoo- logischen Garten an der Budapester Straße
senschaft und kulturelle Veranstaltungen. Zur absolutistischen Prachtentfaltung gehör- ten im 18. Jahrhundert auch die sogenannten „Hof- bzw. Kammermohren“. Sie stammten überwiegend aus Afrika, Amerika oder aus dem Orient und waren seit der Kolonialzeit als dunkelhäutige Sklaven nach Europa ver- schleppt worden. Der Begriff „Mohr“ ist ab- geleitet von den Mauren, den Bewohnern Mauretaniens. An europäischen Fürstenhö- fen erfreuten sie sich als Kammerdiener, Pa- ge, (Leib-)Wächter oder Unterhaltungskünst- ler einer hohen Wertschätzung, denn sie gal-
Die Büste der ägyptischen Königin Nofretete als Hauptattraktion im Ägyptischen Museum in Berlin
Sie verkörperten die Machtfülle ihrer Besit- zer, der Fürsten, kirchlichen Würdenträger und reichen Kaufleute, repräsentierten deren Reichtum, Luxus, Weltgewandtheit, Wissen und internationale Beziehungen, waren „Prestigeobjekte“ und Statussymbole. So- wohl im Saarland, zum Beispiel auf Schloss Karlsberg bei Homburg, als auch in Berlin und Umgebung sind sie nachweisbar. Als
Das Deutsche Theater in Berlin-Mitte
Werbefiguren lebten sie bis ins 21. Jahrhun- dert weiter. Am bekanntesten ist der „Sarot- ti-Mohr“ als Werbe-Ikone der traditionsrei- chen Berliner Schokoladenmarke Sarotti. Be-
SD1207
Rückt Ihnen die Konkurrenz
auf die Pelle?
Dann gehen Sie in die Offensive!
Rufen Sie gleich bei uns an und versuchen Sie es mit einer Anzeigenschaltung!
MehralseinMonatsmagazin– Informativ,lehrreich,unterhaltsam
06841-1877324
Ausgabe 114 / Februar 2022
5