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Mehr als ein Schüleraustausch

Projekt Erasmus+ verbindet Kultur, Sprache und Berufsorientierung

Internationale Begegnungen, neue Perspektiven und wertvolle Erfahrungen für die persönliche Zukunft: Für 22 Schülerinnen und Schüler aus Klassenstufe 9 und 10 der Gemeinschaftsschule an den Linden und die Lehrkräfte Frau Klein, Frau Zoch und Herr Bollenbach wurde die Reise ins französische Mauléon zu weit mehr als einem klassischen Schüleraustausch.

Im Rahmen eines Erasmus+-Kurzzeitprojekts verbrachte die Gruppe Anfang Juni fünf Tage an der Partnerschule MFR, einer privaten Berufsschule, die französischen Schülerinnen und Schülern Berufsorientierung, das Kennenlernen verschiedener Berufe und Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Garten- und Landschaftsbau bis hin zum beruflichen Abitur bietet. Die deutsche Gruppe erlebte dabei ein abwechslungsreiches Programm, das kulturelles Lernen, sprachliche Praxis und berufliche Orientierung miteinander verband. Schon der herzliche Empfang in Mauléon machte deutlich, welchen Stellenwert die deutsch-französische Partnerschaft vor Ort besitzt. Vertreter der Stadt, des Partnerschaftsvereins Mauléon–Kirkel und der Partnerschule begrüßten die Gäste aus dem Saarland offiziell und schufen damit einen gelungenen Auftakt für die gemeinsame Woche. Im Mittelpunkt des Aufenthalts stand der direkte Austausch mit den französischen Jugendlichen. Ob bei gemeinsamen Mahlzeiten im Internat, Freizeitaktivitäten oder Ausflügen – die Schülerinnen und Schüler nutzten zahlreiche Gelegenheiten, ihre Französischkenntnisse im Alltag anzuwenden. Statt Vokabeln aus dem Lehrbuch waren spontane Gespräche, gemeinsames Lachen und gegenseitiges Kennenlernen gefragt. So wurde Sprache zum lebendigen Werkzeug der Verständigung und trug dazu bei, bestehende Hemmungen abzubauen und neue Kontakte zu knüpfen. Auch die französische Geschichte und Kultur wurden für die Teilnehmenden greifbar. Beim Besuch des bekannten Themenparks Puy du Fou, Kooperationspartner des MFR Mauléon, tauchten sie in verschiedene Epochen der französischen Vergangenheit ein. Die aufwendig inszenierten Darbietungen vermittelten historische Ereignisse auf anschauliche Weise und eröffneten zugleich einen anderen Zugang zur Landeskunde als der Unterricht im Klassenzimmer. Einen Blick in die Zukunft ermöglichte das Programm ebenfalls. So erhielten die Jugendlichen an mehreren Stationen Einblicke in unterschiedliche Berufs- und Ausbildungswege. Besonders eindrucksvoll war der Besuch der „Machines de l’île“ in Nantes. Das international bekannte Projekt verbindet Kunst, Technik und Handwerk zu gigantischen beweglichen Konstruktionen. Hier wurde deutlich, wie Kreativität und Ingenieurwissenschaften zusammenwirken und welche beruflichen Möglichkeiten sich in technischen und gestalterischen Bereichen eröffnen. Noch praxisnäher gestaltete sich ein Workshop bei der Organisation „L’Outil en Main“. Dort engagieren sich ehemalige Fachkräfte ehrenamtlich, um jungen Menschen traditionelle und moderne Handwerksberufe näherzubringen. In authentischen Werkstätten erfuhren die Schülerinnen und Schüler aus erster Hand, welche Fähigkeiten in Berufen wie Schreinerei, Garten- und Landschaftsbau, Friseurhandwerk oder Kfz-Technik gefragt sind. Der Austausch mit erfahrenen Praktikern vermittelte dabei ein realistisches Bild beruflicher Anforderungen und Perspektiven. Neben den Bildungsangeboten blieb genügend Raum, um die Region kennenzulernen. Ausflüge in das Zentrum Nantes und an die Atlantikküste nach Les Sables d’Olonne boten Gelegenheit, französisches Lebensgefühl zu erleben. Die Eindrücke reichten von der Küstenlandschaft bis hin zu den Besonderheiten des regionalen Alltagslebens. Am Ende der Woche fiel der Abschied entsprechend schwer. Aus anfänglicher Neugier waren neue Freundschaften entstanden, aus einzelnen Begegnungen gewachsene Verbindungen. Nach der Rückkehr ins Saarland nahmen die Teilnehmenden weit mehr mit nach Hause als Erinnerungsfotos und Souvenirs: Sie gewannen Einblicke in ein Nachbarland, stärkten ihre sprachlichen Kompetenzen und erhielten Anregungen für ihre eigene berufliche Zukunft.

Das Erasmus+-Projekt zeigte damit eindrucksvoll, welchen Mehrwert internationale Bildungsprogramme bieten können. Sie eröffnen jungen Menschen die Möglichkeit, Europa nicht nur im Unterricht kennenzulernen, sondern unmittelbar zu erleben. © Stephanie Klein

Schenk, Silvia
25. Jun 2026