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Ergebnis "Stunde der Wintervögel" des NABU

.800 Saarländer zählen knapp 42.000 Vögel – wo sind die Spatzen?

Das Ergebnis der „Stunde der Wintervögel“ ist da: Bei der bundesweiten Zählaktion vom NABU und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) haben deutschlandweit am zweiten Januarwochenende mehr als 145.000 Menschen über 3,27 Millionen Vögel in 102.000 Gärten und Parks gezählt.

Auch im Saarland beteiligten sich rund 1.800 Vogelfans und zählten in 1.243 Gärten genau 41.905 Vögel. Am häufigsten an die Futterhäuser kamen die Singvögel Kohlmeise, Blaumeise, Star, Haussperling, Amsel, Elster, Rotkehlchen, Rabenkrähe und Buchfink.
 
1.600 trompetende Kraniche zogen über das Saarland
Zunächst überraschend war die Sichtung von knapp 1.600 überfliegenden Kranichen zu dieser Jahreszeit. Damit landete der elegante Flieger auf Platz 7. Der NABU-Ornithologe Christoph Braunberger hat aber eine plausible Erklärung für dieses Phänomen: „Aufgrund der lang anhaltenden Frostperiode im Norden Deutschlands sind die Übernachtungsgewässer zugefroren, die einen wichtigen Schutz vor Fressfeinden wie beispielsweise Fuchs oder Wolf darstellen. Die Kraniche sind der Kälte entflogen und auf der typischen Zugroute ins wärmere Frankreich über das Saarland gezogen.
 
Wie viele Vögel wurden durchschnittlich pro Garten gezählt? Wie haben sich die Zahlen verändert? 
„Beim Start der Mitmachaktion 2011 wurden im Saarland 56 Vögel pro Garten gezählt, jetzt sind es nur noch 34 Vögel pro Garten. Über die vielen Jahre ‚Stunde der Wintervögel‘ lässt sich also ein stetiger Abwärtstrend beobachten – unsere Städte und Dörfer verlieren Vögel“, äußert sich die NABU-Landesvorsitzende Corinna Heyer besorgt.  Offenbar sind immer mehr Gärten unattraktiv für Vögel, die einheimische Stauden und beerentragende Sträucher benötigen und reich strukturierte Gärten, in denen auch wilde Ecken zu finden sind. Auch Totholz sollte liegengelassen werden, denn hier tummeln sich viele Käferlarven. „In Schottergärten oder monotonen Ziergärten mit exotischen Sträuchern finden sich dagegen keine Nistplätze und kaum insektenreiches Futter, um ausreichend Nachwuchs großzuziehen“, so Corinna Heyer.  
 
26 Prozent weniger Haussperlinge zum Vorjahr gezählt
Auffällig ist der Rückgang des Haussperlings um 26 Prozent. Dafür gibt es drei Gründe, so der Ornithologe Braunberger: „Haussperlinge verlieren Nahrungsräume, weil ungenutzte Brachen bebaut werden und zweitens weil Nistplätze wegfallen, da immer mehr Häuser energetisch saniert werden und so Brutplätze in Spalten unter Dächern wegfallen. Auch ist der Insektenmangel für die Jungenaufzucht weiterhin kritisch zu sehen.“  Hier können Hausbesitzende helfen, indem sie Gärten vogelfreundlich gestalten und sich bei geplanten Gebäudesanierungen vorab ans Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz (LUA), Fachbereich Natur- und Artenschutz wenden. So sieht es das Naturschutzgesetz vor, was leider häufig aus Unwissenheit nicht berücksichtigt wird.
 
Hintergrund:
Die „Stunde der Wintervögel“ ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion und wird vom NABU und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) durchgeführt. Die Aktion liefert in enorm hoher Auflösung Daten zur Winter-Bestandsentwicklung häufiger Arten des Siedlungsraums. Je größer die Teilnahmezahlen und je länger die Zeitreihe, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse. Die nächste Zählaktion ist die „Stunde der Gartenvögel“ und findet vom 8. bis 10. Mai statt.

Mehr Infos zur Aktion: www.stundederwintervoegel.de © NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Saarland e. V.

Schenk, Silvia
30. Jan 2026