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Übergabe einer Bronzeplastik

Ein bedeutsames Geschenk für den Saarpfalz-Kreis

Eine Bronzeplakette mit dem Titel „Abbé Stock und der Gefangene“ ist Auslöser für eine erste Begegnung des Landrates Dr. Theophil Gallo mit Rainer Weber aus Lautzkirchen im Landratsamt gewesen. Und die Gesprächsthemen gingen bei diesem empathischen Treffen nicht aus, bei dem Rainer Weber dem Landrat besagte Plakette für den Saarpfalz-Kreis überließ. Die dazugehörige Geschichte soll kein Geheimnis bleiben. 

Eine andere Bronzeplastik im Lichthof des Kreisverwaltungsgebäudes des Saarpfalz-Kreises, ein vogelähnliches Fabelwesen, ein Elwetritsch, brachte den Stein ins Rollen: Die Blieskasteler Künstlerin Roswitha Naßhan-Weber (1938-2017), Preisträgerin u. a. des Grand Prix de Sculpture de Sarreguemines, hatte sie einst dem Saarpfalz-Kreis übereignet. Um für eine Abhandlung mehr über die Künstlerin in Erfahrung zu bringen, hatte Dr. Jutta Schwan vom Kulturmanagement des Saarpfalz-Kreises recherchiert, und so kam der Kontakt mit Rainer Weber, dem Neffen dieser überaus interessanten Frau, zustande. Er überbrachte nicht nur eine Vielzahl an Informationen zum Lebenswerk von Roswitha Naßhan-Weber, sondern nun auch eine Bronzeplakette mit dem Titel „Abbé Stock und der Gefangene“. „Diese Plakette trägt eine wirklich berührende Botschaft in sich, die gerade für den Saarpfalz-Kreis in seiner Grenzsituation zu Frankreich eine besondere Bedeutung besitzt“, stellte der Landrat bei der Übergabe fest und bedankte sich herzlich bei Rainer Weber für das besondere Geschenk. Die dargestellte Szene zeigt einen zum Tod Verurteilten im Gefängnis, dessen Arme mit denen des Priesters in einer tröstenden Geste verschmelzen. Abbé Franz Stock (1904-1948) war ein deutscher Pfarrer und Gefangenenseelsorger der Wehrmachtsgefängnisse in Paris, wo ihm von 1940 bis 44 die Betreuung der Häftlinge und zum Tode Verurteilten oblag. Er begleitete die Frauen und Männer der Résistance durch die Tage der Haft und zur Hinrichtung, übermittelte geheime Nachrichten der Familien an die Verurteilten und versuchte, ihnen Halt und Trost zu spenden. Nach dem Krieg war er in Chartres an der Gründung des in der Kirchengeschichte einzigartigen „Stacheldrahtseminars“ beteiligt, worin kriegsgefangene Theologiestudenten ihre Studien beginnen oder fortsetzen konnten. Nach seinem frühen Tod in Paris im Jahr 1948 wurde das Werk dieses Mannes schon bald als ein Zeichen der Verständigung und Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland gewertet. Seine Tätigkeit gilt als Fundament der deutsch-französischen Aussöhnung und des vereinten Europa. Roswitha Naßhan-Weber hatte mit „Abbé Stock und der Gefangene“ 1985 eine Plastik für das Pfarrheim in Reinheim, das den Namen des Priesters trägt, wie auch für die Kapelle seiner letzten Ruhestätte in Chartres geschaffen. „Mit dieser Szene wollte meine Tante die geistige Struktur und Ausstrahlung des Menschen Franz Stock zeigen“, wusste Rainer Weber zu berichten. „Glaube und die Kraft, die der Abbé dem Gefangenen geben wollte, fließen stärkend in ihn zurück. Glaube und Menschlichkeit triumphierten über den Tod“, führte Rainer Weber weiter aus und verwies darauf, dass die Plastik schließlich als Vorlage für die Plakette diente, deren Gussform noch in seinem Besitz ist. „Die Botschaft der Menschlichkeit und die Verwirklichung des vereinten Europas sind die Themen, die mich umtreiben, insbesondere die konsequente Umsetzung des Zusammenhalts auf kommunaler Ebene“, betonte der Landrat Dr. Theophil Gallo, „auch mit dem ‚Internationalen Bündnis für Frieden und Zusammenhalt in Europa‘ will der Saarpfalz-Kreis seinen Beitrag zu einem geeinten und friedvollen Europa leisten und die Plakette ‚Abbé Stock und der Gefangene‘ transportiert diesen Gedanken auf berührende Weise in unsere Zeit."

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Schäfer, Lara
03. Okt 2023