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Konstruktiver Austausch

Die Zukunft der Marienhaus-Standorte

Die Gründerinnen (Sabrina Math und Teres Sciarrotta) der Bürgerinitiative „Das Herz des Kohlhofs bleibt hier! Kein Kohlhof ohne Klinik!“ haben sich mit Sebastian Spottke (Vorsitzender der Geschäftsführung der Marienhaus-Gruppe) und Lucas Merschbächer (Kaufmännischer Direktor des Marienhaus Klinikum Neunkirchen) zu einem ausführlichen Gespräch über die Zukunft der Klinikstandorte im Landkreis am 22.01.2026 ausgetauscht. Ziel des Treffens war es, über Pläne, Aktionen und Ansichten der Bürgerinitiative zu informieren und sich über Perspektiven der medizinischen Versorgung in der Region Saar Ost-Nord auszutauschen.

Beide Seiten betonten, dass sie zentrale Interessen teilen: den Erhalt des Mutter-Kind-Zentrums mit Perinatal-Schwerpunkt, eine dringend notwendige Erweiterung des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) sowie eine auch künftig qualitativ hochwertige ambulante und stationäre Versorgung der Bevölkerung im Nordöstlichen Saarland. Gleichzeitig wurde die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Marienhaus Klinikums Neunkirchen (Kohlhof) als unverzichtbare Grundlage aller Planungen hervorgehoben. Herr Spottke und Herr Merschbächer stellten klar, dass das aktuell in den Medien diskutierte Modell ein Zielbild in der Versorgungssituation sein kann, aber in keiner Weise beschlossen sei. Ebenfalls befinden sich zwei weitere Szenarien in intensiver Prüfung, die im Mittelpunkt des weiteren Gesprächs standen. Diese verfügen über das Potenzial, sowohl die wirtschaftliche Basis des Marienhaus Klinikum Neunkirchen zu verbessern als auch den medizinischen Bedarf langfristig zu decken. Sebastian Spottke und Lucas Merschbächer stellten im weiteren Verlauf des Gesprächs Planungsoptionen vor, die bereits dem Gesundheitsministerium präsentiert wurden. Eine Variante sieht die Stärkung des Standorts Kohlhof als umfassenden stationären Versorger vor, ergänzt durch einen wirtschaftlich sinnvollen Erweiterungsbau. Der bisherige Standort des SKD- Krankenhauses könnte in diesem Modell zu einem ambulanten Nahversorgungszentrum umgebaut werden, gegebenenfalls mit zusätzlichen Angeboten in der Pädiatrie, etwa in den Bereichen Rehabilitation, Kindertagesbetreuung oder altersgerechte Versorgung. Eine weitere Option ist die Positionierung des Marienhaus Klinikums Neunkirchen als Schwerpunkt- und Spezialversorger, während das Diakonie Klinikum Neunkirchen als Allgemeinversorger für Stadt und Landkreis fungiert. In diesem Zusammenhang wurde erneut die Verlagerung der Konservativen Orthopädie von St. Wendel-Ottweiler nach Neunkirchen thematisiert. Dieser Verlagerung der Fachabteilung ist jedoch in der Fortschreibung des aktuellen Krankenhausplans nicht entsprochen worden. Nach Einschätzung von Sebastian Spottke und Lucas Merschbächer würde die Hinzunahme der Konservativen Orthopädielangfristig die wirtschaftliche Tragfähigkeit am Standort Kohlhof verbessern. Breiten Raum nahm die Diskussion um die Zukunft des Sozialpädiatrischen Zentrums ein. Es wurde hervorgehoben, dass vor allem die enge Zusammenarbeit und Synergien zwischen dem Sozialpädiatrischen Zentrum, der Allgemeinpädiatrie sowie der Neuropädiatrie ein Qualitätsmerkmal der Versorgung darstellt und eine räumliche Trennung von SPZ und Pädiatrie schwerwiegende Herausforderungen beinhalten würde. Eine gemeinsame Verlagerung von SPZ und Pädiatrie könne daher nicht ausgeschlossen werden. Bürgerinitiative und Sebastian Spottke sowie Lucas Merschbächer stellten zudem fest, dass in Neunkirchen und der umliegenden Region ein erheblicher Versorgungsbedarf besteht. Das SPZ ist derzeit die einzige spezialisierte, kombinierte stationäre und ambulante Einrichtung im Saarland für Kinder und Jugendliche mit sozialpädiatrischem Schwerpunkt, insbesondere für Kinder mit VerhaltensauƯälligkeiten und -störungen. Seit Jahren besteht in der ambulanten Versorgung ein Nachfrageüberhang: Rund 1.000 Kinder stehen aktuell auf der Warteliste für eine ambulante Behandlung, die Wartezeiten betragen teilweise bis zu drei Jahre. Viele Kinder können weder zeitnah vorgestellt noch behandelt werden. Hinzu kommt, dass an die stationäre Kinder- und Jugendmedizin in Neunkirchen derzeit 30 Betten mit sozialpädiatrischem Schwerpunkt angebunden sind, für die ebenfalls Wartelisten bestehen. Aus Sicht der Bürgerinitiative und des Krankenhausträgers belegen diese Zahlen eindeutig, dass eine Erweiterung des SPZ notwendig ist. Die Bürgerinitiative regte daher an, das SPZ sowohl inhaltlich als auch räumlich auszubauen, um die Wirtschaftlichkeit des Standorts zu stärken und die Versorgung nachhaltig zu sichern. Als konkrete Ideen wurden unter anderem eine angeschlossene Reha-Einrichtung sowie eine barrierefreie Ausgestaltung genannt, die zusätzliche Patientengruppen und Leistungsbereiche ermöglichen würde. Bereits heute ist der Standort Neunkirchen ein etabliertes Mutter-Kind-Zentrum mit Perinatal- und SPZ-Schwerpunkt. Ein weiterer Ausbau zu einem pädiatrischen und frauenheilkundlichen Kompetenzzentrum – etwa durch zusätzliche Anbindungen an Fachbereiche wie Nephrologie oder Kardiologie – könnte die umfassende Versorgung schwangerer Frauen und von Kindern aller Altersstufen sichern und zugleich die wirtschaftliche Basis des Standorts stärken. Seitens der Marienhaus-Direktion wurde darauf hingewiesen, dass eine personelle Verlagerung von Mitarbeitenden nach St. Wendel schwieriger sei als zunächst angenommen., Bereits mit Bekanntwerden des Szenarios der Verlagerung haben eine Vielzahl an Mitarbeitenden bekräftigt, einen solchen Schritt nicht mitzugehen. Zudem bestehe am Standort St. Wendel ein erheblicher Investitionsbedarf in Millionenhöhe, deren Umsetzung zudem Jahre in Anspruch nehmen würde. Und dies unabhängig von der Ansiedlung neuer Abteilungen. Eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen; alle Optionen zur Sicherung des Standorts Neunkirchen blieben oƯen. Einigkeit bestand hingegen in der Einschätzung, dass die ambulante pädiatrische Versorgung in Neunkirchen dringend verbessert werden müsse. Der Mangel an niedergelassenen Kinderärzten führe derzeit dazu, dass sich viele Eltern bei ambulanten Notfällen an die Zentrale Notaufnahme wenden. Als mögliche Lösungsansätze wurden ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) sowie eine Erweiterung der Kinderspezialambulanz genannt. Die Marienhaus-Gruppe distanzierte sich davon, dass das aktuell in den Medien diskutierten Modell einer Schließung und Verlagerung des Standorts Neunkirchen das einzig denkbare Szenario der medizinischen Versorgung von Neunkirchen bilde. Zudem verwiesen die Gründerinnen der Bürgerinitiative darauf, dass auch das oft benannte Aktiva-Gutachten die herausragende Versorgung in der Pädiatrie sowie der Frauenheilkunde hervorhebe und eine Schließung nicht ausdrücklich vorsehe. Diese Empfehlung wurde von Sebastian Spottke und Lucas Merschbächer bestätigt.

Das Treffen wurde von beiden Seiten als offen, sachlich und konstruktiv bewertet. Marienhaus begrüßte den direkten Dialog mit der Bürgerinitiative ausdrücklich, um Transparenz zu schaffen und Fehlinformationen entgegenzuwirken. Weitere Gespräche zur Vertiefung der Themen und zur Entwicklung zusätzlicher Optionen wurden bereits vereinbart. © Teresa Sciarrotta

Schenk, Silvia
30. Jan 2026