WALDBRAND IM HOSTERWALD
78 STUNDEN GEMEINSAM GEGEN DIE FLAMMEN
Mehr als 1.000 Einsatzkräfte, rund 18 Hektar Brandfläche, mehr als sechs Kilometer Wasserförderung und Unterstützung aus dem gesamten Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Luxemburg: Der Waldbrand im Hosterwald zwischen Hirzweiler und Wustweiler hat Einsatzkräfte und Hilfsorganisationen fast vier Tage lang gefordert. Nach rund 78 Stunden konnte der Feuerwehreinsatz am Mittwochabend beendet werden.
Am Sonntag, 16. August 2026, um 12:55 Uhr begann einer der größten und aufwendigsten Feuerwehreinsätze der vergangenen Jahre im Landkreis Neunkirchen. Aus einer zunächst angenommenen Brandfläche von rund drei Hektar entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit eine dynamische Einsatzlage. Das Feuer breitete sich im schwer zugänglichen Waldgelände schnell aus. Eine massive Rauchsäule war weithin über dem Hosterwald und dem Illtal sichtbar.
Das unwegsame Gelände, die schnelle Brandausbreitung und insbesondere die schwierige Löschwasserversorgung stellten die Einsatzkräfte vor enorme Herausforderungen. Aufgrund der Dimension und Dynamik wurde in Abstimmung zwischen Bürgermeister Andreas Hübgen und der Unteren Katastrophenschutzbehörde des Landkreises Neunkirchen eine Außergewöhnliche Einsatzlage nach dem Saarländischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz (SBKG) festgestellt.
Innerhalb kurzer Zeit wurde eine umfangreiche Führungsstruktur aufgebaut. In sicherer Nähe zum Schadensgebiet nahm die Einsatzleitung ihre Arbeit auf. Der Einsatz wurde in verschiedene Einsatzabschnitte gegliedert und die zahlreichen Kräfte und Aufgaben zentral koordiniert. Feuerwehren, Deutsches Rotes Kreuz, Malteser, Technisches Hilfswerk, Polizei, Katastrophenschutz, SaarForst, Land, Landkreis und Kommune sowie zahlreiche weitere Beteiligte arbeiteten über die gesamte Einsatzdauer eng zusammen.
LANDWIRTSCHAFTLICHER BETRIEB ERFOLGREICH VERTEIDIGT
Besonders kritisch entwickelte sich die Situation, als sich das Feuer in Richtung eines landwirtschaftlichen Betriebes mit rund 70 Pferden und 300 Kühen ausbreitete. Durch einen massiven Kräfte- und Löschmitteleinsatz gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf den Betrieb zu verhindern. Die Pferde wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht.
Im Verlauf des Einsatzes vergrößerte sich die betroffene Brandfläche von zunächst rund drei auf insgesamt etwa 18 Hektar.
Eine der größten Herausforderungen blieb die Versorgung mit Löschwasser. Insgesamt wurden mehr als sechs Kilometer Feuerwehrschläuche verlegt, um das Wasser bis in die verschiedenen Einsatzabschnitte zu fördern.
Eine besonders wichtige Unterstützung leisteten dabei die Landwirte, Forstwirte, Bau- und Lohnunternehmer aus der Region. Zwischenzeitlich waren mehr als 20 hilfsbereite Unternehmer mit Traktoren und Wasserfässern im Einsatz und unterstützten den Transport und die Bereitstellung großer Mengen Löschwasser. Auch auf den umliegenden Feldern und Wiesen wurden Maßnahmen getroffen, um eine weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern.
Zusätzlich wurden Löschwasserdepots auf Freiflächen eingerichtet. Von dort aus wurden auch zwei Hubschrauber der hessischen Landespolizei mit Löschwasser versorgt. IBIS 1 und IBIS 3 führten insgesamt 87 Löschwasserabwürfe durch und brachten dabei rund 60.000 Liter Wasser auf die Brandfläche.
Zur Erkundung und Lagebeurteilung waren außerdem zwei Drohneneinheiten aus dem Landkreis Neunkirchen sowie Drohnen der Polizei und des Fernmeldezuges im Einsatz. Ihre Aufnahmen lieferten der Einsatzleitung wichtige Informationen über Brandausbreitung und Brandfläche.
WARNUNGEN AN DIE BEVÖLKERUNG UND KAMPFMITTELSONDIERUNG
Die starke Rauchentwicklung machte insbesondere zu Beginn des Einsatzes auch Warnungen an die Bevölkerung erforderlich. Rauchschwaden zogen zeitweise über die angrenzenden Ortschaften. Über NINA, KATWARN, Social Media und weitere Informationskanäle wurde dazu aufgerufen, das Waldgebiet weiträumig zu meiden, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Klima- und Lüftungsgeräte abzuschalten.
Das gesamte betroffene Waldgebiet wurde gesperrt. Gemeinde und Einsatzleitung appellierten wiederholt daran, Absperrungen zu beachten, Rettungs- und Einsatzwege freizuhalten und auf Einsatzstellentourismus zu verzichten.
Eine weitere Besonderheit waren mögliche Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg. Vorsorglich wurde deshalb der Kampfmittelbeseitigungsdienst eingebunden und die betroffene Fläche teilweise sondiert. Kampfmittel wurden dabei nicht gefunden.
LOGISTIK FÜR TAUSENDE EINSATZKRÄFTE
Ein mehrtägiger Einsatz dieser Größenordnung erforderte eine umfangreiche Logistik. An der Dorfwaldhalle in Hirzweiler richteten DRK und Malteser ein großes Logistik- und Versorgungszentrum ein. Von dort wurden die Einsatzkräfte über die gesamte Einsatzdauer mit Essen, Getränken und weiteren Versorgungsgütern versorgt.
In Spitzenzeiten wurden rund 400 Mahlzeiten nahezu gleichzeitig zubereitet, ausgegeben oder an die verschiedenen Einsatzabschnitte transportiert. Auch die Einsatzhygiene spielte eine wichtige Rolle. Neben WC-Einheiten an mehreren Standorten stand den Einsatzkräften ein Duschcontainer zur Verfügung.
Aufgrund des großen öffentlichen Interesses wurde außerdem ein eigenes Presse- und Medienzentrum eingerichtet. Die Fachgruppe PUMA – Presse- und Medienarbeit koordinierte dort die Medienarbeit und stand Journalistinnen und Journalisten unmittelbar vor Ort für Informationen, Interviews und O-Töne zur Verfügung.
Eine zentrale Rolle spielte auch SaarForst. Die Mitarbeiter unterstützten mit ihrer Orts- und Geländekenntnis, forstwirtschaftlichem Fachwissen und technischem Gerät. Durch das Feuer geschädigte und instabile Bäume stellten insbesondere im weiteren Einsatzverlauf eine zusätzliche Gefahr dar.
HILFE ÜBER LANDES- UND STAATSGRENZEN HINWEG
Die Dimension des Waldbrandes erforderte Unterstützung weit über Illingen und den Landkreis Neunkirchen hinaus. Kräfte und Spezialeinheiten kamen aus dem gesamten Saarland sowie aus Rheinland-Pfalz. Die beiden Polizeihubschrauber wurden aus Hessen entsandt.
Auch internationale Unterstützung kam zum Einsatz: Eine Spezialeinheit des luxemburgischen Großherzoglichen Feuerwehr- und Rettungskorps (CGDIS) unterstützte mit einem Löschroboter. Dieser konnte insbesondere in Bereichen eingesetzt werden, in denen ein unmittelbares Vorgehen für Einsatzkräfte mit besonderen Risiken verbunden war. Die Organisation @fire war mit speziell ausgebildeten Kräften für die Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung auch vor Ort.
Während der Einsatztage informierten sich unter anderem Innenminister Reinhold Jost, Umweltministerin Petra Berg sowie Dr. Dominik Lorenz, Leiter des Referates F1 „Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement“ im Ministerium für Inneres, Bauen und Sport, vor Ort über die Lage.
Bürgermeister Andreas Hübgen und Landrat Sören Meng begleiteten den Einsatz regelmäßig vor Ort. Auch Landesbrandinspekteur Timo Meyer, Brandinspekteur Michael Sieslack und Wehrführer Sascha Cattarius waren kontinuierlich in die Lagebewältigung eingebunden.
Landesbrandinspekteur Timo Meyer ordnete die Dimension des Einsatzes entsprechend ein: „Nach meinem Kenntnisstand hat es im Saarland bislang noch keinen Wald- oder Flächenbrand dieser Größenordnung und mit einer vergleichbaren Einsatzdauer gegeben.“
Bürgermeister Andreas Hübgen dankte allen Beteiligten: „Wenn man die gesamte Fläche sieht, wird noch einmal deutlich, vor welcher enormen Herausforderung unsere Einsatzkräfte in den vergangenen Tagen standen. Mein Dank gilt allen, die unermüdlich im Einsatz waren. Von den Kräften unmittelbar an der Brandstelle über die Einsatzleitung und Logistik bis hin zu den vielen Menschen, die im Hintergrund für Verpflegung, Material und Unterstützung gesorgt haben. Dieser Einsatz zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn alle Organisationen professionell und Hand in Hand zusammenarbeiten.“
78 STUNDEN GEMEINSAM IM EINSATZ
Nach fast vier Tagen intensiver Brandbekämpfung, Nachlöscharbeiten, Kontrollen und Sicherungsmaßnahmen konnte der Feuerwehreinsatz am Mittwoch, 19. August 2026, gegen 19 Uhr beendet und die Außergewöhnliche Einsatzlage aufgehoben werden. Hinter den Einsatzkräften lagen zu diesem Zeitpunkt rund 78 Stunden Einsatzdauer.
Der Waldbrand im Hosterwald hat gezeigt, welche enormen personellen, technischen und logistischen Ressourcen für die Bewältigung einer solchen Lage erforderlich sind. Gleichzeitig wurde deutlich, wie professionell Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Behörden, Polizei, Katastrophenschutz, Forst, Landwirtschaft und zahlreiche weitere Unterstützer über Gemeinde-, Landkreis-, Landes- und Staatsgrenzen hinweg zusammenarbeiten.
ZAHLEN, DATEN, FAKTEN ZUM WALDBRAND IM HOSTERWALD
Einsatzgebiet:
Hosterwald zwischen Hirzweiler und Wustweiler, Gemeinde Illingen, Landkreis Neunkirchen im Saarland
Alarmierung: Sonntag, 16. August 2026, 12:55 Uhr
Ende des Feuerwehreinsatzes: Mittwoch, 19. August 2026, 19:00 Uhr
Einsatzdauer: 78 Stunden und 5 Minuten – entsprechend 4.685 Minuten bzw. rund 3,25 Tagen
Brandfläche: Zunächst rund 3 Hektar, im weiteren Verlauf Ausdehnung auf rund 18 Hektar
Besondere Herausforderungen: Schwer zugängliches und unwegsames Waldgelände, schnelle Brandausbreitung und fehlende Löschwasserversorgung unmittelbar im Einsatzgebiet
Gefährdeter landwirtschaftlicher Betrieb: Rund 70 Pferde und 300 Kühe; der Betrieb konnte erfolgreich gegen ein Übergreifen des Feuers verteidigt werden
Einsatzlage: Feststellung einer Außergewöhnlichen Einsatzlage nach dem Saarländischen Brand- und Katastrophenschutzgesetzes
Mehr als 1.000 Einsatzkräfte, mehr als 500 gleichzeitig im Einsatz
Herkunft der Einsatzkräfte: gesamtes Saarland sowie Unterstützung aus Rheinland-Pfalz, Hessen und Luxemburg
Beteiligte Organisationen und Einheiten: Feuerwehren, DRK, Malteser, THW, Polizei, Ortspolizei, Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV), Baubetriebshof, SaarForst sowie verschiedene Fachzüge und Facheinheiten des Katastrophenschutzes
Luftunterstützung: Zwei Polizeihubschrauber der Polizeifliegerstaffel Hessen (IBIS 1, IBIS 3) mit Löschwasser-Außenlastbehältern. 87 Abwürfe mit insgesamt rund 60.000 Litern Wasser
Wasserförderung: Mehr als sechs Kilometer Feuerwehrschläuche zur Einsatzstelle
Drohnen: zwei Drohneneinheiten aus dem Landkreis Neunkirchen, eine Drohne aus dem Landkreis St. Wendel, sowie Drohnen von Polizei und Fernmeldezug
Internationale Unterstützung: Spezialeinheit des luxemburgischen CGDIS mit Löschroboter
und „@fire“ Spezialkräften für die Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung
Kampfmittelbeseitigungsdienst: vorsorgliche Sondierung von Teilen der Brandfläche; keine Kampfmittelfunde
Versorgung: Logistik- und Versorgungszentrum an der Dorfwaldhalle Hirzweiler; zeitweise
Zubereitung von rund 400 Mahlzeiten gleichzeitig Einsatzhygiene: WC-Einheiten an mehreren Standorten sowie Duschcontainer für die Einsatzkräfte
Medienarbeit: Presse- und Medienzentrum mit dem Fachzug PUMA
Vor Ort: Innenminister Reinhold Jost, Umweltministerin Petra Berg und Dr. Dominik Lorenz, Leiter des Referates F1 „Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement“
Regelmäßig während des Einsatzes vor Ort bzw. in die Lagebewältigung eingebunden: Bürgermeister Andreas Hübgen, Landrat Sören Meng, Landesbrandinspekteur Timo Meyer, Brandinspekteur Michael Sieslack und Wehrführer Sascha Cattarius
Herausgegeben von: Thomas Keller/ Pressesprecher Gemeinde Illingen/ Pressesprecher Feuerwehr Illingen



