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Wo Deutschland schmilzt

Johanneum-Schüler erkunden letzten Gletscher des Landes

24 Schülerinnen und Schüler der Erdkunde-Leistungskurse des Gymnasium Johanneum Homburg haben zu Beginn des neuen Schuljahres eine mehrtägige geographische Exkursion nach Garmisch-Partenkirchen unternommen. Höhepunkt war die Begehung des Nördlichen Schneeferners – einem der letzten verbliebenen Gletscher Deutschlands. 

Mit der historischen Zugspitzbahn fuhren die Schülerinnen und Schüler auf das Zugspitzplatt auf 2.600 Meter Höhe. Was sie dort sahen, übertraf jede Unterrichtseinheit: Der Nördliche Schneeferner hat seit dem 19. Jahrhundert rund 80 Prozent seiner ursprünglichen Eisfläche verloren – und der Schwund beschleunigt sich. Mit Grödel ausgerüstet, betrat die Gruppe gemeinsam mit Gletscherführer Michi die Eisoberfläche und lernte, warum der Rückzug kaum aufzuhalten ist.

Ein zentrales Thema war der sogenannte Albedo-Effekt: Schwarze Rußpartikel aus Waldbränden und mineralischer Staub aus der Sahara lagern sich auf dem Eis ab, dunkeln die weiße Oberfläche ein und verstärken die Wärmeabsorption – ein Rückkopplungsmechanismus, der den Schmelzprozess auch in großen Höhen messbar antreibt. In der ehemaligen Gletschermoräne unterhalb des Eises las sich die Geschichte des Rückzugs wie in einem Archiv aus Stein: Rundhöcker, Schotterwälle und Gletscherschliffe zeigen, wie weit das Eis noch vor wenigen Jahrzehnten reichte.

„Das Zugspitzplatt ist der eindrücklichste Lernort, den wir unseren Schülerinnen und Schülern bieten können. Klimawandel ist dort keine Theorie – er ist sichtbar, greifbar und unaufhaltsam. Diese Erfahrung wirkt nach.“ Marcel Becker, Fachlehrer Erdkunde, Gymnasium Johanneum Homburg

Neben der Gletscherbegehung umfasste die Exkursion ein breites geographisches Programm. In der Innenstadt von Garmisch und Partenkirchen führten die Schülerinnen und Schüler qualitative Interviews mit Touristinnen, Touristen und Einheimischen durch und kartierten die Innenstadtkerne beider Ortsteile nach Nutzungsarten – ein praktischer Einblick in Stadtgeographie und Touristifizierung. Am Eibsee analysierten sie die Folgen des Massentourismus für Natur und Infrastruktur. Die Partnachklamm bot anschauliche Beispiele für fluviale Erosion, die Almwirtschaft Einblicke in den Strukturwandel alpiner Kulturlandschaften.

Als zertifizierte Biosphärenschule im Biosphärenreservat Bliesgau war nachhaltiges Reisen für das Johanneum selbstverständlich: An- und Abreise erfolgten per Deutscher Bahn, vor Ort wurde ausschließlich der öffentliche Nahverkehr genutzt. Die Exkursion verkörperte damit selbst das, was sie lehrte – nachhaltiger Tourismus als gelebte Praxis, nicht nur als Unterrichtsstoff. Dies entspricht den Zielen von SDG 13 (Klimaschutz) und SDG 12 (Nachhaltiger Konsum) der Vereinten Nationen.

Möglich wurde die Gletscherexkursion durch die finanzielle Förderung der Stiftung ME Saar – Die Metall + Elektroindustrie. „Wir freuen uns sehr über das Engagement der Stiftung für naturwissenschaftliche Bildung im Saarland. Ohne diese Unterstützung wäre dieser außergewöhnliche Programmpunkt für unsere Schülerinnen und Schüler nicht realisierbar gewesen", so Becker.

Über das Gymnasium Johanneum Homburg

Das Gymnasium Johanneum gGmbH in Homburg (Saar) ist eine staatlich anerkannte Schule in freier Trägerschaft mit gymnasialer Oberstufe. Als zertifizierte Biosphärenschule im Biosphärenreservat Bliesgau setzt das Johanneum einen besonderen Schwerpunkt auf Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). www.johanneum-homburg.de © Marcel Becker, Lehrer am Johanneum

Schenk, Silvia
25. Sep 2026