„Wir machen Europa!“
Der Saarpfalz-Kreis beteiligte sich mit einem internationalen Austausch an den deutschlandweiten Europawochen 2026
Als „Wonnemonat“ steht der Mai für den Höhepunkt des Frühlings und ihm werden viele positive Attribute zugesprochen. Für die Menschen in Europa wartet der Mai aber auch mit zwei bedeutsamen Gedenktagen zum Feiern der europäischen Einigung auf, dem 5. Mai mit der Erinnerung an die Gründung des Europarates 1949 sowie dem 9. Mai, der durch die Schuman-Erklärung von 1950 als Geburtsstunde Europas gilt.
Seit seiner Einführung im Jahr 1985 feiern die EU-Mitgliedsstaaten den Europatag am 9. Mai und stellen das Thema Europa in Verbindung mit Einheit und Frieden in den Vordergrund. Mittlerweile spricht man deutschlandweit sogar von „Europawochen“, die sich über den Mai hindurch erstrecken und die in den zurückliegenden Tagen auch wieder im Saarpfalz-Kreis durchgeführt worden sind. Für Landrat Frank John gibt es zu einem geeinten, friedvollen Europa keine Alternative: „Europa ist viel mehr als nur eine Organisationsform. Europa ist vor allem eine Vision, die aus den Erfahrungen der Katastrophen von zwei Weltkriegen im 20. Jahrhundert und dem daraus resultierenden Elend entstanden ist. In Europa werden aufkeimende Konflikte heute durch freundschaftliche Zusammenarbeit und wirtschaftliche Verflechtung gelöst und damit ein dauerhaft friedliches Zusammenleben im gemeinsamen Europa garantiert. Die Idee von Europa war in den vergangenen Jahrzehnten innerhalb der Grenzen der Europäischen Union so erfolgreich, dass man die EU als echten Friedensstifter und -bewahrer bezeichnen darf!“ so John. Als Landkreis, der direkt an der in den letzten Jahrhunderten stark umkämpften deutsch-französischen Grenze gelegen ist, hat der Saarpfalz-Kreis sich schon sehr früh die Ideen der Europäischen Einigung durch Aussöhnung und Freundschaft zu Eigen gemacht. „Bereits seit den 1990er Jahren unterhält der Saarpfalz-Kreis intensive internationale Kontakte nach Frankreich, Polen und sogar zu den USA und hat in den letzten Jahren sein Partnerschaftsnetzwerk kontinuierlich, insbesondere in Richtung Polen und die Ukraine, erweitert!“ weiß die Europabeauftragte des Saarpfalz-Kreises und Leiterin der Stabstelle Europa Dr. Violetta Frys zu berichten, die seit 15 Jahren für die europäischen Partnerschaften mit Polen und der Ukraine und auch für die Organisation und Durchführung der diesjährigen Europawoche im Saarpfalz-Kreis verantwortlich ist. Aus den unterschiedlichen Partnerregionen waren Mitte Mai 19 Delegierte in den Saarpfalz-Kreis gekommen, um während der Europawoche in einen intensiven Dialog einzutreten. Dazu waren Landräte und Kreistagsvorsitzende, aber auch ein Parlamentsabgeordneter und auch Bürgermeister aus Polen und der Ukraine weit über 1000 km nach Homburg angereist. In einem viertägigen Programm wurden gemeinsam Themen beraten, wie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Biosphärenreservaten, die Zukunft der Altenpflege, die Situation der Wirtschaft und auch die Abwehr von Sicherheitsrisiken bei Einrichtungen der Daseinsvorsorge. Dazu wurden auch verschiedene Betriebe und Organisationen im Saarpfalz-Kreises aufgesucht. Neben den thematischen Debatten im SeniorenHaus Mandelbachtal und im landwirtschaftlichen Betrieb Hunackerhof in Ormesheim sowie im dortigen Rathaus mit Bürgermeisterin Maria Vermeulen, beeindruckte die Alte Schmelz in St. Ingbert als Industriekultur-Areal zur einstigen Eisenverhüttung durch die besondere Stadt-Land-Beziehung in der Biosphäre mit dem integrierten MINT-Campus. Eine wichtige Station der internationalen Delegationen war das Homburger Unternehmen Dr. Theiss Naturwaren GmbH. Vor allem den Vertreterinnen und Vertretern aus den ukrainischen Partnerregionen des Saarpfalz-Kreises war es ein großes Anliegen, das Unternehmen zu besuchen, das seit Beginn des Krieges in der Ukraine deren Gebiete durch zahlreiche Hilfstransporte unterstützt. Geschäftsführender Gesellschafter Giuseppe Nardi begrüßte die Delegierten persönlich und diese bedankten sich für die solidarische Hilfe für die Ukraine herzlich. In St. Ingbert stattete man dem CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit mit seiner dortigen Millioneninvestition einen Besuch ab und diskutierte mit Dr. Mario Daniels über die durch das Institut erforschten Sicherheitsthemen, die international stetig an Aktualität gewinnen. Im Rathaus St. Ingbert wurden diesbezüglich die Delegierten von Oberbürgermeister Prof. Dr. Ulli Meyer zu einem Gedankenaustausch empfangen. Auch der Workshop „Notfallprotokoll-System für den Saarpfalz-Kreis und die Kommunalverwaltungen“ von Dr. Miroslaw Lukasiewicz und Julia Metalnikova vom polnischen Sicherheitsunternehmen JP Weber, der in der Kreisverwaltung des Saarpfalz-Kreises organisiert wurde, brachte allen Teilnehmenden und weiteren anwesenden Vertretern des Kreises direkten Nutzen, etwa zu Verfahren zur schnellen Erfassung und Bewältigung von Krisensituationen, wobei hier auch ganz aktuell Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg einflossen. Vorgestellt wurde ein System, das auch für den Saarpfalz-Kreis in künftigen Krisen interessant sein könnte. Aus den in diesem Jahr 15 Jahre bestehenden polnischen Kreispartnerschaften mit Przemysl und fünf Jahre mit Lancut sind inzwischen weitere Partnerschaften auf kommunaler und zivilgesellschaftlicher Ebene entstanden. „Aus einer Delegationsreise, zu der ich im September 2025 eingeladen hatte, ist inzwischen eine Gemeindepartnerschaft zwischen der Gemeinde Mandelbachtal im Saarpfalz-Kreis und der Gemeinde Markowa im Landkreis Lancut geworden, die am 21. März dieses Jahres besiegelt worden ist“ freute sich Landrat Frank John. „Aus dieser Bildungsreise ist zudem auch eine Partnerschaft zwischen den Pfadfindern von St. Ingbert und Lancut entstanden. Das erste binationale Projekt der Pfadfinder, das junge Menschen aus den beiden Ländern zusammenbringt, wird in wenigen Tagen im Saarpfalz-Kreis durchgeführt.“ Im Rahmen der Europawoche wurde aber auch die durch den Zweiten Weltkrieg belastete Geschichte von Polen und Deutschland nicht ausgeklammert. An der Gedenkstätte zu Ehren der Seligen Familie Ulma in Gräfinthal wurden zwei Kränze niedergelegt. Gemeinsam mit den Patres Petrus und Wilhelm des Benediktinerpriorats besuchte man eine Andacht in der Klosterkapelle, die von Pater Hieronim Jopek in deutscher und polnischer Sprache gestaltet und von Christian von Blohn musikalisch umrahmt wurde. Zum Abschluss der Europawoche fand eine große Festveranstaltung mit allen Delegierten und zahlreichen hochrangigen Gästen in Homburg statt. Darunter waren auch der Chef der Staatskanzlei David Lindemann, der polnische Generalkonsul Marek Gluszko, der ukrainische Konsul Taras Zholubak und Vizepräsident Gilbert Schuh vom Departementrat Moselle in Frankreich. Während Generalkonsul Marek Gluszko in seiner Rede auf die Ideen der großen Franzosen Robert Schuman und Jean Monnet im europäischen Einigungsprozess eingegangen ist, erinnerte Vizepräsident Gilbert Schuh an das über 60-jährige Bestehen des Élysée-Vertrags und seine Rolle für die deutsch-französische Freundschaft und das Weimarer Dreieck. Von der Bedeutung des Weimarer Dreiecks, das die Zusammenarbeit zwischen Frankreich, Deutschland und Polen fördert, sprach auch Taras Zholubak, Konsul der Ukraine: „Gerade in den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, wie wichtig diese europäische Achse für die Stabilität, Sicherheit und Handlungsfähigkeit Europas ist. Für die Ukraine ist es ermutigend zu sehen, dass diese Zusammenarbeit zunehmend auch die europäische Zukunft unseres Landes mitdenkt“. David Lindemann, der im Namen von Ministerpräsidentin Anke Rehlinger sprechende Bevollmächtigte für Europaangelegenheiten, würdigte in seiner Kernaussage die saarpfälzische Partnerschaftsarbeit: „Europa entsteht dort, wo Menschen einander die Hand reichen – über Grenzen, Sprachen und Krisen hinweg. Beim Festakt zu den europäischen Kreispartnerschaften des Saarpfalz-Kreises wurde spürbar, wie viel Kraft in langjährigen Freundschaften und gegenseitigem Vertrauen steckt. Die Partnerschaften mit Regionen in Polen, Frankreich und der Ukraine stehen für Zusammenhalt, Solidarität und den festen Willen, Europas Zukunft gemeinsam zu gestalten.“ Zwischen den bewegenden Reden, musikalisch am Flügel von Andy Pink umrahmt, fand ein wichtiger Festakt statt: die Erneuerung der Partnerschaftsurkunde des Saarpfalz-Kreises mit dem Rayon Lwiw als Ausdruck der dauerhaften Solidarität mit der kämpfenden Ukraine. „In einer sich stetig wandelnden Welt sind unsere Kreispartnerschaften ein starker Anker. Wir wollen gemeinsam unseren Einwohnerinnen und Einwohnern das grenzenlose Zusammenleben in Europa dauerhaft sichern und als lebendige Regionen das Fundament für ein starkes, geeintes und zukunftsfähiges Europa bilden“ so Landrat Frank John.
Die Europawoche wurde von Engagement Global aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie von der Staatskanzlei des Saarlandes finanziell unterstützt. © Saarpfalz-Kreis

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